Einmal im Jahr präsentiert der schwedische Publisher und Entwickler Paradox ( Hearts of Iron 3 ) der versammelten Journalistenschar seine wichtigsten kommenden Spiele, so will es die Tradition. Und die Tradition will natürlich auch, dass wir uns diese Spiele ansehen.

Paradox Interactive Con 2012 :

Auf einem Schloss bei Stockholm haben wir sechs kommende Paradox-Titel unter die Lupe genommen: Warlock: Master of the Arcane , War of the Roses , Gettysburg: Armored Warfare , Napoleon‘s Campaigns 2 , Salem sowie Navel Warfare: Arctic Circle . Auf den folgenden Seiten fassen wir zusammen, was uns beeindruckt und was uns kalt gelassen hat.

War of the Roses – Battlefield 1455

Paradox bezeichnet War of the Roses als sein »bislang größtes Spiel« und als sein »Traumspiel«. Ein wichtiges Projekt also, das man am besten als Battlefield im Mittelalter bezeichnen kann. Genauer gesagt: Als Battlefield im Englischen Rosenkrieg, einem Erbfolge-Krieg, der von 1455 bis 1485 auf der Insel wütete.

Der historische Hintergrund spielt allerdings nur in der Solo-Kampagne eine Rolle, in der wir als fiktiver Charakter reale Ereignisse nachspielen sollen. Im Grunde wird der Feldzug aber vorrangig dazu dienen, Spieler an den Multiplayer-Modus heranzuführen. Denn der ist das Herzstück von War of the Roses.

Das Actionspiel soll Online-Schlachten auf grundverschiedene Karten bieten, von belagerten Burgen über Dörfer bis hin zu Wäldern und Sümpfen. Die von Paradox präsentierte Burgkarte macht bereits einen interessanten Eindruck, weil sie neben dem verschachtelten Gemäuer auch das Umland mit einbezieht, also den Burggraben und Waldstücke.

Wie viele Spieler auf den Karten antreten können, steht noch nicht fest, Paradox verspricht jedoch mindestens 32, 64 oder mehr seien zumindest theoretisch möglich, müssen aber erst noch getestet werden. Auch die Spielmodi sind noch nicht festgezurrt, auch wenn es in jedem Fall (Team-)Deathmatch sowie einen »objektbasierten« Modus geben soll. Gut möglich also, dass die Ritter in Battlefield-Manier Flaggen erobern dürfen.

War of the Roses - Screenshots aus dem Update »Winter has arrived«

Im Gegensatz zum Vorbild wählen die Spieler allerdings keine vorgefertigte Klasse, sondern steuern einen selbst erstellten Charakter, der noch dazu im Kampf Erfahrung sammelt und so immer neue Waffen freischaltet.

Zum Spielstart soll es 15 Waffenklassen mit insgesamt 60 Kampfgeräten geben, von Schwertern und Äxten über Hellebarden und Speere bis hin zu Armbrüsten und Langbögen. Jede Waffe lässt sich zudem mit freigeschalteten modifizieren, ein Schwert etwa mit unterschiedlichen Klingenvarianten (etwa normalem Stahl, gehärtetem Stahl und Damast-Stahl).

Paradox Interactive Con 2012 : Auch die Rüstungswahl erfordert Köpfchen: Leichte Panzer schützen schlechter, erlauben jedoch mehr Beweglichkeit; schwer gerüstete Recken sind dicker gepanzert, aber auch träger. Mittlere Rüstungen liegen irgendwo dazwischen. Helme lassen sich zusätzlich mit Zierrat wie Federn oder sogar Figürchen aufwerten, um den Helden zu individualisieren.

Noch dazu soll War of the Roses Rollenspiel-Elemente bieten, bei Levelaufstiegen können wir 60 Perks in fünf beliebig kombinierbaren Kategorien (Angriff, Defensive, Unterstützung, Bewegung, Offizier) freischalten. Was der Offiziers-Talentbaum umfasst, möchte Paradox noch nicht verraten – gut möglich, dass wir wie der Commander in Battlefield 2 unser Team befehligen dürfen. Ein Squad-System soll jedenfalls erlauben, dass wir direkt an der Front bei den Teamkameraden spawnen.

Zudem nennen die Entwickler Beispiele aus den anderen Perk-Kategorien. Beispielsweise schalten wir Angriffsmanöver frei, darunter ein Schlag mit dem Schild, der den Gegner aus dem Gleichgewicht bringt. Oder wir wählen die Fähigkeit, direkt zum Schlachtbeginn auf einem Pferd zu starten (sonst müssen wir den Gaul von einem anderen Spieler erbeuten).

Oder wir verkürzen die Nachladezeit unserer Armbrust, die wir zudem mit einem kleinen Quicktime-Event (im richtigen Moment klicken) beschleunigen können. Oder wir lernen, einem Freund einen Pfeil zu ziehen. So lange man einen feindlichen Pfeil im Körper stecken hat, kämpft man nämlich weniger effektiv. Apropos kämpfen: Während das Spiel beim Zielen mit Fernwaffen wie Bögen in die Ego-Ansicht schaltet, schlagen wir Nahkämpfe in der Third-Person-Perspektive. Je länger wir die Maustaste gedrückt halten, desto härter wird unser Schlag. Und je nachdem, wohin wir die Maus ziehen, schwingen wir von rechts, links oder oben, oder wir führen einen Stich aus.

War of the Roses - Artworks

Für jede Angriffsrichtung gibt‘s eine Parade; wir müssen also genau beobachten, von wo der Gegner angreift, und dann schnell reagieren. Alternativ blocken wir Hiebe mit dem Schild, der alle Richtungen »abdeckt«, aber nach zu vielen Treffern kaputtgeht.

Paradox Interactive Con 2012 : Auch die Waffen habe nur eine bestimmte Haltbarkeit, wenn unsere Hauptwerkzeug zerbröselt, müssen wir unsere Zweitwaffe ziehen, etwa ein Schwert. Und wenn selbst jenes das Zeitliche segnet, zückt unser Held seinen unzerstörbaren Dolch, der wie das Messer aus Battlefield 3 auf (sehr!) kurze Distanz durchaus tödlich sein kann.

Ausprobieren können wir all das nicht, noch befindet sich War of the Roses in der frühen Alpha-Phase, viele Dinge stehen noch nicht fest. Beispielsweise sind sich die Entwickler noch nicht ganz im Klaren, ob es bei Schlachten um Burgen auch Belagerungswaffen geben soll.

Schon jetzt planen sie dafür, War of the Roses auch nach dem Start zu unterstützen. Kartenpakete werden grundsätzlich kostenlos erscheinen, damit alle Spieler die neuen Schlachtfelder genießen können. Als kostenpflichtige DLCs plant Paradox zusätzliche Waffen, die jedoch nicht die Balance gefährden, sondern nur zusätzliche Optionen bringen sollen.

Fazit: War of the Roses ist das interessanteste Spiel des aktuellen Paradox-Portfolios, zumal mit Gordon Van Dyke ein ehemaliger Battelfield-Entwickler daran mitwirkt. Die mittelalterlichen Team-Schlachten klingen jedenfalls schon mal spannend, zudem sieht das Spiel ordentlich aus – wir freuen uns schon auf die Beta. Der einzige Wackelfaktor ist das Szenario: Der Rosenkrieg dürfte in Kontinentaleuropa nur einen sehr eingeschränkten Personenkreis interessieren, viele Spieler werden davon noch nie gehört haben. Ein allgemeines Mittelalter-Setting und ein eingängigerer Titel à la »Sword« wären unserer Meinung nach besser gewesen, um Multiplayer-Fans anzulocken.