Spieler brauchen Ziele, egal ob selbstgesteckt oder vorgegeben. Die Karotte vor der Nase zieht immer noch am besten und je mehr Karotten es gibt, desto motivierender wird das zweite große Thema in Spielen: das Endgame.

Entwickler Grinding Gear Games hat sich im neuen Addon zum kostenlosen Hack&Slay-Hit Path of Exile beiden Themen gewidmet: dem Endgame und seinen Karotten. Atlas of Worlds macht aus einem zuvor eher chaotischen System eine Struktur mit dem gewissen Motivations-Etwas. Und warum das so gut funktioniert, analysieren wir im Test.

Hier geht's zum ursprünglichen Test von Path of Exile: Ascendancy

Das bisherige Prinzip

In Path of Exile geht es darum, massenhaft Monster zu verkloppen, Beute zu machen, Stufen aufzusteigen und sich so immer größeren Herausforderungen zu stellen. Das Skillsystem inklusive dem monströsen passiven Skillbaum sowie das umfangreiche Crafting sorgen dabei für extrem viele mögliche Charakter-Varianten. Vier von einer guten Geschichte angetriebene Akte in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen helfen bei Monsterhatz und Stufenaufstieg - aber was machen wir danach?

Path of Exile
Auch wenn die Kartenbauteile an sich nicht immer neu sind, die zusätzlichen Map-Varianten bringen mehr Abwechslung ins Spiel.

Sobald wir auf der höchsten Schwierigkeitsstufe (Merciless) im dritten Akt das Eternal Laboratory freigeschaltet haben (um Level 65 herum), können wir die sogenannten Maps spielen. Dabei handelt es sich um Karten mit zufälligem Layout, die jeweils einen bestimmten Boss beinhalten. Die Maps sind ebenfalls Beute und können über das Crafting mit zusätzlichen Modifikationen verzaubert werden, die die Map-Eigenschaften, aber auch die Beutemenge und -qualität beeinflussen. Dabei gilt: Desto fieser die Modifikationen (beispielsweise Prozentabzüge der Spielerresistenzen oder Prozentaufschläge auf Schadensarten der Monster), desto mehr und bessere Beute fällt.

Auf diese Weise prügelten wir uns bisher durch zahllose zufällig generiert Endgame-Karten auf der Suche nach Beute und Erfahrung. Das war's. Bis jetzt.

Struktur ins Chaos bringen

Das Map-System war zwar nicht schlecht, aber unstrukturiert und ohne einen roten Faden, an dem man sich orientieren konnte. Das ändert sich nun grundlegend: Alle Maps finden sich auf einer großen Karte wieder, dem namensgebenden Atlas of Worlds. Der Atlas hat vier Einstiegspunkte in je ein eigenes Viertel, und zwar jeweils eine Map der Stufe Eins. Spielen wir diese Karte, können darin weitere Maps fallen, die entweder anschließen (zum Beispiel eine Map mit Stufe 2) oder sich auf derselben Stufe befinden.

Schaffen wir es in die Mitte des Atlas (dieser Bereich hat Stufe 16), wartet dort für jedes Atlas-Viertel ein Wächter. Jeden dieser vier Bosse müssen wir in hammerharten Kämpfen besiegen. Sollte uns das gelingen, haben wir einen Versuch frei, gegen den Shaper, den großen Map-Endboss, anzutreten. Scheitern wir, müssen wir erst wieder die Wächter töten, um einen weiteren Versuch zu bekommen.

Zufalls-Frust oder Beute-Lust?

Es kann schon manchmal richtig frustrierend sein, wenn wir eine Map spielen und keine neue Maps als Beute bekommen - oder wahlweise nur Maps die wir bereits mehrfach durchgespielt haben. Damit das aber nicht zur Regel wird, bieten sich uns mit dem Addon einige Möglichkeiten, unseren Fortschritt zu beeinflussen.

