Zum Thema » Test-Video zu E.Y.E Kommentierte Spielszenen & Fazit Wer Spaß an Titeln wie Deus Ex (2000) hat, also gerne spielerische Freiheit genießt, dem sei E.Y.E: Divine Cybermancy empfohlen. Der Mix aus Shooter und Rollenspiel des französischen Indie-Entwicklers Streum On erreicht zwar nicht die Qualität des großen Vorbilds, kostet zum Release aber auch nur 20 Euro. Und bietet überraschend viel Tiefgang.

Beruf: Samurai, Ninja oder Elektro-Ingenieur?

Deus Ex ist deswegen heute ein moderner Klassiker des Action-Genres, weil es den Spielern die freie Wahl ließ, wie sie ein Level oder Problem angehen wollten. Ob der Spieler lieber heimlich schleichen, erbarmungslos ballern oder mit Hilfe gehackter Elektronik ans Ziel kommen wollte, sowohl das Leveldesign wie auch der umfangreiche Fertigkeiten-Baum ließen jeden nur erdenklichen Weg zu. Genau an dieser Stelle setzt der Shooter mit dem sehr sperrigen Titel E.Y.E: Divine Cybermancy an.

E.Y.E: Divine Cybermancy : Szenario, Architektur und Farbgebung erinnern oft an Science-Fiction-Filme der Siebziger- und Achtziger-Jahre.

Sci-Fi-Setting
Szenario, Architektur und Farbgebung erinnern oft an Science-Fiction-Filme der Siebziger- und Achtziger-Jahre.

In zum Teil sehr weitläufigen Levels, die an ältere Science-Fiction-Klassiker wie Blade Runner (1982), Alien (1979) oder Outland (1981) erinnern, steht es dem Spieler frei, mit welchen Waffen, welcher Taktik und welchen Spezialfertigkeiten er die ihm gestellten Aufgaben meistern möchte. Stürzt er sich wie ein schwer gerüsteter Samurai-Krieger in den Nahkampf, schleicht er sich unsichtbar wie ein Ninja von hinten an die arglosen Opfer heran, lässt er Drohnen und gehackte Selbstschussanlagen die Drecksarbeit machen, feuert er als Scharfschütze aus sicherer Deckung oder setzt er seine Psi-Kräfte ein, um den Geist der Feinde zu übernehmen oder Klonkrieger auferstehen zu lassen. Selbstverständlich funktioniert auch der ganz althergebrachte Weg mit Schrotflinte, Sturmgewehr und portabler Gatling-Kanone.

Charakter: Komplizierter Freigeist

Das freie Charaktersystem, das im Spiel über kurze Video-Tutorials rudimentär erklärt wird, ist die große Stärke des Spiels und eine echte Herausforderung. Neben der Inventar-Verwaltung, die vor allem der Bewaffnung dient, gibt es die Charakter-Werte (wie Stärke, Genauigkeit, Medizin), einen umfangreichen Fertigkeiten-Baum (zum Beispiel mit speziellen athletischen Fähigkeiten oder mächtigen Psi-Kräften), mehrstufige aufrüstbare Implantate, die sich wiederum direkt auf die Charakterwerte auswirken und ein Forschungsmenü, in dem sehr nützliche Dinge wie Medikits oder neue Waffen erforscht werden können. Die unterschiedlichen Taktiken und Charakterausrichtungen funktionieren in den meisten Fällen ziemlich gut und sorgen deswegen für einen hohen Wiederspielwert.

E.Y.E: Divine Cybermancy

Allerdings gerät der Spieler im Laufe der je nach Spielweise sechs- bis zehn-stündigen Solokampagne immer wieder an Schlüsselstellen (zum Beispiel im Endkampf), in denen ein sehr guter Kampfskill (Nahkampf, Schusswaffe oder Psi-Kraft) unabdingbar ist. Wer ausschließlich schleichen und hacken möchte, hat es in diesen Momenten schwer, hier bleibt der Shooter ein reinrassiger, nun ja, Shooter.

Zum Glück ist der Schwierigkeitsgrad jederzeit skalierbar, außerdem bestraft E.Y.E: Divine Cybermancy das frühzeitige Ableben nur mäßig. Zunächst fällt der Spieler lediglich ins Koma, aus dem er binnen weniger Sekunden wieder an derselben Stelle im Level aufersteht. Erst nach zu vielen Komaanfällen setzt E.Y.E den Spieler an den letzten automatischen Speicherpunkt zurück. Freies Speichern gibt es dafür nicht, stattdessen merkt sich das Spiel den jeweiligen Spielfortschritt. Insgesamt ein gewöhnungsbedürftiges, letztlich aber faires System.