Port Royale 3 :

Zum Thema » Test-Video zu Port Royale 3 Kommentierte Spielszenen & Fazit » Port Royale 2 - Test Der Vorläufer im Check » Patrizier 4 - Test So war der (Quasi-)Vorgänger Port Royale 3 ab 0,49 € bei Amazon.de Der Fluch der Karibik hat irgendwas mit Geisterschiffen, Schätzen und einem tuntig-torkelden Möchtegern-Piraten auf Droge zu tun. Meint Disney. Wir meinen: Der Fluch der Karibik ist in Wirklichkeit der völlig überzogenen Zuckerrohr-Preis in Tortuga! Schließlich müssen in Port Royale 3 unsere Rum-Brennereien in Havanna unter Volldampf laufen, damit wir noch rechtzeitig die vom französischen Gouverneur bestellten 200 Fässer nach New Orleans liefern können.

Wer Port Royale 3 spielt, hat definitiv andere Prioritäten als Jonny Depps Paraderolle »Kapitän Jack Sparrow«. Zwar gibt’s auch hier verborgene Schätze, Seeschlachten und Piraten – deutlich mehr Zeit verbringen wir aber mit dem Produzieren, Verschiffen und Handeln von Waren.

Und das ist auch gut so, denn Port Royale 3 mag zwar nicht als Piratenabenteuer taugen, überzeugt dafür aber umso mehr als ebenso ausgefeilte wie abwechslungsreiche Wirtschaftssimulation. Denn die Entwickler Gaming Minds um Serienerfinder Daniel Dumont zeigen dieses Mal deutlich mehr Mut zu Neuerungen als noch beim erzkonservativen Patrizier 4 .

Online- oder Offline-Aktivierung
Um Port Royale 3 online zu aktivieren, müssen Sie eine Mail-Adresse plus Passwort angeben, beide werden bei jedem Spielstart abgefragt. Über den Kalypso-Launcher erhalten Sie so auch autmatisch die neuesten Updates. Eine permanente Netzverbindung beim Spielen selbst ist jedoch nicht nötig. Wer kein Internet hat, kann alternativ einen mitgelieferten Code eingeben. Laut dem Publisher Kalypso ist ein Weiterverkauf von Port Royale 3 möglich, allerdings sollte der Vorbesitzer beim Support anrufen, damit seine Registrierung zurückgesetzt wird.

Port Royale 3 (Xbox 360)
Mit einer ordentlichen Breitseite, schicken wir diese Piraten im Seegefecht gerade auf den Grund des Meeres.

Zwei Kampagnen, zwei Geschichten

Auf die erste Überraschung stoßen wir gleich zu Partiebeginn: Wir müssen uns entscheiden, ob wir die Kampagne lieber als Händler oder als Abenteurer erleben wollen.

Port Royale 3 : Die Handelsrouten-Automatik ist zwar praktisch, am meisten Gewinn fahren wir jedoch ein, wenn wir unsere Schiffe manuell durch die Karibik navigieren. Die Handelsrouten-Automatik ist zwar praktisch, am meisten Gewinn fahren wir jedoch ein, wenn wir unsere Schiffe manuell durch die Karibik navigieren. Beiden Wegen gemein ist dabei das Szenario: Wir stranden im 16. Jahrhundert in der Karibik und verlieben uns Hals über Kopf in die Tochter des spanischen Gouverneurs. Als Händler helfen wir unserer Angebeteten, aus den herunter gekommenen Cayman-Inseln eine Wirtschaftsmetropole zu zaubern und lernen dabei die Feinheiten von Warenhandel, Produktionsketten und Ruf-System.

Abenteurer müssen ihre Geliebte aus den Fängen eines Entführers befreien, schlagen dazu Seeschlachten, zerstören Piratenverstecke und organisieren Handelsblockaden. Jede Kampagne fungiert also quasi als rund 15 Stunden langes, spannendes Tutorial für die jeweiligen Spielelemente und entlässt uns anschließend gut gerüstet ins freie Endlosspiel.

Abwechslungsreiche Missionen und einfache, aber stimmungsvolle Zwischensequenzen im Aquarell-Stil halten dabei unsere Lernmotivation auf einem konstant hohen Niveau. Serieneinsteiger müssen dennoch viel Einarbeitungszeit investieren: Auftragsbeschreibungen, Berater und Videohilfen erklären zwar vieles, aber längst nicht alles. Vor allem Abenteurer, die nur stur die Aufträge abklappern und dabei das Handeln vergessen, landen schnell in der Schuldenfalle. Wir empfehlen deshalb, unbedingt als erstes die Händler-Kampagne zu spielen.

