Seasons in Diablo 3 :

Die fetten Jahre sind vorbei für Diablo-Spieler: Heute erinnere ich mich fast schon wehmütig zurück daran, wie ich damals zu Patch 2.4.0 schrieb, dass nur Updates auf Dauer nicht reichen und dringend mal ein neues Addon nötig wäre. Ich wusste ja nicht, wie gut ich es damals hatte!

Seitdem ist eine neue Erweiterung immer unwahrscheinlicher geworden und die Patches für Diablo 3 immer kleiner. Wo früher noch schwerwiegende spielerische Neuerungen wie Kanais Würfel dazukamen, schraubt der neueste Patch 2.4.2 vor allem am Balancing. Keine Frage, Diablo 3 ist immer noch ein enorm spaßiges Spiel, nirgends jage ich Monster so flüssig und bombastisch - aber sein Langzeit-Reiz verblasst für mich zunehmend.

Das große Patch-Schrumpfen

Nun wäre es falsch zu sagen, dass sich Diablo 3 mit jeder Season gleich spielt. Auch simpelste Balance-Zahlenschieberei kann sich ja spürbar auf das Spielgeschehen auswirken. In der sechsten Saison führte nichts zu größeren Triumphen, als mit drei reinen Unterstützungscharakteren durch größere Portale zu stürmen, während ein einzelner lächerlich übermächtiger Energiewirbel-Magier den Schaden der kompletten Gruppe übernahm. Dieser unschönen Spielweise hat Blizzard nun den Zahn gezogen - gut so!

Diablo 3 Reaper of Souls
Im fünften Akt erwarten uns immer mal wieder gut inszenierte Bosskämpfe – hier allerdings nur gegen einen »normalen« Boss, keinen der Hauptbosse.

Aber dass ich jetzt durch noch höhere Torment-Schwierigkeitsstufen hetzen kann - die größte inhaltliche Neuerung dieser Saison - das will mich kaum begeistern. Dadurch ändert sich ja kaum etwas. Ich gehe Torment 13 eben dann an, wenn ich meine Schadenszahlen hoch genug geschraubt habe, dass ich genauso lässig da durchpflüge wie vorher durch Torment 10. Ein neues Spielgefühl stellt sich nicht ein.

Sets sind alles

Seasons in Diablo 3 : Der Konkurrent Path of Exile verzichtet ganz bewusst auf Set-Items, weil man Spielern nicht vorschreiben will, welche Gegenstände sie zusammen nutzen müssen. Der Konkurrent Path of Exile verzichtet ganz bewusst auf Set-Items, weil man Spielern nicht vorschreiben will, welche Gegenstände sie zusammen nutzen müssen. Und was besagte Schadenszahlen angeht: Dabei dreht sich Diablo 3 schon seit einer ganzen Weile immer um die gleichen vier Sets pro Klasse. Klar, jede Season avanciert ein anderes zum König der Ranglisten, und gelegentlich wird eins auch mal tiefschürfender überarbeitet. Mit Version 2.4.2 war die Pracht des Feuervogels dran. Aber Diablo 3 ist mir viel zu stark auf diese Sets und ihre übertriebenen Boni ausgelegt.

Ganz oben mitspielen können nur Charaktere, die volles Rohr auf Sets und Items mit klangvollen Texten wie »erhöht den Schaden um 2.000 Prozent!« oder »halbiert allen erlittenen Schaden!« oder »diese Fähigkeit kostet halb so viel und verursacht dreifachen Schaden!« setzen.

Schadensfähigkeiten in ihrer Grundform sind ohne diese Verstärker völlig wertlos. Deswegen fiel etwa die Himmelsfaust über mehrere Seasons hinweg komplett unter den Tisch. Denn spielen kann man nur diejenigen, deren Durchschlagskraft sich mit genügend Items in die Stratosphäre hochmultiplizieren lässt. Was umgekehrt auch bedeutet, dass mit jeder guten Fähigkeit immer ein paar ganz konkrete Pflichtitems einhergehen. Im Falle eines Sets sogar gleich sechs davon.

Interessant: Die seltensten legendären Items in Diablo 3

Es ist keineswegs so, dass es gar keinen Raum für einfallsreiche Builds mehr gibt, aber er ist viel kleiner, als er sein könnte. Das Ringset Vermächtnis der Alpträume sollte dem abhelfen und besonders Charaktere unterstützen, die eine eigene Kollektion legendärer Items ohne weitere Sets benutzen. Es erwies sich aber als zu schwach, um mehr als eine Handvoll Kompositionen hervorzubringen, die mit klassischen Sets mithalten können.

Seasons in Diablo 3 : Noch ein toller Kandidat für etwas Hack'n'Slay-Abwechslung: Grim Dawn! Noch ein toller Kandidat für etwas Hack'n'Slay-Abwechslung: Grim Dawn!

Zukunft der endlosen Seasons?

Und dann sind da noch die Seasons selbst: Abgesehen vom Drang, diesmal erster auf der Rangliste zu sein (und so gut bin ich schlichtweg nicht), bieten sie mir überraschend wenig Anreiz, mit einem neuen Helden loszulegen. Ihre Belohnungen folgen einem immer gleichen Schema, das noch nicht einmal sonderlich spannend ist: Ein Pet, ein Rahmen, eine Handvoll Transmogrifikationen, mit gaaaanz viel Aufwand noch ein Truhenfach - spannend geht anders.

Seasons in Diablo 3 : Diablo 2 motivierte deutlich stärker, einen neuen Helden hochzuleveln, weil man nur so einen anderen Build ausprobieren konnte. Diablo 2 motivierte deutlich stärker, einen neuen Helden hochzuleveln, weil man nur so einen anderen Build ausprobieren konnte. Anders als die Ligen von Path of Exile warten die Diablo-Seasons auch nicht mit spielmechanischen Besonderheiten wie etwa besonders fiesen neuen Monstern auf, die ich nur in der Season treffen kann. Und das flexible Charaktersystem von Diablo 3 - das ich ja eigentlich mag! - führt dazu, dass es auch keinen inhärenten Wert hat, einen zweiten Charakter der gleichen Klasse hochzuleveln. Will ich neue Fähigkeiten testen, kann ich das auch mit meinem bestehenden Helden tun.

Aktuell fühlt sich Diablo 3 an, als gäbe es gar keine große Vision für die Zukunft mehr. Das Entwicklerteam wurde stark reduziert, die Seasons passen so, das kann man jetzt alles erstmal nach dem etablierten Schema weiterlaufen lassen. Und während Blizzard noch auf jeder Blizzcon irgendetwas Spannendes zu allen anderen großen Marken zu sagen hatte, ist es um Diablo verdächtig still geworden.

Wunschliste: So sähe unser perfektes Diablo 4 aus

Derweil häufen sich Spekulationen und Hinweise, dass Blizzard dieses Jahr ein neues Team für die Entwicklung am nächsten großen Diablo-Spiel aufgestellt hat. Und die darbenden Fans glauben selbst in den kleinsten Details einen Hinweis auf eine bevorstehende Diablo-4-Ankündigung zu sehen - man stelle sich vor, in der Goodie-Bag für die diesjährige Blizzcon steckte ein vierseitiger Diablo-Würfel! Ob da nun was dran ist oder nicht, ich hoffe wirklich, dass wir von Diablo dieses Jahr noch mehr zu hören kriegen als nur die nächste Season und den nächsten Patch - die Serie hätte es verdient!