San Francisco gilt zwar nicht wie San José als Zentrum des Silicon Valley, gehört aber zweifellos zu den wichtigsten Metropolen für Big Tech. Und trotzdem ist eines ihrer wichtigsten Nahverkehrsmittel Tag für Tag auf uralte Disketten angewiesen.
Vielleicht erinnern sich die Jüngeren gar nicht mehr daran, aber Disketten hatten vor etlichen Jahrzehnten ihre Blütezeit, bevor sie von CD-ROMs nach und nach verdrängt wurden.
Unternehmen wie Apple haben Diskettenlaufwerke schon vor sehr langer Zeit verbannt. Genau genommen geschah das vor 28 Jahren mit dem ikonischen iMac G3.
Während Apple die Diskette strich, rüstete San Francisco auf
Kurzer Exkurs: Der besagte iMac G3 war der erste Mac der neuen Ära unter Steve Jobs. Nachdem Jobs Apple 1985 verlassen hatte, kehrte er 1996 zurück und übernahm im Folgejahr den Chefposten. Bereits 1998 stellte er jenen Rechner vor, der mit seinem markanten Design und seiner Ausstattung die damalige Computerwelt mit revolutionierte.
Der Schritt sorgte damals allerdings für Diskussionen: Jobs verabschiedete sich radikal vom klassischen Diskettenlaufwerk.
Seinerzeit betrachteten viele die Diskette trotz der aufkommenden CD-ROM noch als unverzichtbaren Speicherstandard.
Genau in diesem Jahr führte San Franciscos Stadtbahn ein System ein, das bis heute auf Disketten setzt. Es trägt seither den Namen Automatic Train Control System und steuert im Kern die Bewegung der Stadtbahnzüge in den Tunneln.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Applesfera und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
Warum die Bahn in San Francisco noch immer Disketten nutzt
Letztlich sollte sich Apples Entscheidung als richtig erweisen. In San Francisco blieb das System hingegen im Einsatz – schlicht, weil es funktioniert. Laut Berichten läuft es bis heute zuverlässig.
Ein Austausch erfordert eine Neuentwicklung der Infrastruktur, was massig Geld kostet. Gleichzeitig wächst der Druck, denn mit der Zeit können Disketten Daten verlieren und Fachleute für 90er-Jahre-Programmiersprachen werden rar.
Die San Francisco Municipal Transportation Agency (kurz SFMTA) arbeitet daher bereits seit Jahren an dem »Train Control Upgrade«.
- Die strategische Planung begann 2018. Im Januar 2025 unterzeichnete die Verkehrsbehörde schließlich den Vertrag mit Hitachi Rail.
- Das Gesamtprojekt hat ein Kapitalbudget von rund 700 Millionen US-Dollar und soll laut SFMTA zwischen 2032 und 2034 abgeschlossen sein.
Der Vertrag mit Hitachi Rail sieht zunächst rund 212 Millionen US-Dollar für Entwicklung, Beschaffung und Installation des neuen Systems vor. Hinzu kommen bis zu 114 Millionen US-Dollar für zehn Jahre technischen Support nach Abschluss der Design- und Beschaffungsphase. Weitere Wartungsverträge sind optional und können noch hinzukommen.
WLAN und Mobilfunk statt Disketten
Die seit 1998 genutzte Infrastruktur erfordert, dass Angestellte jeden Morgen die Software von Hand per Diskette einspielen.
Die Behörde setzt künftig auf ein »Communications-Based Train Control System (CBTC)«. Es nutzt WLAN- und Mobilfunksignale, um die Position der Züge in Echtzeit und aus der Ferne zuverlässig zu überwachen.
Die Installation beginnt laut SFMTA bereits 2026. Für die U-Bahn-Strecke ist die Umstellung 2027 oder 2028 vorgesehen: »In dieser Phase wird das bestehende System der U-Bahn vollständig ersetzt.« Anschließend folgen die Linien im Straßenraum in mehreren Phasen mit der Fertigstellung zwischen 2032 und 2034.
Damit will San Francisco das Relikt aus der Disketten-Ära endgültig hinter sich lassen und ersetzt ein rund 30 Jahre altes Zugsteuerungssystem durch eine moderne, vernetzte Lösung.

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