Als wir uns im Mai die Kampagne von Medal of Honor bei Electronic Arts angeschaut hatten, waren wir sehr positiv vom Neustart der zuletzt nur mäßig erfolgreichen Shooter-Serie überrascht. Der Abschied vom Weltkriegs-Szenario war eine überfällige Entscheidung und die Story verspricht einige Dramatik.

Seit dem 17. Juni dürfen Vorbesteller nun auch den Mehrspieler-Modus von Medal of Honor ausprobieren – vorausgesetzt, sie haben einen VIP-Account von Battlefield Bad Company 2. Ansonsten geht es erst am 21. Juni los. Die Verbindung mit einer Vorbesteller-Aktion ist natürlich für den Publisher legitim, für den Spieler jedoch ein Problem. Er kauft die Katze im Sack. Und zumindest im jetzigen Zustand ist der Multiplayer von Medal of Honor kein überzeugender Kaufgrund.

Es spricht nicht für Medal of Honor, wenn die ersten Reaktionen bei uns in der GameStar-Redaktion waren, „ist das eine neue Karte für Bad Company 2“ oder „das sieht ja wie Modern Warfare 2 aus“. Und in der Tat, der Vergleich mit diesen beiden Spielen drängt sich zwangsläufig auf. Das liegt vor allem daran, dass der Battlefield-Entwickler Dice den Mehrspieler-Modus für Medal of Honor entwickelt hat. Als Grafikgerüst kommt die aus den beiden Bad Company-Spielen bekannte Frostbite-Engine zum Einsatz. Aus unerklärlichen Gründen verzichtet Dice jedoch auf die zerstörbare Umgebung, das sogenannte Destruction 2.0-System. So können wir in Medal of Honor Kisten oder Holzpaletten zerstören, an Steinmauern und Betonwänden verpuffen unsere Sprengsätze aber wirkungslos.

Medal of Honor
Screenshots aus dem Multiplayer-Modus »Hot Zone«, der als Bezahl-Download (DLC) angeboten wird.

Punkte statt Kills sammeln

Medal of Honor : Der Mörserangriff deckt zwar nur ein kleines Gebiet ab, kann durch die geringe Wartezeit aber sehr gezielt eingesetzt werden. Der Mörserangriff deckt zwar nur ein kleines Gebiet ab, kann durch die geringe Wartezeit aber sehr gezielt eingesetzt werden. Während das Spiel optisch also wie eine Erweiterung für Bad Company 2 aussieht, orientiert es sich spielerisch eher an Modern Warfare 2. Ähnlich der Abschussserien bei Call of Duty müssen wir für Spezialfähigkeiten Punkte sammeln. Für einen Gegner-Abschuss gibt es 10 Punkte, ein Kopfschuss gibt fünf weitere oben drauf. Verteidigungs,- Rache- oder Rettungsabschüsse geben ebenfalls noch mal fünf Punkte. In der Regel haben wir also nach zwei bis drei Kills die 40 Punkte für die erste Fähigkeit zusammen.

Nun können wir entweder einen offensiven Angriff mit einem Mörser anfordern oder wir unterstützen unser Team und rufen eine Aufklärungsdrohne herbei, die feindliche Spieler auf der Karte markiert. Geht unsere Punkteserie danach weiter, können wir bei 100 Punkten einen schweren Raketenschlag abrufen oder eine Schutzweste ordern, die unsere Lebenspunkte erhöht. Bislang werden die defensiven Fähigkeiten aber kaum eingesetzt; auf den Beta-Servern wird nahezu immer sofort der Mörser-Angriff gewählt - zumal dieser extrem schnell an der zuvor durch ein Fernglas markierten Stelle einschlägt.

Medal of Honor : Wenn wir einen Gegner von Hinten oder Seite treffen, hat er praktisch keine Chance mehr. Wenn wir einen Gegner von Hinten oder Seite treffen, hat er praktisch keine Chance mehr. Auch das Waffenverhalten und die Spielgeschwindigkeit von Medal of Honor sind eine Mischung aus Modern Warfare 2 und Bad Company 2. Gegner und Spieler vertragen nur wenige Treffer, bevor sie sterben. Wie in Bad Company 2 bewegen wir uns jedoch relativ behäbig und dürfen uns nur hinhocken, aber nicht hinlegen. Das hat oft zur Folge, dass wir fast nie eine Chance zu reagieren haben, wenn uns ein Heckenschütze im Visier hat und den ersten Schuss abgibt.

Eine Abschusskamera gibt es nicht; wir sehen lediglich unsere Spielfigur zu Boden sinken und einen kleinen Infokasten mit Namen und Klasse des Schützen. Ausdauernde Eckenhocker haben also in Medal of Honor eine höhere Überlebenschance als in Call of Duty. Zumal es auch nur Standardgranaten gibt, Rauch-, Blend- oder Stun-Granaten sind - zumindest bisher - in der Beta nicht vorhanden.