Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD - PC

Rollenspiel  |  Release: 30. Juli 2013  |   Publisher: UIG Entertainment
5 von 5 Leser fanden diese Rezension hilfreich

Leser-Rezension zu Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD

Zu große Fußstapfen

Von Hans_W |

Datum: 15.08.2013 | zuletzt geändert: 15.08.2013, 22:35 Uhr


Klassische PC-Rollenspiele sind nach Meinung der Spieleproduzenten nicht mehr gefragt. Besser gesagt: Die zu erwartenden Umsätze sind ihnen zu gering und das Risiko, auf hohen Kosten sitzen zu bleiben, zu groß. Deshalb herrscht eine große Ideenlosigkeit und es blüht der Hang zur Casualisierung, um neue Käuferschichten (Konsolenspieler) zu erschließen. Da erstaunt schon der Versuch von „Overhaul Games“, die Baldur’s Gate-Reihe mittels einer Enhanced Edition wiederzubeleben. In dieselbe Kerbe schlagen die „Crafty Studios“ mit „Schicksalsklinge HD“. Besonders ideenreich ist das auch nicht, aber wenn man eine exzellente Vorlage gut kopiert, könnte ein für Nostalgiker vielversprechendes Resultat die Folge sein.

An einem gebührenden Nachfolger von Jagged Alliance haben sich schon einige Firmen erfolglos abgearbeitet. Die derzeitigen Genre-Größen (Skyrim, Dragon Age, Witcher) verschieben den Schwerpunkt immer weiter in Richtung actionbasierender Kämpfe. Anyway…

Per Definition – nämlich: kleines Studio, das sich um die Nachstellung eines alten Spiels bemüht – kann dieses Spiel nur Begeisterung innerhalb eines kleinen Publikums hervorrufen, nämlich dem Kreis, der die historischen Vorgänger kennt und schätzt. Also handelt es sich hierbei vorranging um eine Reminiszenz des klassischen PC-RPGs aus dem „Das Schwarze Auge“ (DAS) Universum.

Es ist eines jener altmodischen Spiele, die Geduld und Mühe abverlangen und bei denen das Scheitern eine Option ist, die der Spieler sich von Beginn an vor Augen zu führen hat. Von Beginn an bedeutet, dass der Spieler eine Gruppe/Party aus sechs Mitgliedern zusammenstellen muss. Hier kann man bereits fatale Fehler begehen, wenn man das Grundgesetz missachtet: Die Gruppe muss hinsichtlich der gewählten Klassen ausgewogen sein. Während spätestens seit „Neverwinter Nights“ jede Charakterklasse alles irgendwie ein bisschen kann (und manches ein bisschen besser beherrscht als die andere), ist bei DSA die Trennung absolut: Jede Klasse hat seine spezielle Befähigung und man braucht Experten in allen Bereichen, um jeder Situation gewappnet zu sein. Im DSA-Regelwerk besitzt jeder Charakter sowohl positive als auch negative Grundwerte, Talente und Zauber, die bei der Charaktererstellung ausgewürfelt und verteilt werden, und bei jedem Stufenaufstieg gezielt verbessert werden können. Geht man diese Angelegenheit zu lässig an, kann es zum Beispiel passieren, dass ein kraftstrotzender Krieger mit hohem Wert für Totenangst fluchtartig das Schlachtfeld verlässt, wenn die Gruppe einem Trupp Untoter gegenübersteht (zumindest in der Theorie…).