Karibik aus der Satelliten-Perspektive

Egal ob Händler oder Abenteurer: Den Großteil der Spielzeit verbringen wir auf einer zwar übersichtlichen, aber enttäuschend detailarmen 2D-Karte der Karibik. Die wesentlich hübscheren 3D-Städte betreten wir nur sporadisch, etwa zum Bauen von Produktionsbetrieben oder wenn wir neue Aufträge akquirieren wollen. So lange wir nur unseren Schiffs-Konvois neue Ziele zuweisen, Waren verladen und Handelsrouten optimieren, erfüllt die Karte voll und ganz seinen Zweck – zumal wir dank zahlreicher hilfreicher Anzeigen die meisten wichtigen Infos stets im Blick behalten.

Sobald wir jedoch den Weg nach New Orleans suchen, ein Piratenversteck entdecken müssen oder Nebenquests wie Schatzsuchen oder die Rettung von Schiffbrüchigen absolvieren, wird die Bürokratenoptik zum ziemlichen Stimmungstöter.

Port Royale 3 : Zu Partiebeginn wählen wir, ob wir Port Royale 3 lieber als Händler oder als Abenteurer spielen wollen. Beide rund 15 Stunden langen Kampagnen fungieren quasi als Tutorial für die jeweiligen Spielelemente.

Kampagnenwahl
Zu Partiebeginn wählen wir, ob wir Port Royale 3 lieber als Händler oder als Abenteurer spielen wollen. Beide rund 15 Stunden langen Kampagnen fungieren quasi als Tutorial für die jeweiligen Spielelemente.

Wie gern würden wir in 3D mit unserer majestätischen Galeone an weißen Sandstränden entlang schippern und nach Totenkopfflaggen oder verdächtigen Höhlen Ausschau halten! Stattdessen navigieren wir Mini-Schiffchen aus der Satelliten-Perspektive und müssen dabei dennoch höllisch aufpassen, weil der Sichtradius unserer Pötte dermaßen klein ist, dass wir Städte oder Verstecke leicht übersehen.

Wenn wir erstmals Rum nach New Orleans liefern wollen, mögen uns noch gute Geographie-Kenntnisse helfen. Auf der verzweifelten Suche nach einem Piratenschiff »südlich von Tampico« hätten wir uns aber definitiv mehr Unterstützung vom Spiel gewünscht, etwa eine automatische Pausenfunktion bei wichtigen Ereignissen oder eine ungefähre Positionsangabe auf der Minimap.

Eldorado für Pfenigfuchser

Dass wir trotz Krümelkarte unseren Urlaub in der Karibik genießen, liegt in erster Linie an der ebenso glaubwürdigen wie dynamischen Spielwelt. Warenpreise sind nämlich nicht fix vorgegeben, sondern passen sich dynamisch an Angebot und Nachfrage an. Und wie in einem Schweizer Uhrwerk greift ein Rädchen ins andere.

Wenn uns die hohen Zucker-Preise in Tortuga nerven, können wir zum Beispiel selbst Plantagen errichten. Um die entsprechende Bau-Konzession zu erhalten, müssen wir aber sowohl beliebt beim Volk als auch bei der entsprechenden Kolonialmacht sein. Also erfüllen wir Aufträge zum Wohle des englischen Gouverneurs und lindern eine Hungersnot in Tortuga, indem wir bevorzugt Nahrungsmittel liefern.

Port Royale 3 : Handelsrouten-Beispiel: Beispiel für eine einfache Handelsroute zu Partiebeginn mit drei Stationen. Komplexere Warenkreisläufe können wir entweder selbst austüfteln oder cleveren KI-Assistenten überlassen.

Die Planung
Handelsrouten-Beispiel: Beispiel für eine einfache Handelsroute zu Partiebeginn mit drei Stationen. Komplexere Warenkreisläufe können wir entweder selbst austüfteln oder cleveren KI-Assistenten überlassen.

Je besser wiederum die Versorgungslage in Tortuga, desto mehr frische Siedler lassen sich hier nieder und desto weniger Arbeitskräfte müssen wir später für unsere neuen Zuckerrohrplantagen heranschaffen. Damit hätten wir zwar den Zuckerengpass für unsere Rumbrennereien in Havanna behoben, jetzt müssen wir aber noch von irgendwoher den zweiten Rumrohstoff Holz beschaffen. Denn je hochwertiger die Ware, desto komplexer die Produktionskette. Und weil in Havanna ausgerechnet jetzt viel gebaut wird, sind die Holzpreise explodiert … und schwupps, schon haben wir eine neue Herausforderung zu meistern.