Kolumne zu Shadow Warrior 2 :

Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als sich ehrlich und wahrhaftig verstanden zu fühlen. Im Gespräch mit dem besten Kumpel oder mit der Liebsten, beim Hören eines genialen Songs oder Lesen eines schlauen Textes und … nun ja … als PC-Spieler bei Shadow Warrior 2.

Ich musste mich wirklich zusammenreißen, um beim Durchstöbern der Menüs nicht ständig »Verdammt, ja!« in Richtung Monitor zu brüllen. Okay, ein paar Mal werde ich's wohl unbewusst trotzdem getan haben, den irritierten Blicken der Kollegen zufolge.

Aber es ist halt auch verflucht lange her, dass ein Entwickler mir als PC-Spieler derart deutlich signalisiert: »Ja, wir verstehen dich!« Das fängt schon bei den Grafikoptionen an, bei denen ich sämtliche Stellschrauben justieren kann, ohne dafür das Spiel verlassen und neustarten zu müssen.

Es geht weiter zu den Spiel- und Hud-Einstellungen, bei denen ich unter anderem die Tutorial-Texte abschalten darf, mich zwischen unterschiedlich komplexen Steuerungs-Schemata für den Nahkampf entscheide und sogar Größe sowie Farbe des Fadenkreuzes definiere.

Warum es eine 90 verdient: Unser Test zu Shadow Warrior 2

Und auch beim eigentlichen Spiel legt Shadow Warrior 2 alle Entscheidungsgewalt dorthin, wo sie bei einem PC-Titel hingehört: in die Hände der Spieler. Ich darf mehrere Charakter-Profile gleichzeitig anlegen und zwischen offenen oder geschlossen Mehrspieler-Partien wählen. Das Spiel sucht automatisch Koop-Partner auf einem ähnlichen Level, ich kann aber auch einem beliebigen anderen Match beitreten. Versteht sich von selbst, dass der Shooter - egal ob off- oder online - jederzeit flüssig und stabil läuft.

Kolumne zu Shadow Warrior 2 : Der Autor

Die ersten eindrücklichen Erfahrungen mit PC-Spielen von GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge sind exzessive Fummeleien an der autoexec.bat. Die Älteren werden sich erinnern: Für anspruchsvolle MS-DOS-Spiele musste seinerzeit diese System-Konfigurationsdatei editiert werden, um Speicher freizuschaufeln. Früher war also doch nicht alles besser. Auf der anderen Seite hat Heiko an PC-Spielen schon immer ihre Flexibilität und Konfigurierbarkeit geschätzt. Auch deshalb freut er sich derzeit am meisten auf Civilization 6.

Multiplattform ist kein Argument

Für sich gesehen mögen das alles Kleinigkeiten sein, aber es ist einfach schön, weil ungewohnt, dass meine Bedürfnisse als PC-Spieler endlich mal wieder derart ernst genommen werden. Ja, ich erwarte von einem PC-Spiel, dass ich es bis ins letzte Detail an meine Wünsche anpassen kann, egal ob Grafik oder Steuerung. Und nein, das ist leider alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Kolumne zu Shadow Warrior 2 : Ein Teil (!) der Grafikoptionen von Shadow Warrior 2. Da lacht das PC-Spieler-Herz. Ein Teil (!) der Grafikoptionen von Shadow Warrior 2. Da lacht das PC-Spieler-Herz.

In Zeiten der Multiplattform-Entwicklung gehören mittlerweile ausgelagerte oder rudimentäre Grafikmenüs, eine unsaubere PC-Performance, automatisches Matchmaking und unangepasste Menüs ohne Mausunterstützung fast schon zum schlechten Ton. Und ja, Shadow Warrior 2 erscheint auch für PS4 und Xbox One. Zugegeben erst Anfang 2017, dennoch musste die Konsolen bei der Produktion bereits mitgedacht werden.

Nur ist das eben für Entwickler Flying Wild Hog noch lange kein Grund, die PC-Version wie ein Abfallprodukt zu behandeln. Im Gegenteil: Ich merke diesem Spiel einfach an, dass dessen Entwickler genau wie ich leidenschaftliche PC-Zocker sind.

Rundum gelungene PC-Version: Der Technik-Check zu Shadow Warrior 2

Das Problem bei meiner Begeisterung für Shadow Warrior 2: Mir wird durch solche mit Herz und Verstand entwickelten PC(!)-Spiele nochmal mit Nachdruck bewusst, wie verflucht selten sowas heutzutage ist. Und dass es eigentlich keine plausiblen Gründe gibt, warum PC-Versionen häufig so lieblos wirken. Denn wenn ein verhältnismäßig kleines polnisches Studio mit rund 70 Mitarbeitern und der Indie-Publisher Devolver das hinbekommen, warum schaffen es dann weder Warner Bros.(Batman: Arkham Knight), Activision (Call of Duty: Black Ops 3), Microsoft (Forza Horizon 3) oder zuletzt 2K (Mafia 3)? Shadow Warrior 2 beweist, dass es auch bei modernen Multiplattform-Spielen keinen guten Grund für lieblose PC-Versionen gibt. Sondern nur Ausreden.