Eine planvolle Vorgehensweise ist die Grundvoraussetzung zum Gelingen. Das betrifft nicht nur die Taktik der rundenbasierten Kämpfe. Bevor man sich in einen Dungeon begibt, sollte man sich vergewissern, dass die Heldengruppe für Tage hinreichend versorgt ist mit Nahrung, Wasser, Tränken, Kräutern, Survival-Gerätschaften etc., sonst wird die Gruppe im Dungeon langsam aufgerieben. Auch sollten magiebegabte Gruppenmitglieder ihre zum Zaubern notwendigen Astralpunkte sehr gezielt einsetzen, da sie sich nur während der Nachtruhe -die in unwirtlichen Gegenden gestört ist - langsam regenerieren. Da der Erfolg einer Expedition mühsam erarbeitet werden muss, nimmt man umso begeisterter die Belohnung der Mühe entgegen. Sie besteht einerseits aus den seltenen aber mächtigen magischen Gegenständen, aus den wenigen Stufenaufstiegen, die die Gruppe erfährt - und vor allem aus der sich nach und nach entfaltenden Story. Der Schwierigkeitsgrad ist keineswegs hoch, aber man muss sich in das Spiel einarbeiten und einlesen. Moderne PC-Spiele räumen dem Spieler von Grund auf sämtliche Hindernisse aus dem Weg. Er soll permanent getragen werden auf einer Welle des Erfolgs. Die heutigen Gamedesigner verbinden das Scheitern des Spielers stets mit Frustration, die zur Folge habe, dass der Spieler enttäuscht aufgibt. Das Gegenteil ist wahr: Nur wenn die Möglichkeit des Scheiterns besteht, ist der Erfolg am Ende (gefühlt) auch etwas wert. So entsteht ein motivierendes System aus Belohnung und Anreiz. Moderne Rollenspiele, bzw. Actionspiele mit Rollenspielanleihen, zeigen dem Spieler offen, wofür sie ihn halten: einen lesefaulen, entscheidungsschwachen Trottel. Zu früheren Zeiten sind wichtige Spielelemente nicht durch blinkende Symbole hervorgehoben worden, die dem Spieler keine andere Wahl lassen, als sie anzuklicken. In „Schicksalsklinge“ muss der Spieler überlegen, wie er Einfluss auf die Handlung nehmen kann, wo er wichtige Personen trifft bzw. ausfindig macht. So ist es keine schlechte Idee, hin und wieder Tavernen zu bereisen, um sich unter die Einheimischen zu mischen…

Soweit das Konzept. Sprechen wir nun über die Umsetzung. Das Spiel in Version 1.01, die am Tag der Veröffentlichung vorlag und worauf sich die meisten Rezensionen beziehen, kann mit einem Wort beschrieben werden: Desaster. Fehler in jeder Hinsicht sowie „Platzhalter“ und eine unvollständige Umsetzung sind Grund für die - zurecht  - vernichtenden Kritiken. Meine Rezension bezieht sich nun auf Version 1.18 (15.08.13). Es ist wichtig, dies festzustellen, weil die Entwickler beinahe täglich neue Patches nachliefern, die schlimmsten Fehler beseitigt haben und nun viele Spielelemente implementiert sind, die in der Urversion nicht enthalten waren. Obwohl das Spiel eher an eine fortgeschrittene Beta-Version erinnert denn an ein Release, kann man, ohne über eine hellseherische Gabe zu verfügen, annehmen, dass „Schicksalsklinge HD“ in absehbarer Zeit als vollständig und weitgehend fehlerfrei gelten wird, sofern die Entwickler die Arbeit mit gleichbleibendem Tempo fortsetzen. Dass sie es können und gewillt sind, haben sie in den vergangenen beiden Wochen (seit Release) bewiesen.

In technischer Hinsicht bietet das Spiel einen durchwachsenen Eindruck. Auf der Habenseite befinden sich: eine schöne Architektur, hübsche Dungeontexturen, ansehnliche Licht-Schatten-Verhältnisse, eine sehr gute Übersichtskarte, das traditionelle Interface sowie ein guter (deutscher) Sprecher. Ebenfalls gut gelungen ist das Inventarfenster und die Darstellung der Charakterdaten. Die Mängel sind leider nicht von der Hand zu weisen: Die Charaktermodelle und Kampfanimationen sind sehr hässlich, Kampfsounds sind schlicht und unvollständig, die Umgebung ist nur mit wenig Objekten geschmückt und diese sehen deshalb künstlich platziert aus. Insgesamt scheint es nur zwei bis drei Modelle für Nichtspielercharaktere zu geben, die die Ortschaften bevölkern. Die Umgebung wirkt auch deshalb häufig sehr steril. Die Schlachtfelder wiederholen sich oft und sind trist. Winzige Objekte auf den Schlachtfeldern versperren den Weg für Bewegung oder Fernkampf. Als nach wie vor problematisch erweist sich die Spielperformance: Abhängig von der Tageszeit, also den Lichtverhältnissen, und der Zahl an Objekten bricht die Bildwiederholrate auf wenige Frames pro Sekunde ein, was scheinbar unabhängig von der (theoretischen) Leistungsfähigkeit des PCs ist.  Prinzipiell ist mir die technische Modernität nicht so wichtig wie der Stil. Ich hätte es als die bessere Lösung empfunden, wenn die Entwickler statt auf eine halbgare 3D-Grafik zu setzen sich für detaillierte, handgezeichnete Bilder (z.B. in den Tempeln, Tavernen, Geschäften…) entschieden hätten.

