Eve-Online-Shooter :

Was hat CCP denn da geritten? Der Ego-Shooter Dust 514erscheint nur für Sonys Playstation 3. Das war die große Neuigkeit auf der Spielemesse E3 2011, vorher war stets von »Konsolen« die Rede. Jetzt ärgern sich wahrscheinlich die Xbox-Kunden, aber wer sich schon länger ärgert und dafür sogar noch einen guten Grund hat, sind wir PC-Spieler. Die wurden nämlich von Anfang an ausgeschlossen.

Warum? Immerhin ist EVE Onlinewie kaum ein anderes Spiel ein Hardcore-PC-Thema. CCP ist einer der Entwickler, die nah an und mit ihrer Community arbeiten und dort großes Vertrauen genießen. Auf der E3 haben wir die CCP-Jungs jetzt persönlich fragen können, welchen Sinn dieses Ausgrenzen der PC-Spieler haben soll, die bisher schließlich das Rückgrat des EVE-Universums und damit von CCP bilden.

Eve-Online-Shooter : Thomas Farrer, verantwortlicher Produzent von Dust 514 erklärt uns zunächst ausschweifend, was so einzigartig an dem Online-Shooter werden soll. „Wir entwickeln keine Achterbahnen, die sind nur einmal lustig, danach ist es immer und immer wieder dasselbe, das wird schnell langweilig. Darum entwickeln wir Sandkästen, geben dem Spieler, was er braucht, um das zu tun, was er will. In EVE gibt es riesige Allianzen, die um die Vorherrschaft im Universum kämpfen, selbst organisiert, mit Spionen und Botschaftern, teils ist es eine Nachbildung dessen, was wir auf der realen Welt erleben. So hat eine sehr mächtige Allianz, hauptsächlich von Russen bevölkert, gegen einen Zusammenschluss aus Skandinaviern gekämpft. Die Russen waren zahlenmäßig überlegen und löschten die Truppen der Gegner immer wieder aus - aber statt sich zurückzuziehen, kamen die immer und immer wieder. Die Russen fragten sich, ob das vielleicht Masochisten seien, die nach jedem Schlag um mehr bettelten. Aber ihre Spione bekamen heraus, dass in Wirklich Amerikaner dahinter steckten, die unbedingt einen Krieg mit den Russen führen, das aber nicht offen zugeben wollten und darum die Skandinavier immer wieder mit Waffen und Schiffen versorgten.“

Thomas Farrer sieht uns erwartungsvoll an

„Und wo ist da die Verbindung zu Dust 514“, fragen wir. Thomas erklärt, dass sich alles um Sinn drehe, um Motivation. In einem normalen Shooter kümmere es die Spieler nicht besonders, wenn sie mal einen Kampf verlören, es gäbe ja nichts von Bedeutung zu schützen. „In Dust 514 dagegen, beschützen die Spieler ganze Planeten, die sie in jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut haben, nämlich die aus EVE. In Dust tragen wir die Kämpfe auf die Planetenoberflächen, es geht um Ressourcen, es geht um Macht, es geht darum, das zu beschützen, was dir gehört. Und sich, je nach Charakter und Spielweise, das zu holen, was du haben willst“.

„Aber grade deshalb ist es doch totaler Quatsch, die PC-Spieler, die wirklich an diesem Universum hängen, weil sie es aufgebaut haben, du hast es doch grade selbst erklärt, auszuschließen“, haken wir nach.

Farrer redet nun von Technik. Die Playstation 3 sei optimal für ein Projekt wie Dust 514. Wir entgegnen, dass mittlerweile selbst Einsteiger-Spiele-PCs die Leistung einer PS3 übertreffen würden. „Das stimmt, aber dazu kommt, das Sony ein starker Partner für uns ist, der uns vielfältig unterstützt. Dust 514 wird exklusiv zum Download im Playstation Network erscheinen, es kostet eine kleine Gebühr, deren Höhe noch nicht feststeht. Ab dann wird es Free2Play sein, mit einem Ingame-Item-Shop“.

Das also ist es. Es geht ums Geschäftsmodell und um nichts anderes. Wir können sehr gut nachvollziehen, was Thomas Farrer gesagt hat, wir finden es toll, Sinn und Tiefe in Spiele zu geben, weil so Leidenschaft entsteht. Nur genau die Menschen rauszuschmeißen, die die Grundlage dafür geschaffen haben, ist kein guter Zug. Und auch nicht klug. Denn nicht jeder EVE-Spieler wird sich nun eine PS3 neben den PC stellen und abwechselnd auf den verschiedenen Plattformen im selben Universum unterwegs sein. Und die PS3-Spieler, die Dust 514 grade für sich entdecken, haben nicht die langjährige Bindung an das Universum, die für die einzigartige Motivation sorgen soll. Wie wir es auch drehen und wenden, wir verstehen es nicht, auch wenn wir CCP nur das Beste unterstellen.

Thoams Farrer sagt zum Schluss noch: „Wer weiß, was in fünf Jahren sein wird“. Damit könnte er andeuten, dass sich Dust 514 später auch auf dem PC niederlassen wird. Doch das ist reine Spekulation. Was bleibt, ist der schale Beigeschmack der vergebenen Chance, das jetzt schon einzigartige EVE-Universum in einer Weise weiter zu entwickeln, die richtungweisend für das MMO-Genre sein könnte. Schade.