Warum müssen die Hauptdarsteller in Gangster-Computerspielen eigentlich immer unfreiwillig in dieses Milieu hineinrutschen? Warum braucht zum Beispiel Niko Bellic aus GTA 4 einen dusseligen Cousin, dem er nur mit illegalen Mitteln aus der Patsche helfen kann? Wahrscheinlich, damit wir uns besser in unser Alter Ego hineinversetzen können. Damit wir sagen können: »Hey, ich bin zwar ein braver Bürger, aber unter diesen Umständen würde ich vielleicht auch Autos klauen und Leute hauen.« Vito Scaletta, der Held aus dem Actionspiel Mafia 2 von 2K Games, ist da anders. Der wird Mafioso, weil ihm anständige Arbeit schlicht zu blöd ist. Er will Geld, er will Macht, er will Frauen, und das möglichst schnell. Wenn wir mal ehrlich sind, ist das doch eine weitaus glaubhaftere Motivation als das Gangster-wider-Willen-Szenario.

Mafia 2 : Die Tageszeiten im Spiel wechseln nicht dynamisch, sondern missionsabhängig.

Tageszeiten
Die Tageszeiten im Spiel wechseln nicht dynamisch, sondern missionsabhängig.

Und so erzählt Mafia 2 eine echt wirkende Gangstergeschichte aus den 40er- und 50er-Jahren, in der sich unser Held trotz seiner Gesinnung irgendwann doch fragen muss, ob er nicht lieber was Anständiges gelernt hätte.

Zurück aus dem Krieg

Vitos Ausbildungsstätte ist der Zweite Weltkrieg. Hier lernt der junge Mann das Kämpfen, und der Spieler tut es ihm gleich: Die erste Mission von Mafia 2 spielt auf Sizilien, wo Vito als amerikanischer Fallschirmjäger Mussolinis Truppen vertreiben soll.

Zum Thema » Technik-Check zu Mafia 2 Anforderungen und Grafikvergleich » Demo-Download Eine Proberunde in Mafia 2 drehen » Boxenstopp zu Mafia 2 Wir packen das Spiel aus Mafia 2 ab 6,71 € bei Amazon.de Hier üben wir, mit den Waffen des Spiels umzugehen und auf Knopfdruck hinter Objekten in Deckung zu hechten. So verknüpfen die Entwickler geschickt das Tutorial mit Vitos Vorgeschichte. Denn auf Sizilien bekommt er zum ersten Mal die Macht der Mafia zu spüren: Nicht die Feuerkraft der Alliierten, sondern allein der lokale Gangsterboss Don Calo bewegt schließlich die italienischen Milizen zur Aufgabe. Vito ist schwer beeindruckt, wie viel Einfluss ein einzelner Mann haben kann.

Zurück in Amerika ist Vito entsprechend erfreut, dass sein Kumpel Joe erste Kontakte zur amerikanischen Mafia geknüpft hat. Insbesondere, weil seine Mutter in Geldnöten steckt und Vito deshalb schnell an Kohle kommen muss. Also doch Gangster wider Willen? Nicht ganz. Denn die zweitausend Dollar für Mama hat Vito schnell ergaunert. Danach könnte er sich eigentlich als Hafenarbeiter verdingen, aber das ist ihm zu mühsam.

Wieder verbinden die Entwickler Story und Spielmechanik: Im Rahmen einer Mission sollen wir am Hafen Kisten auf einen Laster verladen. Das ist genauso langweilig, wie es sich anhört, und so denken wir schnell: »Boah, ehrliche Arbeit nervt.« Sobald wir die Kisten stehen lassen und abhauen, startet eine der vielen tollen Zwischensequenzen von Mafia 2 (im Spiel stecken gut zwei Stunden dieser kinoreifen Videos). Darin bietet uns der Hafenaufseher einen weitaus lukrativeren, aber eben illegalen Job an. Vito willigt auf der Stelle ein, und wir können’s gut verstehen.

Aufstieg in der Familie

Im Laufe der Geschichte arbeitet sich Vito in seinem Mafiaclan nach oben. Mafia 2 ist in 15 Kapitel eingeteilt, die in der Regel einen Tag in Vitos Leben beschreiben. Der beginnt meist damit, dass Vito aufsteht: Zuerst pennt er noch auf Joes Couch, später bekommt er seine eigene Wohnung, schließlich sogar ein Haus im besten Viertel der Stadt.

Übers Telefon oder durch einen Hausbesuch wird Vito dann zu seinem aktuellen Arbeitgeber beordert, von da geht’s weiter zur nächsten Treffpunkt mit sonstwem, bevor es irgendwann zu einer furiosen Schießerei und/oder Verfolgungsjagd kommt. Bis dahin kann es aber dauern, denn Mafia 2 lässt sich gehörig Zeit mit der Action. Dadurch erinnert das Spiel umso mehr an Mafiafilm-Klassiker wie Der Pate oder Good Fellas: Lange Passagen mit pointierten (und ausgezeichnet vertonten) Dialogen werden plötzlich von Gewaltexzessen unterbrochen, nach denen die feinen Herren Mafiosi wieder zur Tagesordnung übergehen.

Aber wenn geballert wird, dann richtig: Dank zerstörbarer Umgebung, satter Waffensounds und einer brauchbaren KI machen die Schießereien einen Mordsspaß. Schade nur, dass Mafia 2 kein freies Speichern erlaubt. Mal eben einen Spielstand laden und Action erleben funktioniert also nicht. Stattdessen sieht’s so aus: Bevor wir etwa in Kapitel 8 eine rivalisierende Rocker-Gang über den Haufen schießen dürfen, müssen wir erst mal aufstehen und uns was anziehen, eine Viertelstunde lang mit einem LKW herumgurken und Zigaretten verkaufen, uns Ärger mit besagten Rockern einfangen, dann eine kurze Verfolgungsjagd beginnen und verlieren, dann den Boss anrufen und um Rat fragen und dann die Lieblingskneipe der Bande anzünden, bevor wir die Jungs endlich in ihrem Versteck aufsuchen und die Flinte auspacken dürfen.

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Mafia 2

Erzählerisch ist das toll gemacht und abwechslungsreich in Szene gesetzt, aber für reine Ballerfreunde vielleicht ein wenig schleppend. Wenn man dabei auch noch ins Gras beißt (was selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad erstaunlich schnell gehen kann) und lange Passagen noch einmal spielen muss, weil die Speicherpunkte so schlecht verteilt sind, dürften selbst Story-Fans genervt reagieren.