Zum Thema » Mehr Was-ist-Videos Alle Angespielt-Videos ansehen Auf hoher See hört dich niemand schreien… Ach nein, das war im Weltall. Aber auf hoher See sieht dich zumindest niemand die Schiffscrew essen! Mit makaberen Slogans wie »Iss' deine Crew« oder »Verliere den Verstand« bewerben die Entwickler Failbetter Games ihr Top-Down-Schiffspiel Sunless Sea. Wir haben's gespielt und herausgefunden, was es mit diesen wenig verlockenden Versprechungen auf sich hat.

Sunless Sea ist ein Spinoff des Webbrowser-Spiels Fallen London, das eine düstere Geschichte über ein fiktives London erzählt, in der die Stadt vor dreißig Jahren von Fledermäusen in die Unterwelt getragen wurde. So ganz verstehen wir die Hintergrundgeschichte zwar auch nicht, aber das ist so gewollt. Denn die Welt von Fallen London und somit auch Sunless Sea ist düster, herzlos und sehr mysteriös.

Was ist Early Access?
Im Rahmen von Steams Early-Access-Programm sind Spiele bereits als Alpha- oder Beta-Version käuflich. Die Early-Access-Version von Sunless Sea kostet 20 Euro. Kommende Patches und die Vollversion selbst kosten dann natürlich nichts mehr. Allerdings gibt es auch kein Versprechen, dass die Entwickler ihre Ziele überhaupt umsetzen, wie immer bei Early-Access-Spielen.

Seemann, deine Heimat ist die Unterwelt

Sunless Sea lebt wie Fallen London von seiner seltsamen Geschichte. Und wir haben uns als Schiffskapitän in die morbide Welt verirrt. Mit unserem Dampfboot erkunden wir den Unterweltozean »Unterzee«, treffen auf seltsame Gestalten und düstere Wohltäter, kämpfen gegen riesige Krabben und werden höchstwahrscheinlich vor Angst wahnsinnig.

All diese Elemente fügen sich im Top-Down-Schiffsspiel zu einem großen Ganzen zusammen, das durch seine Perspektive auf den ersten Blick sehr simpel wirkt. Allerdings merken wir schnell, dass nicht nur die Geschichte von Sunless Sea komplex ist, sondern auch die Spielmechaniken.

In Echtzeit fahren wir mit dem Schiff über den Unterweltozean und docken per Knopfdruck an verschiedene Anlegepunkte: Darunter sind Häfen, große Villen oder auch nur kleine Schiffe. Dort eröffnen sich uns verschiedenste Geschichten.

Den Großteil des Spiels verbringen wir dadurch aber in Menüs und mit Textwänden. Denn wie schon vermerkt, ist die Story das wichtigste Element von Sunless Sea. Allerdings müssen wir viel Geduld mitbringen, um uns durch die langen Textpassagen zu klicken, die sich aber schnell zu einer spannenden Story zusammenfügen, von der wir immer mehr erfahren wollen.

Auf hoher See erwarten uns natürlich nicht nur wohlgesonnene Häfen, sondern auch Piraten und scheußliche Seekreaturen, die uns unerbittlich verfolgen. Sobald uns eines der Monster oder ein Schiff einholt, kommt es zum Kampf. Die Seegefechte sind taktischer Natur: Wir können die Zeit anhalten, um jeden Angriff genaustens zu planen. Ziel ist es die Gegner zu beleuchten, während wir selber im Dunkeln bleiben, um sie mit unseren Geschossen ins Jenseits zu schicken oder noch besser: Ihr Schiff zu übernehmen.

Durch die gewonnenen Gefechte oder durch Quests gibt es Echos, die Währung der Unterzee. Und Geld beherrscht bekanntlich die Unterwelt. Unsere Lebensaufgabe können wir selber bestimmen. Und daher bleibt es uns überlassen, ob wir uns mit genügend Talern zur Ruhe setzen oder den poetischeren Weg wählen und ein Buch über unsere Heldentaten schreiben. Hierfür müssen wir aber immerhin 100 Geschichten sammeln.

Seemanns-Perma-Begräbnis

Als Vorbilder nennen die Entwickler populäre Indie-Spiele wie Don't Starve und FTL. Letzteres merken wir besonders im Schwierigkeitsgrad. Jeder Kampf kann unser Letzter sein und durch Permadeath ist unser Charakter auch für immer verloren. Aber um den Schwierigkeitsgrad zu entschärfen, können wir auch den permanenten Bildschirmtod abschalten und speichern, wann wir wollen.

Leider stellt sich das Permadeath-Feature unserem Entdeckertrieb starr entgegen. Oftmals lassen wir uns auf aussichtlose Kämpfe ein oder verlieren zu schnell den Verstand. Falls wir sterben, können wir eine von drei Optionen mit in den nächsten Durchgang nehmen: Einen Offizier, einen Skill-Wert oder unsere Karte.

Sunless Sea
Auf Pigmote Island treffen wir ein Meerschweinchen in Plattenrüstung und geraten in einen Krieg.

Und eigentlich wollen wir doch nur mehr über die Spielwelt erfahren. Aber selbst die See ist eine umbarmherzige Geliebte, müssen wir doch konstant drei Werte im Blick behalten: Hunger, Angst und Treibstoff. Je dunkler der Teil des Meeres ist, desto furchteinflößender wird es. Nahrung und Treibstoff können wir in jedem Hafen nachfüllen, aber natürlich nur gegen Bares. Sollte sich eine der Ressourcen zu Ende neigen, muss eben die Crew als Verpflegung herhalten oder wir treiben für eine lange Zeit auf offener See herum und sterben den langsamen Hungertod.

Grundsätzlich schafft es die Story uns schnell neugierig zu machen, aber viele der Spieleelemente sind noch nicht gut genaug ausbalanciert. Falls wir Permadeath anlassen, sterben wir schnell und spielen dadurch immer denselben ersten Abschnitt. Dazu fährt das Schiff ohne aufgerüsteten Motor grausam langsam und unsere Waffen sind zu Beginn auch noch sehr schwach.

Bis sich das ändert, müssen wir einige Piratenschiffe kapern und das gestaltet sich leider auch immer gleich. Daher verfallen wir schnell in Routine und können nicht wie gewünscht mehr von der Story erfahren. Den frühen Spielverlauf dürften die Entwickler daher ruhig noch entschlacken oder ihn zumindest abwechslungsreicher gestalten.

Trotz der Early-Access-Version wirkt Sunless Sea schon äußerst rund. Keine der Bugs, auf die wir gestoßen sind, hat unser Spielerlebnis zerstört oder großartig gestört. Die Menüs und Spielmechaniken funktionieren auch wunderbar. Trotzdem versprechen die Entwickler konstante Updates, die sich um neue Geschichten drehen werden. Die Entwickler haben auch eine Roadmap, in der sie die zukünftigen Updates festhalten.