Fazit: Wer bereit ist, auf eine moderne Technik zu verzichten, wer eine entsprechende Leidensfähigkeit und Frusttoleranz mitbringt, findet mit „Schicksalsklinge HD“ ein sehr anspruchsvolles, spannendes und langfristig motivierendes Spiel. Die Atmosphäre des Vorgängers von 1992 wird gut eingefangen. Sobald man die Spielmechanik verstanden hat, ist der Schwierigkeitsgrad fair. Zwar ist die Handlung streng linear und der Wiederspielwert insofern eher gering, aber die variantenreiche Herangehensweise an Kämpfe, die Nebenmissionen und teilweise verborgenen Rätsel, die man gerne sämtlich lösen möchte, und die vielfältigen Möglichkeiten bei der Zusammenstellung der Gruppe, laden zu weiteren Durchgängen ein.

Die enttäuschende Erkenntnis ist, dass die schwache Kopie eines Klassikers der RPG-Geschichte immer noch interessanter und fesselnder ist als nahezu alle Neuentwicklungen der letzten Jahre.

Wertung:

70/100 » alle Rezensionen von Hans_W (7)

Screenshots zu Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD

Pro & Contra

  • Klassisches RPG in der Welt des "schwarzen Auges"
  • Taktische Kämpfe
  • Detailreiche Charakter- bzw. Gruppenentwicklung
  • Noch zu viele Bugs
  • Teils unvollständig
  • Technische Umsetzung stellenweise miserabel

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgradgenau richtig
Bugs im SpielHäufiger, unregelmäßig
Bisher im Spiel
verbrachte Zeit
Mehr als 20, weniger als 40 Stunden

5 von 5 Leser fanden diese Rezension hilfreich

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Avatar Bombata
Bombata
#1 | 16. Aug 2013, 10:07
"Meine Rezension bezieht sich nun auf Version 1.18 (15.08.13)."

Bist du bei den Craftys eingebrochen und hast den neu kompilierten Patch mitgehen lassen, oder wie schaffst du es mit einer Version zu spielen, die noch gar nicht veröffentlicht ist, weder auf Steam, noch für die CE-Besitzer? (Stand 16.08.2013)

http://forum.schicksalsklinge.com/index.ph p?page=Thread&postID=32873#post32873

Ansonsten ein gut geschriebener Test, auch wenn die Wertung ein wenig zu positiv ausfällt.
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Avatar Yeager
Yeager
#2 | 16. Aug 2013, 20:18
Respekt, gut geschriebene, sehr aufschlussreiche Rezension mit wahren, übergreifenden Aussagen.
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Avatar Wertungsfanatiker
Wertungsfanatiker
#3 | 16. Aug 2013, 23:54
Ein ordentlicher Test, leider mit unverständlichem (Wertungs-)Ausgang. Bei der Masse an Fehlern, noch nicht eingebautem Inhalt und einer Technik, die stellenweise miserabel ist, gibst du immer noch 70, d.h. ein ordentliches befriedigend ? Auch wenn ich die 6 % von PCG deutlich für verfehlt halte, sind 70 hierfür doch zu viel.

Einen Patch 1.18 gibt es meiner Kenntnis nach noch nicht, vielleicht verschrieben ?
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Avatar Hans_W
Hans_W
#4 | 17. Aug 2013, 09:38
Zitat von Wertungsfanatiker:
Ein ordentlicher Test, leider mit unverständlichem (Wertungs-)Ausgang. Bei der Masse an Fehlern, noch nicht eingebautem Inhalt und einer Technik, die stellenweise miserabel ist, gibst du immer noch 70, d.h. ein ordentliches befriedigend ? Auch wenn ich die 6 % von PCG deutlich für verfehlt halte, sind 70 hierfür doch zu viel.


