Du lieber Himmel ist das herzig! Vom ersten Augenblick an sind wir vom kindlichen Stil des Action-Adventures Ittle Dew förmlich erschlagen. Drollige Schnabeltiere wandern durch kunterbunte Wäldchen, tierisch kostümierte Wachen patrouillieren durch ein farbenfrohes Schloss und aus den Boxen tönen fröhliche Melodien. Ein Spiel für Kinder also? Mitnichten, denn die überwältigende Niedlichkeit ist nur die Fassade für einen knackigen Rätselsnack, der mit herrlich naivem Humor allerlei Videospielklischees auf die Schippe nimmt.

Die liebsten Ziele der Ittle Dew-Witzeleien sind unverkennbar die frühen 2D-Zelda-Titel für NES und Super Nintendo. Allein die titelgebende Heldin ist Link wie aus dem Gesicht geschnitten und ebenso wie Nintendos bekannter Feenjunge hat auch Ittle Dew ein Helferchen an ihrer Seite, nämlich den geflügelten Fuchs Tippsie. Die Dame und ihr Sidekick stranden zum Beginn des Abenteuers auf einer mysteriösen Insel mit einem gewaltigen Schloss im Zentrum. Der einzige Händler am Eiland führt zwar ein Floß im Sortiment, das kostet aber einen Sack voll Gold.

Ittle Dew braucht also Bares und das wird über die typische Zelda-Routine beschafft: Wir kämpfen und rätseln uns quer über die Insel und ihr Gemäuer, sammeln unterwegs nützliche Werkzeuge, besiegen eine Handvoll Bossgegner und klauen den Inselbewohnern den Zaster aus den Schatztruhen. Wer The Legend of Zelda oder A Link to the Past kennt, fühlt sich vom Fleck weg heimisch: Vogelperspektive, Steuerung und Spielprinzip orientieren sich klar an dem Klassiker, nur eben in abgespeckter Form und etwas anderer Aufmachung.

Wo kaufen?
Ittle Dew ist über die offizielle Homepage um 13,99 US-Dollar zu haben(entspricht zum Testzeitpunkt etwa 10,50 Euro) oder via Steam um 9,99 Euro.

Schalk im Nacken, Cleverness im Kopf

Im Gegensatz zu Links oft bierernsten Reisen ist der Inselausflug von Ittle Dew nämlich ausgenommen albern. Tippsie hat etwa ein echtes Suchtproblem mit Heiltränken, und wenn Ittle Dew Zelda-typisch ein Lebensenergie-Herz vom Boden mampft, findet der zynische Fuchs das zurecht widerlich. Die beiden witzeln über den trostlosen Alltag typischer 08/15-Feinde (Wäsche waschen) und staunen über fliegende Gegner die über furchtbare Höhenangst klagen – jedoch ausschließlich auf Englisch, eine deutsche Übersetzung gibt es nicht. Ittle Dew wird bei all den Seitenhieben aber nie zur fiesen Parodie. Das Action-Adventure lacht mit den Spielen, die es auf den Arm nimmt und nicht über sie. Dieser naive und dennoch komische Humor geht mit der farbenfrohen Aufmachung Hand in Hand. Die ganze fröhliche Atmosphäre ist wie ein erfrischender Sommerurlaub von all der Ernsthaftigkeit im Spieleregal. Vorausgesetzt Sie mögen Schieberätsel.

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Ittle Dew
Heldin Ittle Dew und ihr fliegender Fuchs Tippsie stranden auf einer mysteriösen Insel. Das reicht in Ittle Dew als Story.

In puncto Spielmechanik setzt Ittle Dew nämlich größtenteils auf Logik-Puzzles, bei denen wir diverse Plattformen hin und her schieben. Das ist im Grunde wenig originell, aber besonders dank der drei Spezial-Items, die wir im Spielverlauf kaufen dürfen, bleiben die Rätsel abwechslungsreich und knackig. Mit dem Feuerschwert kann Ittle Dew beispielsweise Eisblöcke schmelzen, mit dem Eisstab im Umkehrschluss Blöcke oder Feinde einfrieren, und mit dem echt cleveren Portal-Stab darf die wackere Heldin sowohl Blöcke erschaffen als auch eine Teleport-Funktion nutzen. Viele Rätsel sind nur lösbar, indem wir die Utensilien schlau kombinieren. Genau wie es sich anhört ist das keine Genrerevolution, doch gerade so anspruchsvoll, dass die gute alte Puzzle-Hassliebe aufflammt: Scheitern wir an einem Raum, verfluchen wir unsere eigene Unfähigkeit (und das Spiel gleich mit). Geht der Knoten dann auf, halten wir uns wieder kurz für das größte Genie auf dem Planeten – bis wir an der nächsten Kopfnuss verzweifeln.

Und dann ist’s auch schon wieder vorbei

Das gelungene Spielchen hat aber auch eine Kehrseite: Ittle Dew ist ein ausgesprochen kurzes Vergnügen. Selbst wenn wir ausgiebig nach Sammelkarten (mit witzigen Infos zu Feinden) oder Papierfetzen (erweitern unsere Lebensleiste) suchen und den optionalen Master-Dungeon angehen, ist Ittle Dew nach vier bis fünf Stunden vorbei (je nachdem, wie lange wir über den Rätseln brüten). Zumindest bietet die Zelda-Hommage ein gewisses Maß an Wiederspielwert – eine gehörige Portion Sportsgeist vorausgesetzt.

Das Spiel ist nämlich so konzipiert, dass kaum ein Spieler denselben Weg geht. Ittle Dew ist gespickt mit versteckten Abkürzungen für besonders helle Köpfe und/oder Spieler mit Speedrun-Ambitionen. Wer will, kann das Ende auch mit lediglich zwei Spezial-Items erreichen und mit einem entsprechenden Plan gar in kürzester Zeit durch das Abenteuer rauschen (es gibt sogar ein Achievement für eine Zeit unter 15 Minuten!). Mehr als Leaderboard-Ehren und Erfolge gibt’s als Belohnung aber nicht. Trotz der Kürze ist Ittle Dew dennoch ein charmanter und liebevoll designter Sommersnack für Retro-Liebhaber mit einigen knackigen Schieberätseln und ohne große, hervorstechende Macken – gerade recht für zwischendurch.