Star Wars : Auch Star Wars: Kinect ist Teil dieser Liste. Richtig gelesen. Auch Star Wars: Kinect ist Teil dieser Liste. Richtig gelesen.

Eigentlich wollte ich einen Artikel über die besten Star-Wars-Spiele schreiben, weil ich gerade privat wieder viel zu viele Stunden als virtueller Jedi Ritter verbringe. Und so kann ich wenigstens was Produktives damit anstellen. Aber als ich dann angefangen hatte, meine Platzierungen mit Knights of the Old Republic, Jedi Knight 2, Republic Commando und Battlefront 2 zu besetzen, dachte ich mir: Komm schon, das ist viel zu einfach. Es gibt schon 1.000 Listen der besten Star-Wars-Spiele - die Leute wissen mittlerweile, dass Kotor ein Rollenspiel-Pflichtkauf ist. Ein GameStar-Redakteur darf sich nicht auf dem Offensichtlichen ausruhen.

Also Schritt 2: Ich denke in die andere Richtung, könnte ja eine Liste zu den schlechtesten Star-Wars-Spielen machen. Aber auch das klingt nicht so wirklich fruchtbar, denn die Tiefpunkte der Krieg-der-Sterne-Lizenz bestehen meiner Meinung nach überwiegend aus belanglosen Handheld-Adaptionen für Game Boy Advance, die keinen hier wirklich weiterbringen. Also schaue ich zu den US-Kollegen und scrolle deren »Worst Star Wars Game«-Listen, nur um überrascht festzustellen, dass ich bei den meisten Platzierungen denke: Hey, das Spiel hat vielleicht Macken, aber ich liebe es trotzdem! Lasst es bloß in Ruhe!

Noch mehr Star Wars: Diese Spiele sind nie erschienen

Dass ich mir hier die Zeit nehme, so ausführlich einzuleiten, hat natürlich einen Grund: Ich möchte deutlich machen, dass ich hier auf einem persönlichen Level über Star Wars reden will. Die folgende Liste nennt Spiele, die definitiv ihre Macken haben, aber trotzdem durch bestimmte Aspekte auf ewig einen Platz in meinem Herzen sichern konnten. Bei jeder Platzierung gibt's eine kurze Übersicht, eine kritische Einordnung - und dann einen persönlichen Konter, warum mir diese Einordnung als Spieler eigentlich egal ist. Nicht falsch verstehen: Ich behaupte nicht, dass diese Spiele super sind, sondern will einfach nur darlegen, warum ich trotzdem meine ganz persönliche Freude damit hatte. Als Spieler, nicht als Journalist.

Und wozu das Ganze? Ganz einfach: Wir Journalisten beschäftigen uns fortwährend damit, Spiele zu analysieren, kritisch unter die Lupe zu nehmen, einzuordnen. Wir legen neue spannende Facetten frei, diskutieren, testen und informieren die Leute da draußen. Und das ist alles (meistens) schön und gut. Aber es gibt eben auch diese andere Seite, die unser Hobby ausmacht - die leidenschaftliche Seite, die auf Wertungen pfeift, weil sie sich in ein Spiel verliebt hat, und einen Zugang ganz abseits kritischer Diskussionen findet. Und das will ich in diesem Artikel mal mit Bezug auf Star Wars zelebrieren, deshalb sollte man das alles nicht übertrieben ernst nehmen. Schließlich bin ich am Ende des Tages ja auch ein Spieler.

Star Wars: Episode 1 - Das Spiel zum Film

Was ist das? Die Lizenzumsetzung zu Episode 1. Erschien 1999 für PC und Playstation als Action-Adventure, das in einer Mischung aus Vogel- und Verfolgerperspektive die Geschehnisse der Filmvorlage nacherzählt und ausschmückt. Als Spieler schlüpft man in die Rolle von prominenten Helden wie Obi-Wan und Qui-Gon, klappert die wichtigsten Locations des Films ab, kämpft und rätselt in ausgewogenem Mix, spielt aber auch zusätzliche Kapitel - beispielsweise schützt man auf Coruscant als Captain Panaka (wer erinnert sich) Königin Amidala vor Attentätern.

Warum ist es schlecht? Im Vergleich zu einem Jedi Knight fällt die Bedienung von Epiosde 1 weitaus sperriger aus, der Kampf mit dem Lichtschwert gestaltet sich recht fummelig und die Kamera macht oft genug Probleme. Generell leidet das Spiel unter vielen Krankheiten typischer Lizenzumsetzungen - der fehlende technische Feinschliff ist da nur ein Aspekt. Episode 1 tut sich außerdem spürbar schwer, aus den Schauplätzen des Films wirklich spannende Level zu basteln. Die Suche nach Ersatzteilen für Anakins Podracer auf Tatooine oder der zähe Marsch durch die Gungan-Hauptstadt sind nur zwei Beispiele für weniger gelungene spielerische Herausforderungen.

