Zum Thema » Space Chem-Trailer So spielt sich das Denkspiel » Space Chem-Demo Gratis-Download Ein Chemie-Spiel. Zudem eines, dass seine Thematik durchaus ernst nimmt. Das klingt eher nach spontanem Weglaufen denn Mordsspaß, zumal die knüppelharte Tüftelei in echte Arbeit ausarten kann. Wer Space Chem deshalb vorschnell links liegen lässt, verpasst ein echtes Schmuckstück unter den Independent-Spielen - allerdings eines mit Haken und Ösen.

Dazu gehört unter anderem die wirklich miserable Grafik, jede Periodentafel im Chemiesaal der Schule ist schöner. Unerschrockene werden dafür mit einem ganz einzigartigen Spielerlebnis belohnt. Grundsätzlich gehört Space Chem zur bekannten Sorte der Baukasten-Tüftelspiele: Aus vorgegebenen Elementen gilt es eine funktionierende Vorrichtung zu erschaffen, die etwas produziert oder befördert. Trotzdem würden an dieser Stelle selbst zwei Seiten nicht ausreichen, um das exakte Spielprinzip detailliert zu erklären. Deshalb nur ein kleiner Abriss in aller Kürze: Auf einem gerasterten Spielfeld - es stellt das Innere eines Reaktors dar - sollen bestimmte Moleküle hergestellt werden. Dazu setzt man einzelne Atome zusammen oder baut bestehende Moleküle um.

Space Chem

Die Fabrik besteht aus Leiterbahnen, welche die Richtung angeben. Für den Transport sind so genannte Waldos zuständig - letztendlich nicht mehr als ein Kreis, der ein bestimmtes Atom umschließt und es befördert. Über Icons gibt der Spieler den Waldos (pro Fabrik sind zwei vorhanden) Befehle mit auf den Weg. Dazu gehört etwa das Aufnehmen angelieferter Atome, das »Zusammenkleben« von Teilchen, das Drehen von Molekülen oder das Synchronisieren beider Waldos, das heißt, beide warten an einem bestimmten Punkt aufeinander.

Insgesamt beschränken sich die Vorgaben auf einige wenige Befehle. Da die Baupläne aber mitunter recht komplex sind, wird Space Chem mit fortschreitender Spieldauer zu einem immer größeren Gehirnzwirbler. Nicht nur die Befehle an sich, auch deren exakte Positionierung ist zum Lösen eines Levels wichtig. Dazu ist meistens genaues Timing erforderlich, was auch die Konstruktion des »Transportbandes« zu einer mächtigen Herausforderung werden lässt.

Per aspera ad Youtube

Schon ab der zweiten der zehn Welten kommt eine weitere Spielebene hinzu. Für die immer komplexer werdenden Moleküle reicht ein Fertigungsprozess und damit eine Fabrik bald nicht mehr aus. Mehrere Reaktoren sind notwendig, die der Weltraumchemiker auf einer Art strategischen Karte platziert. Auch in dieser Übersicht gibt es einiges zu tun: Die Pipelines zwischen den Einrichtungen etwa muss man von Hand verlegen. Das wird zunehmend kniffliger, da die Anlagen immer umfangreicher werden; später kommen noch Lager, Recycling- und Mischstationen dazu. Außerdem ist auch hier mitunter das Timing wichtig. Zu spät oder zu schnell bei einem Reaktor ankommende Moleküle können das ganze Konstrukt durcheinander bringen, weshalb es an der richtigen Pipeline-Verlegung einiges zum Tüfteln gibt.

Dass Space Chem so verkopft daher kommt, liegt aber nicht nur am trockenen molekularen Unterbau. Das Spiel tut auch wenig, den Spieler an die Hand zu nehmen und ihm das Geschehen schmackhaft zu machen. So sind zwar immer wieder Levels wahlweise als Tutorial spielbar, das verdient seinen Namen allerdings kaum, da es außer der Funktion einzelner Elemente nichts erklärt und somit mehr Fragen offen lässt, als es beantwortet.

Zudem gibt sich Bedienung oft unnötig verquer. Zwar eröffnen sich nach ausgiebigem Studium der Tastenkürzel und fitzeligen Icons mehr Kontroll- und Komfortfunktionen als zunächst gedacht. Manch gewünschtes Element bleibt aber dauerhaft unzugänglich. Es gibt noch nicht mal eine vernünftige Restart-Funktion; pro Level kann zudem nur ein Spielstand abgespeichert werden. Gerade bei diesem Spielprinzip ein absolutes Unding. Als kleine Entschädigung kann man eine gemeisterte Aufgabe automatisch als Youtube-Video hochladen lassen. Dementsprechend viele verschiedene Lösungsvorschläge finden sich zu jeder Mission auf der Video-Plattform.