Path of Exile – Ascendancy : Dieser Atlas beinhaltet alle Endgame-Maps in Path of Exile. Der Weg zum Endboss in die Mitte ist eine Herausforderung.

Der neue Atlas
Dieser Atlas beinhaltet alle Endgame-Maps in Path of Exile. Der Weg zum Endboss in die Mitte ist eine Herausforderung.

Jede Map auf dem Atlas hat ein Bonusziel, das in der Regel darin besteht, den Boss zu töten. Bedingung ist allerdings immer eine bestimmte Qualität der Map, beispielsweise normal (weiß), magisch (blau) oder selten (gelb). Mit jedem Bonusziel, das wir erfüllen, bekommen wir plus ein Prozent Chance darauf, dass die nächste Map-Beute ein oder sogar zwei Stufen höher ausfällt als normal. Je mehr Boni wir sammeln, desto höher wächst unsere Bonus-Chance und umso schneller kommen wir voran.

In lila umkreisten Maps erbeuten wir zudem einen sogenannten Shaper-Orb. Das ist keine Zufallsbeute, sondern garantierte Beute vom Boss der Map. Diesen Orb können wir je nach Level des Orbs auf eine Map anwenden und sie damit um fünf Stufen anheben. Beispiel: Haben wir auf die Arcade-Map (Stufe 1) einen Shaper-Orb angewandt, fallen ab sofort keine Arcade-Maps mehr, sondern nur noch Shaped-Arcade-Maps. Diese sind nun Stufe Sechs, das heißt die Monster sind auf dieser Stufe, ebenso die Beute.

Über diese und weitere Möglichkeiten (beispielsweise können wir bei Kartenmeisterin Zana Maps kaufen) dürfen wir den Atlas anpassen und unseren Fortschritt etwas anschieben. Aber Achtung: Ein schneller Durchmarsch ist nicht möglich, die Komplettierung des Atlas benötigt sehr viel Zeit. Wer gut plant und seine Maps mit sinnvollen Mods versieht, der kann das ganze etwas beschleunigen, aber der Weg durch den Atlas wird mit jeder Stufe schwerer.

Das sorgt manchmal zwar für etwas Frust, wenn wir kein Beuteglück mit den Maps haben. Aber der Motivations- und Herausforderungsfaktor weiterzukommen und in die Mitte vorzudringen, ist mit dem Atlas exponentiell gewachsen. Grinding Gear Games hat das Endgame in Path of Exile sortiert, strukturiert und aufpoliert. So macht das Spielen der Maps richtig Spaß, denn wir sehen und beeinflussen unseren Fortschritt nun auf einer ganz neuen Ebene.

Inhalts- und Performanceplus

Die Menge der Maps und der umzulegenden Bosse wurde stark vergrößert: 30 neue Maps und 19 neue Bosse warten darauf, von uns auseinandergenommen zu werden. Dazu kommen neue einzigartige Gegenstände und eine neue Liga, die Essence-League. Darin wird das Crafting verändert: Wir finden bei manchen Monstern bestimmte Essenzen, die im Unterschied zum bisherigen, komplett zufälligen Crafting eine bestimmte Modifikation garantieren.

Gleichzeitig wurde die Technik hinter Path of Exile signifikant verändert: Das Spiel unterstützt nun mehrere Kerne einer CPU. Das Ergebnis ist eine spürbar verbesserte Performance des Spiels, die nur äußerst selten durch Verbindungs-Lags getrübt wird. Auch die Texturen wurden einer neuen Komprimierungsmethode unterzogen, um ein flüssigeres Spiel zu erreichen.

Atlas of Worlds macht Path of Exile - ungeachtet weiterer Addons, die vielleicht noch kommen mögen - zu einem richtig runden Erlebnis. Das bis dato etwas ungeordnete Endgame beeindruckt nun mit einer sinnvollen, wahnsinnig motivierenden und sehr abwechslungsreichen Struktur.