Hast Du das Spiel tatsächlich gespielt? Wenn ja, wann und wie lange?
Denn viele Kritiken haben sich von der Entwicklung des Spiels in den letzten Wochen weit entfernt, verselbstständigt und gegenseitig aufgeschaukelt. Jetzt verteidigen diese Kritiker ihre letzte Bastion, dass das Spiel unspielbar sei, mit unglaublichem Furor.
Da ist eine Menge substanzloses Gejammer und Arroganz darunter, vermutlich von Berufsquerulanten und Spielern, die überfordert sind.
Weder Gamestar noch PC Games verbreiten Wahrheiten, es sind schlicht Meinungen. Und diese sind auch nicht fundierter als andere, aufgrund oberflächlicher Beschäftigung manchmal sogar weniger hilfreich.

Zitat von :
Einen Patch 1.18 gibt es meiner Kenntnis nach noch nicht, vielleicht verschrieben ?


Den gibt es seit gestern oder heute. Aber das ist eigentlich auch unerheblich, denn morgen oder übermorgen wird 1.19 folgen, usw.
Wichtig ist die Erkenntnis: Es wird weiter daran gearbeitet.
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Avatar Wertungsfanatiker
Wertungsfanatiker
#5 | 18. Aug 2013, 12:16
Ja, habe das Spiel mal ein paar Std. angespielt, aber dann wieder zur Seite gelegt. Es war (mit 1.15.) noch nicht wirklich spielbar, die Kämpfe waren nach wie vor zu fehlerbehaftet. GSt. hat das Spiel in einer früheren Version getestet, der Test ist ganz ordentlich, aber mit zu wenig Verständnis für das alte und komplexe Spielsystem geschrieben, die Wertung war damals mindestens vertretbar. Der PCG - Test ist wie das Video eher eine Beleidigung (6 %), obwohl gerade Weiss alter DSA - Spieler ist (wahrscheinlich gerade deswegen).

70 sind aber m.E. nach wie vor deutlich zu viel. Vielleicht aber gerechtfertigt ca Anfang September, 5 Wochen nach Release...
Die Browsergames - Entwickler waren einfach mit dem komplexen Spiel überfordert, zu wenig Budget, Manpower etc.. die haben sich das wohl zu einfach vorgestellt.
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Avatar Chica
Chica
#6 | 19. Aug 2013, 14:25
"Also handelt es sich hierbei vorranging um eine Reminiszenz des klassischen PC-RPGs aus dem „Das Schwarze Auge“ (DAS) Universum."

DAS heißt DSA ;)
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Avatar Hans_W
Hans_W
#7 | 19. Aug 2013, 23:22
Zitat von Wertungsfanatiker:
Die Browsergames - Entwickler waren einfach mit dem komplexen Spiel überfordert, zu wenig Budget, Manpower etc.. die haben sich das wohl zu einfach vorgestellt.


Ich habe keine Ahnung, weshalb man sich zu einem viel zu frühen Release entschied. Wer auch immer hier verantwortlich zeichnet, muss sich den Vorwurf der Sabotage gefallen lassen! Der Ruf der crafty studios kann nur repariert werden, wenn "Sternenschweif" alle Erwartungen weit übertreffen wird (und das direkt am Tag der Veröffentlichung). Wie Du siehst, hoffe ich, dass es mit der Nordlandtrilogie weitergehen wird.
Was die PC Games betrifft: Meines Erachtens versucht das Blatt durch provokativ schlechten und übertrieben polemischen Journalismus das totale Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit um einen weiteren Monat zu verschieben.
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Avatar Hans_W
Hans_W
#8 | 19. Aug 2013, 23:29
Zitat von Chica:
"Also handelt es sich hierbei vorranging um eine Reminiszenz des klassischen PC-RPGs aus dem „Das Schwarze Auge“ (DAS) Universum."

DAS heißt DSA ;)


Stimmt, das sticht heftig ins Auge.
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Details zu Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD

Plattform: PC
Genre Rollenspiel
Untergenre: -
Release D: 30. Juli 2013
Publisher: UIG Entertainment
Entwickler: Crafty Studios
Webseite: https://www.facebook.com/DSANo...
USK: Freigegeben ab 16 Jahren
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
Platz 553 von 5644 in: PC-Spiele
Platz 152 von 1303 in: PC-Spiele | Rollenspiel
 
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