Warum ist mir das egal? Mal ganz davon abgesehen, dass Episode 1 mein erstes 3D-Erlebnis als Jedi Ritter war, schätze ich bis heute am Spiel, wie stimmungsvoll es die Atmosphäre der Filmvorlage zu virtuellem Leben erweckt. Ja, Episode 1 (der Film) erzählt beileibe keine großartige Geschichte, leidet unter vielen Logiklöchern und hat Jar Jar Binks. Aber auf einer rein emotionalen Ebene habe ich den Film trotzdem ins Herz geschlossen - liegt natürlich auch daran, dass ich beim Kinobesuch erst zehn Jahre alt war. Kindheitserinnerungen und so.

Ob ich auf Tatooine mit den Einwohnern von Mos Espa rede oder durch die Straßen von Corusant hechte - das Spiel zu Episode 1 erweckt diese Welten durch nette Details, Dialoge und Events zum Leben. Das Durchstreifen der Gassen von Tatooine war sogar eine der ersten Quasi-Open-World-Erfahrungen, an die ich mich erinnere - man hatte die freie Wahl, wo man zuerst loslegt und ob man mit Jawas Streit anfängt. Spoiler: Keine gute Idee. Es gab jede Menge nette, kleine Geheimnisse zu entdecken. Außerdem erinnere ich mich heute aus dem Effeff an den Thrill einiger Action-Missionen: Als Obi-Wan und Qui-Gon durch Naboos Haupstadt Theed zu laufen, während sie von Droiden gestürmt wird, die Flucht durch den Dschungel Naboos, während mir Gleiter im Nacken hängen, der Schlusskampf gegen Darth Maul - all diese Missionen wären mir nicht so lebhaft im Gedächtnis, wenn Episode 1 nicht einige Dinge wirklich gut gemacht hätte.

Star Wars: Force Commander - Erste Gehversuche im Strategie-Genre

Was ist das? Lucasarts war dafür bekannt, in puncto Star Wars wirklich kein Genre auszulassen. Force Commander sollte neben Rebellion der erste Gehversuch im Strategie-Genre werden. In der Kampagne spielt man das Schicksal zweier Brüder nach, die als Commander für das Galaktische Imperium Eroberungszüge durchführen müssen. Im Lauf der Story deckt der Spieler jedoch grausame Wahrheiten auf und wechselt die Seiten - rein spielerisch kann man sich Force Commander als klassisches 3D-Echtzeit-Strategiespiel vorstellen, in dem man einzelne Einheiten wie Sturmtruppler, AT-ATs und Drohnen steuert. Die Schlachten finden komplett auf Planetenoberflächen statt.

Warum ist es schlecht? Wegen extrem langer Entwicklungsdauer erschien das Spiel im Jahr 2000 technisch veraltet, hatte trotzdem jede Menge Bugs, eine sperrige 3D-Bedienung, ein hässliches User Interface, doofe KI und einen miesen Soundtrack (ja, ein Star-Wars-Spiel mit miesem Soundtrack). Eine lange Liste, ich weiß.

Warum ist mir das egal? Ich weiß, das hier kehrt als Argument bei Star Wars immer wieder zurück, aber auch Star Wars: Force Commander hat mich mit seiner Atmosphäre unterhalten können. Klar, die Macken kann man nicht wegdiskutieren, nur muss man hier wirklich mal den Eisbrecher-Erstlingsschutz in den Raum werfen: Force Commander war das erste Strategiespiel, in dem ich AT-STs, Sturmtruppen und Kommandeure über die Karte lenken konnte, während Darth Vader persönlich mir übers Comm sagt, dass mein Versagen äußerst bedauerlich ist. Und das klingt ja wohl klasse! Das Spiel erzählt eine in meinen Augen wirklich spannende Geschichte - spielerisch kommt es so zwar nie über ein solides Niveau hinaus, aber als reine Star-Wars-Erfahrung in der Haut eines imperialen Commanders war Force Commander bis zum Erscheinen von Empire at War einzigartig.

Neue Chance für Battlefront: Warum der Skirmish-Modus die bislang beste Ergänzung ist

Star Wars: The Clone Wars - Republic Heroes

Was ist das? Republic Heroes ist ein Tie-In der Animationsserie The Clone Wars und ergänzt die Story der Show um ein neues Kapitel, das zwischen Staffel 1 und 2 stattfindet. Man schlüpft in die Rolle der bekannten Helden, schnetzelt sich als Anakin, Ahsoka, Plo Koon und Co. durch zig Levels und verhaut Droiden. Ein klassisches Action-Adventure, in dem man das Lichtschwert bedient, Luftgleiter steuert und Sprungeinlagen meistert - wahlweise auch im Koop mit einem zusätzlichen Kumpel.

