Man nehme GTA 4, das meistgelobte Konsolenspiel des Jahres. Dessen perfekt inszenierter Mix aus erschreckend beiläufiger Brutalität und irre komischer Realsatire erhebt Computerspiele endgültig in den Rang zeitgenössischer Kultur.

Man füge eine dicke Prise gerechtfertigter Erwartung auf eine mindestens ebenbürtige PC-Fassung hinzu -- immerhin ist GTA 4 auf den Konsolen trotz vergleichsweise schwachbrüstiger Hardware technisch und grafisch ausgezeichnet. Man verfeinere die Komposition mit der süßen Hoffnung, dass sich der bereits enorme finanzielle Erfolg in gediegen aufpolierter PC-Grafik und Steuerung niederschlägt. Als Sahnehäubchen noch ein erfrischender Video-Editor, und fertig ist das PC-Spiel des Jahres.

Doch Pustekuchen! Nach einer guten halben Stunde Installation will ich den Mix endlich kosten, doch ich muss erst noch dem Rockstar Social Club und Games for Windows Live beitreten, beide Tools patchen, dann jeweils Konten anlegen und anschließend beide verknüpfen und aktivieren. Das dauert! Jetzt aber endlich den Liberty-City-Cocktail schlürfen. Doch statt Spielstart nur Absturz, so wie mir geht es den meisten Radeon-Besitzern. Peinlich, wie Rockstar PC-Spielern den Weg zum Spielinhalt des Jahres erschwert. Denn GTA 4 ist wirklich toll -- wenn man’s denn zum Laufen kriegt.

Was für mich bleibt, ist der bittere Nachgeschmack profitgeiler Ignoranz. Damit verdient sich GTA 4 den Titel: »Unspiel des Jahres«. Herzlichen Glückwunsch!

Florian Klein, Hardware-Redakteur