Moral und Shooter mit modernen Konflikten unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. SpecOps: The Line geht einen Schritt in die richtige Richtung: Der Berliner Entwickler Yager versucht, sich vom gnaden- und sorglosen Gemetzel à la Call of Duty beziehungsweise Medal of Honor abzusetzen, und entspinnt eine komplexe Action-Handlung, die mehr zu bieten hat als Blut und Plattitüden – zumindest wenn man nach der 15-minütigen E3-Präsentation geht. Die saugt uns unverzüglich in den Schauplatz einer verunglückten Rettungsaktion, eines urgewaltigen Sandsturms und eines schwer zu durchschaubaren Konflikts zwischen US-Soldaten, Arabern und wer hier sonst noch alles seine Finger im Spiel hat.

Spec Ops: The Line :

Das Szenario

Dubai in der nahen Zukunft ist das ungewöhnliche Szenario, der Sand hat Hochhäuser in Schieflage gebracht, Brücken zerstört, sich über die protzige Wüsten-Metropole gelegt. Der Protagonist und seine zwei Kameraden, die über eine Handvoll typischer Squad-Befehle rudimentär gesteuert werden (aber genug Intelligenz besitzen, Führungsrollen-verweigernde Einzelkämpfer vernünftig zu unterstützen) wurden auf der Suche nach einem verschollenen Colonel vom Sandsturm in einem 5-Sterne-Hotel eingeschlossen – nun machen sie sich durch Zerschießen der Scheiben, durch die eine Welle gelben Sandes brandet, nach draußen.

Die Szenerie vpn SpecOps: The Line ist gespenstisch und bedrückend: Zerstörung und Sand überall, dazwischen aber auch Dutzende verkohlter Leichen. „Was ist hier nur geschehen“ fragen sich unsere Kämpfer und wir, beide bekommen in den wenigen Minuten natürlich keine Antwort – die bedrohliche Kulisse wird aber von Minute zu Minute intensiver. Eine breite Allee ist übersät von Autowracks, an den Laternen sind Menschen aufgeknüpft – bis in den dunstigen Horizont, es müssen Dutzende sein. Auf ihrem Weg durch das Labyrinth aus Sand, Betonbrocken und Schrott treffen die Drei auf arabische Kämpfer und westliche Soldaten, die sofort das Feuer eröffnen. Heftig und mitreißend wird das Gefecht, nicht nur wegen des schnellen, den Spieler unerbittlich antreibenden Deckungskampfes und der Gegner, die einem so nah auf die Pelle rücken, dass man das Weiße in ihren Augen sieht.

Fazit

Vor allem die Musikkulisse ist es, die einen auf intensive Weise ins Geschehen zieht – der schmutzig rockige Soundtrack passt sich in Intensität und Tempo perfekt der Bildschirm-Action an. Wir lassen uns dann noch durch einen Angriff mit Phosphorbomben schocken und enden schließlich bei einer der angekündigten „moralischen“ Entscheidungen: Retten wir einige Geiseln aus den Händen der offensichtlich mörderischen Bösewichte, oder machen wir lieber nicht auf uns aufmerksam und kämpfen uns weiter durch den Sand? Die Entscheidung des Präsentators fiel für die Geiseln – und wir freuen uns darauf, ihre Folgen im November ausbaden zu dürfen!

Spec Ops: The Line
Bereits am Boden liegende Gegner kann Walker exekutieren. Spec Ops spart nicht mit harten Szenen.

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