Keine Frage Prince of Persia ist eine der wichtigsten und langlebigsten Videospielserien überhaupt. Die Abenteuer um den springfreudigen Prinzen begleiten seit gut 20 Jahren jede Computer- und Konsolengeneration. Innerhalb dieser Zeitspanne machten sowohl Hauptdarsteller als auch Spielmechanik eine äußerst spannende Entwicklung durch.

Prince of Persia-Historie :

Wir wollen Ihnen in diesem Artikel und dem begleitenden Rückblicks-Video die Geschichte der Serie näherbringen und Sie auf eine Zeitreise mitnehmen. Beenden werden wir den Beitrag mit dem Prince of Persia-Spiel von 2008, doch nun bringt uns der erste Halt dieser Geschichte zunächst in den Vorgarten eines amerikanischen Spieleentwicklers.

Hüpfen wie der Bruder!

Ein kleiner Junge rennt, rutscht und springt über den Rasen. Er nimmt Anlauf, hält inne, klettert an einer kleinen Mauer hoch. Immer wieder, bis ihm allmählich die Puste ausgeht. Wenige Meter entfernt steht sein Bruder, Jordan Mechner, mit einer Videokamera in der Hand.

Prince of Persia-Historie : Nach heutigen Maßstäben sind die Kämpfe im ersten Serienteil eher dröge, damals waren die Feindbegegnungen mit den Wachen aber höchst dramatisch! Nach heutigen Maßstäben sind die Kämpfe im ersten Serienteil eher dröge, damals waren die Feindbegegnungen mit den Wachen aber höchst dramatisch! Er hält auf alle Bewegungen des Kindes drauf, will jedes Detail genau im Bild haben. Jordan braucht diese Aufnahmen für ein neues Spiel, das er bald entwickeln wird: Prince of Persia.

Sein Ziel ist es, diese Aufzeichnungen als Animationsstudien zu verwenden. Per sogenanntem »Rotoskopie-Verfahren« sollen diese Bilder den Grafikern als Anhaltspunkt für den agilen Hauptcharakter dienen – sozusagen die Anfänge des »Motion Capturing«.

Jordan Mechner ist in der Computerszene schon damals, Ende der 80er-Jahre, kein Unbekannter. Bereits 1984 zeichnet der Yale-Absolvent für Karateka verantwortlich: ein Kampfspiel, das mit hervorragenden Animationen begeistern konnte. Sein neues Projekt soll in eine gänzlich andere Richtung gehen – der Designer will ein Spiel erschaffen, das sowohl auf dramatische Kämpfe mit Schwertern als auch auf fordernde Geschicklichkeitseinlagen setzt.

Die Geschichte und der Schauplatz stehen fest: In einem märchenhaften Persien will sich der machthungrige Wesir Jaffar den Thron unter den Nagel reißen. Als wäre das nicht genug, entführt er auch gleich noch die Prinzessin des Königreichs und gibt ihr genau 60 Minuten Bedenkzeit: Entweder die Geisel willigt einer Heirat ein, oder sie muss sterben. Nur ihr könnt als tapferer Königssohn die bezaubernde Prinzessin retten – natürlich innerhalb dieser einen Stunde!

Die Weichen sind gestellt

Im Jahr 1989 veröffentlicht der Publisher Broderbund Prince of Persia für PC. Das Spiel schlägt ein wie eine Bombe, in kürzester Zeit folgen Umsetzungen für Apple Macintosh, C64, Schneider CPC, Amiga, NES, Game Boy, Master System und Spectrum. Prince of Persia ist ein reines Action-Adventure: Es wechselt ohne Unterbrechung von Geschicklichkeitssequenzen zu Kämpfen, die Idee mit dem Zeitlimit ist gar revolutionär.

Prince of Persia-Historie : Sterben gehört beim Prince of Persia 1 zum Alltag. Sterben gehört beim Prince of Persia 1 zum Alltag. Die Areale sind immer in mehrere statische Bildschirme aufgeteilt, am Ende eines Levels wartet der rettende Ausgang zur nächsten Ebene. Innerhalb eines Levels hangelt ihr euch an Plattformen hoch, springt über tödliche Abgründe, meidet lockere Bodenplatten und geht den Stacheln und Sägen aus dem Weg. Ganz wichtig bei Prince of Persia ist die Sprungweite des Helden: Aus dem Laufen springt der Prinz zwar etwas weiter, aus dem Stand lassen sich dafür die Entfernungen besser einschätzen.

Auch das Hangeln an Ecken spielt eine große Rolle: Manchmal erreicht der Hauptcharakter im Sprung nur die Kante einer Plattform, an dieser könnt ihr euch dann entweder hochziehen oder auf eine niedrigere Ebene fallen lassen – Tomb Raider hat das später gnadenlos kopiert.

So paradoxes klingt: Diese Spielelemente machen Prince of Persia zu einem vergleichsweise »ruhigen« Action-Adventure. Wer glaubt, durch die Levels rasen zu können, wird tödliche Fallen einfach übersehen, ebenso wie Abgründe oder lebensgefährliche Höhen.

Bereits nach wenigen Spielminuten findet ihr neben den Knochen eines Skeletts eure Hauptwaffe: ein Schwert. Dieses setzt ihr vorwiegend gegen die zahlreichen Wachen ein, die im riesigen Kerker auf euch warten. Auch wenn das Kampfsystem nach heutigen Maßstäben eher träge erscheinen mag – seinerzeit war die Mischung aus Angriff und Parieren (gerade im Wechselspiel mit den direktionalen Eingaben für die Angriffshöhe) ein echter Knaller! Der Beweis: In damaligen Tests werden ausdrücklich das »nahezu perfekte« Kampfsystem und die spannenden Feindbegegnungen gelobt.