Eines muss ich Blizzard lassen: Die Jungs sind konsequent. Als sie letzte Woche bestätigten, dass Starcraft 2 keinen Netzwerk-Modus haben wird, entfuhr mir lediglich ein kummervolles »War ja klar.« Schließlich schwärmen Rob Pardo, Dustin Browder & Co seit der Starcraft 2-Ankündigung vor zwei Jahren mit glänzenden Designeräuglein von der Online-Plattform Battlenet. Das Battlenet soll besser werden, wichtiger, schneller, komfortabler, außerdem bekommt's schnittige Rallye-Streifen und legt goldene Eier. Okay, die letzten beiden Punkte sind Humbug, aber wir verstehen uns. Blizzard hat von Anfang an geplant, das Battlenet als Multiplayer-Arena zu stärken. Und als der Diablo 3-Designer Jay Wilson letztes Jahr angedeutet hatte, dass seine Monsterhatz ausschließlich über das Battlenet und nicht über lokale Netzwerke laufen wird, hatte sich bereits abgezeichnet, dass Starcraft 2 in dieselbe Kerbe schlagen würde.

LAN-los im Weltraum : Mehrspieler-Partien gibt's nur noch im Battlenet. Mehrspieler-Partien gibt's nur noch im Battlenet. Das heißt aber nicht, dass ich mit Blizzards Entscheidung einverstanden bin. Im Gegenteil. Schon alleine das Verhalten der Entwickler ärgert mich. Schließlich wiegelten sie jahrelang lapidar ab: »Wir können noch nichts zum LAN-Modus sagen.« Und selbst der Blizzard-Vize Rob Pardo enthüllte die fehlende Netzwerk-Spielart nun offenbar versehentlich. Denn kurz zuvor hatten der Lead Designer Dustin Browder und der Producer Chris Sigaty noch ausweichend geantwortet. Man wollte die Nachricht wohl möglichst lange geheimhalten. Ein Indiz dafür, dass Blizzard sehr wohl wusste, dass sich die Spieler darüber aufregen würden.

Und zwar zu Recht. Das erste Starcraft ist ein Netzwerk-Klassiker, ich selbst hab's auf LAN-Parties rauf und runter gespielt. Herrje, dank der genialen Spawn-Kopien konnten sogar mehrere Spieler mit nur einer CD gegeneinander antreten! Damals war Blizzard noch kundenfreundlich. Heute sind die Kalifornier in erster Linie geschäftstüchtig.

Oder haben sie Angst? In seiner Stellungnahme zur Netzwerk-Abkehr verlautbart Blizzard, die Konzentration auf das Battlenet sei »der beste Weg, [...] sich vor Raubkopierern zu schützen.« Rob Pardo betont zudem in einem Interview, dass die LAN-Schnittstelle missbraucht werden könnte, um den Mehrspieler-Modus von Starcraft 2 auf illegalen Internet-Servern laufen zu lassen. Durch die LAN-Sperre muss man sein Spiel zwangsweise im Battlenet registrieren, wenn man Mehrspieler-Partien bestreiten möchte. Dazu braucht man einen originalen Produktschlüssel, was Raubkopierer abschrecken dürfte.

Dass sich die Entwickler vor Software-Piraten schützen wollen, ist legitim. In ihrer Argumentation schwingt allerdings ein unschöner Unterton mit: Blizzard scheint den eigenen Fans zu misstrauen. Das mag daran liegen, dass die Entwickler mit dem ersten Starcraft vor allem in Asien schlechte Erfahrungen mit Raubkopierern und illegalen Drittservern gemacht haben. Doch selbst das ist kein Grund, den ehrlichen Käufern einen beliebten Spielmodus wegzunehmen.

LAN-los im Weltraum : Wird das Battlenet zur Verkaufsplattform umgemodelt? Wird das Battlenet zur Verkaufsplattform umgemodelt? Oder liegt der Zergling doch anderswo begraben? Ich bin sicher, Blizzard möchte durch den Netzwerk-Verzicht möglichst viele Spieler ins Battlenet locken, damit dort nach dem Vorbild von Valves Steam eine große Kundengemeinde entsteht. In einem späteren Schritt könnte das Battlenet dann zur Verkaufsplattform für Spiele und Kartenpakete erweitert werden. Das wäre nur logisch, denn je mehr Fans sich dort tummeln, desto mehr potenzielle Käufer gäbe es. Gegen solche Pläne wäre grundsätzlich wenig einzuwenden, denn die Anmeldung beim Battlenet ist (im Gegensatz zu Steam) nicht verpflichtend. Nur würde mich freuen, wenn Blizzard von Anfang an mit offenen Karten spielen würde. Und zudem keine beliebten Spielmodi streichen würde.

Denn auch wenn in Zeiten der wachsenden Internet-Verbreitung nur ein Bruchteil der Spieler wirklich unter dem fehlenden LAN-Modus leiden dürfte, ist Blizzards Entscheidung vor allem eines: kundenfeindlich. Und das gilt freilich auch für die neuen Nachrichten zu Diablo 3.