Heiko Klinge: Es gibt Presse-Events, die habe ich direkt vergessen, sobald der zugehörige Artikel veröffentlicht wurde. Und es gibt Presse-Events, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde. So wie meinen Besuch bei CD Projekt im Frühjahr 2015, bei dem ich als erster Gaming-Journalist weltweit zwei ganze Tage lang The Witcher 3 ohne Einschränkungen spielen durfte.
Zum einen liegt das natürlich an der Bedeutung des Spiels und der Gelegenheit. Anfang 2015 war bereits sonnenklar, dass The Witcher 3 eines der relevantesten Themen der nächsten Monate werden würde. Zum anderen verlief beim Event vieles so, wie ich es mit ziemlicher Sicherheit nie mehr erleben werde.
Das fing damit an, dass ich die ganze Zeit komplett allein gelassen wurde mit dem Spiel und wirklich machen konnte, was ich wollte. Der damalige Level Designer und heutige Level Design Lead Miles Tost saß zwar daneben, aber weniger als PR Aufpasser, sondern viel mehr als Brandbeschleuniger für meine Informationsbeschaffung.
Als Miles etwa merkte, dass ich die damals noch nie gesehene Ultra-Einstellung auf dem PC noch nicht auswählen konnte, schickte er mich kurzerhand in die Mittagspause, um schnell den neuesten Build auf dem Präsentationsrechner zu installieren.
Und als ich Fragen zu Teilen der Spielwelt stellte, die ich selbst in 15 Stunden niemals zu Gesicht bekommen würde, nahm er mich kurzerhand mit zu einem Arbeitsplatz, um dort mit mir über die gesamte Spielwelt zu fliegen. Nur so konnte ich damals rausfinden, dass Velen und Novigrad anders als gedacht keine separierten Regionen sind, sondern eine gigantische Open World.
Solche Stunts waren schon damals äußerst ungewöhnlich, und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob alle Verantwortlichen bei CD Projekt wirklich gewusst haben, was wir da treiben. Heutzutage wäre so etwas bei einem Titel dieser Größenordnung jedenfalls fern jeder Vorstellungskraft.
Genau erinnern kann ich mich auch noch an den vorherrschenden Gedanken, den ich damals beim Spielen hatte: »Heilige Scheiße, die kriegen das wirklich hin!« So etwas wie die Quest um den Blutigen Baron hatte ich bis dahin schlicht noch nie in einem Rollenspiel erlebt.
Dieses Gefühl wollte ich damals mit meiner Preview transportieren. Ich denke bis heute, dass mir das ganz ordentlich gelungen ist. Jedenfalls hat mir das Lesen für diesen einordnenden Kommentar gerade wieder fast so viel Spaß gemacht wie damals das Schreiben.
Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Eintauchen in die Vergangenheit, als ich zum ersten Mal eine ungefähre Ahnung bekam, was für ein Spiel mit The Witcher 3 auf uns zurollt.
Anfangs sind wir nur neugierig. Kurz darauf erst amüsiert, dann empört. Wenig später lachen wir laut auf, bevor es uns vor Entsetzen und Ekel die Sprache verschlägt. Als unsere Aufgabe für den »Blutigen Baron« schließlich erfüllt ist, bleibt eine diffuse Mischung aus Mitleid, Wut und vor allem Erstaunen zurück.
Erstaunen, weil The Witcher 3 in nur einer Quest und weniger als 30 Minuten so virtuos mit unseren Gefühlen spielt wie Mozart auf dem Klavier. So etwas haben wir schlichtweg noch nie in einem Rollenspiel erlebt.
5:12
The Witcher 3: CD Projekt Red zollt all den Fans weltweit Tribut
Eigentlich sind wir nach Warschau geflogen, um mit journalistischer Distanz der fast fertigen Version von The Witcher 3 auf den Zahn zu fühlen und die letzten offenen Fragen zu klären, um abschließend einschätzen zu können, ob das wohl meisterwartete Rollenspiel der letzten Jahre dem gewaltigen Erwartungsdruck standhalten kann. Und ja, all dies werden wir mit den kommenden Zeilen klären. Aber Distanz können Sie vergessen! Denn The Witcher 3 erlaubt keine Distanz.
Gamepad für den Kampf, Maus für die Menüs
Der Blutige Baron muss aber erstmal warten. Denn schon im optionalen Tutorial nimmt uns die Welt von The Witcher 3 förmlich gefangen. Natürlich könnten wir die Hinweise und Übungen zur Bewegungs- und Kampfsteuerung einfach überspringen, dann würde uns aber das ansteckende Lachen von Geralts Pflegetochter Ciri entgehen, wenn wir gemeinsam mit ihr über die Mauern der Hexerburg Kaer Morhen toben.

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