Warum ist es schlecht? Republic Heroes sah schon bei Erscheinen 2009 ziemlich mies aus, hat eine fummelige Steuerung (welches Spiel in dieser Liste hat die nicht), eine belanglose Story und bestenfalls solides Leveldesign. Die Gegner sind strohdoof, wiederholen sich permanent, die Rätsel locken keinen hinter dem Ofen hervor und die verschiedenen Helden unterscheiden sich kaum. Den Metascore von 46 Prozent kann ich voll nachvollziehen. Und trotzdem…

Warum ist mir das egal? Seit ich das erste Mal Episode 4 geschaut habe, beschäftigten mich die Klonkriege. Ich spekulierte im Kopf, wie dieses ominöse Gefecht, von dem der alte Obi-Wan erzählt, wohl ausgesehen haben muss. Dann kamen die neuen Episoden - und trotz meiner Probleme mit dem Skript von Episode 2 und 3 halte ich die Darstellung der Klonkriege für ziemlich cool. Zumindest hat sich die Faszination erhalten. Schade nur, dass sie viel zu selten als Schauplatz in Spielen auftauchen. Neben Republic Commando, Battlefront und Rogue-Squadron-Ableger Clone Wars eigentlich gar nicht.

Republic Heroes schließt hier eine Lücke und gibt mir ein Serien-Tie-In mit den Originalsprechern, das sich sogar um eine eigene Geschichte bemüht. Klar, das Ergebnis gewinnt keinen Gamedesign-Preis, aber befriedigt meine Fantasie, in diese einzigartige Ära einzutauchen und an der Seite berühmter Jedi Ritter Schlachten zu schlagen. Battlefront mag die ultimative Schlachtfantasie sein, Republic Commando ein fantastisches Spin-Off, aber Republic Heroes fühlt sich am ehesten an wie ein spielbarer, kurzweiliger Film mit meinen Ikonen Obi-Wan und Co. in der Hauptrolle. Und dass es einen Koop gibt, ist natürlich auch ganz nett.

Star Wars: Jedi Power Battles

Was ist das? Neben dem offiziellen Spiel zu Episode 1 gab es eine weitere, konsolen-exklusive Umsetzung namens Jedi Power Battles, die die Story des Films allerdings eher als lose Vorlage aufgreift. Die Adventure-Elemente des ersten Spiels fallen hier weg, stattdessen begreift man Power Battles besser als 3D-Beat 'em up, in dem man Mitglieder des Jedi-Rats durch zig Kapitel schnetzelt.

Warum ist es schlecht?Das Zauberwort von halbherzigen Lizenz-Umsetzungen: Bedienungsprobleme. Jedi Power Battles steuert sich echt hakelig und man muss sich nichts vormachen - dieses Spiel lebt einzig und allein von der tollen Star-Wars-Lizenz. Allerdings bliebe selbst ohne die ein halbwegs solides Schnetzelspiel für Playstation und Dreamcast.

Warum ist mir das egal?Die erste Werbung zu Jedi Power Battles habe ich damals im Spieleberater (hach!) zum anderen Episode-1-Spiel entdeckt. Und mein Ärger als PC-Spieler war groß: Das hier sah aus wie die schnittigere Variante zu meinem Spiel mit besseren Effekten, flotteren Animationen und schnellerer Action. Später bekam ich dann endlich die Gelegenheit, es bei einem Kumpel zu spielen - und siehe da, ich hatte Recht. Jedi Power Battles ist tatsächlich die Action-Variante zu Episode 1. In meiner Vorstellung gewannen die (in der Filmvorlage) blassen Jedi-Meister ein bisschen Farbe, während ich sie durch die Missionen jagte. Jedi Power Battles ist trotz all seiner Probleme pure Kurzweil für mich. Oh, und ich bin ohnehin ein großer Fan von Beat 'em ups.

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Star Wars: Kinect

Was ist das? Kinect hat als Xbox-Erweiterung echt nichts unversucht gelassen, um den eigenen Wert zu beweisen. Dazu gehört auch das Experiment Star Wars: Kinect - eine Sammlung von Minispielen, in denen man per Motion Control Lichtschwerter schwingt, einen Rancor steuert und so weiter.

Warum ist es schlecht? Star Wars: Kinect erntet im Internet die Goldene Himbeere der Star-Wars-Spiele. In fast jedem Ranking der schlechtesten Star-Wars-Spiele landet es auf Platz 1, wird hart kritisiert für liebloses Spieldesign. Diesem Spiel fehlt es komplett an Substanz, es ist an keiner Stelle mehr als ein fehlgeschlagener PR-Deal für Microsofts Kinect. Und ich würde mir nicht im Traum herausnehmen, zu behaupten, es sei eigentlich gar kein mieses Spiel.

Warum ist mir das egal? Star Wars: Kinect hat keinen speziellen Platz in meinem Herzen, keine warme Erinnerung. Ich habe es damals auf der Gamescom 2011 angespielt, fand es da schon doof und habe es seitdem auch nicht mehr angefasst. Eigentlich gehört es also nicht in diese Liste aus Siegern der Herzen. Aber es gibt ein famoses Video, für das ich Star Wars: Kinect auf ewig dankbar sein werde. Es ist blöd, es ist albern, es tritt Star Wars mit Füßen, aber herrje - hat dieses Lied Ohrwurm-Potenzial. Ein klarer Fall für die Kategorie »So mies, dass es irgendwie wieder witzig ist«. Bitte anschauen, hat nicht ohne Grund über eine Millionen Abrufe: