Zum Glück hat sich mit USB-C ein einheitlicher Stecker durchgesetzt – seit letztem Jahr auch endlich bei Apple und dem iPhone. USB-C-Kabel dienen im Alltag aber für mehr als nur zum Nachladen unserer Handy-Akkus. Apple hat dafür ein Thunderbolt-4-Kabel für satte 149€ im Portfolio – doch was bringt so ein teures Kabel eigentlich und ist es im Vergleich überhaupt sein Geld wert oder nur Abzocke? Spannende 3D-Scans einer genialen Firma lüften jetzt dieses Geheimnis.
8 gegen 149€ – Hier geht's zum USB-Kabel von AmazonUSB-C ist nicht gleich USB-C
Obwohl der Stecker gleich aussieht, können zwei USB-C-Kabel vollkommen unterschiedlich sein – sowohl was ihre Datenübertragungsrate als auch die maximale Ladeleistung angeht.
Von nicht einmal 500 Mbps bis zu 40 Gigabit und mehr ist mit dem USB-C-Stecker eine kaum vorstellbare Bandbreite an Datenraten anzutreffen. Gleiches gilt für die Übertragung von Strom. Unterschiedliche Kabel schwanken zwischen lächerlich niedrigen 2,5 Watt und dem Hundertfachen dessen! Dazu gleich mehr.
Neben den unterschiedlichen Standards für Strom und Daten unterscheiden sich Kabel und Stecker aber insbesondere auch in ihrem inneren Aufbau. Die Komplexität, aufwendige Lötverbindungen und winzige Platinen können ein Kabel teuer machen – doch muss es gleich 149€ teuer sein?
USB-Protokolle und Thunderbolt im Überblick:
| Datenrate | Ladeleistung | |
|---|---|---|
| USB 2.0 | Bis zu 480 Mbit/s | bis zu 2,5 W (5V / 0,5A) |
| USB 3.0 / 3.1 GEN 1 | Bis zu 5 Gbit/s | bis zu 4,5 W (5V / 0,9A) |
| USB 3.2 GEN 1x2 / GEN 2 | Bis zu 10 Gbit/s | bis zu 4,5 W (5V / 0,9A) |
| USB 3.2 GEN 2x2 | Bis zu 20 Gbit/s | bis zu 4,5 W (5V / 0,9A) |
| USB 4 | Bis zu 40 Gbit/s | Bis zu 240 W |
| USB Power Delivery (PD) | - | Bis zu 100 W (PD 3.0) Bis zu 240 W (PD 3.1) |
| Thunderbolt 3 | Bis zu 40 Gbit/s | Bis zu 100 W |
| Thunderbolt 4 | Bis zu 40 Gbit/s | Bis zu 100 W |
Das beste Kabel oder Abzocke? Apples Thunderbolt-Kabel unter der Lupe
Neben optischen und haptischen Unterschieden, wie etwa dem eines geflochtenen Kabels zu einem ganz normalen Gummi-Mantel, sind die größten und wichtigsten Unterschiede mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
Zwar ist es das Normalste der Welt, die Hände über den Kopf zu schlagen, wenn man ein 149€ teures Thunderbolt-4-Kabel von Apple sieht und sich gleichzeitig zu denken „Das kann mein 10€-Kabel genauso!“. Wenn es ums bloße Aufladen eines Handys oder die Übertragung von ein paar Fotos geht, mag das stimmen, aber es ist nur ein ganz kleiner Teil der Wahrheit.
Die Röntgenstrahlen der innovativen Firma Lumafield zeigen eindrucksvoll, welche aufwendige Technik und Komplexität in einem simplen USB-C-Kabel stecken kann. Die Betonung liegt auf „kann“, denn ein schwarzes Schaf im Test beweist, dass mit Kabeln auch Schindluder betrieben wird.
In Apples Thunderbolt-Kabel verbindet eine neunlagige Platine das aufwendig abgeschirmte Kabel mit dem Stecker selbst. Die Platine selbst ist für Technikbegeisterte nicht weniger als eine mikroelektronisches Kunstwerk. An Protokollen unterstützt das Apple-Kabel den USB-4-Standard, Thunderbolt 4, DisplayPort mit HBR3 und bis zu 100 Watt Leistung. Wer regelmäßig große Datenmengen überträgt, kann daraus einen enormen zeitlichen Vorteil ziehen.
Diese Protokolle und die extrem aufwendige Konstruktion treiben natürlich auch den Preis eines Kabels in die Höhe. Ob die Komplexität allerdings wirklich nötig oder ein wenig übertrieben ist, bleibt trotz der Scans genauso fragwürdig wie das Preisschild des Apple-Kabels. Immerhin gibt es Kabel, die für dieselben Protokolle freigegeben sind, für einen Bruchteil des Preises:
Die beste Alternative kommt von Anker: ein Thunderbolt-Kabel für unter 30€Amazon Basic USB-C-Kabel im Vergleich
Im Vergleich zu anderen, günstigeren Kabeln, wie etwa Amazons eigenen Basics-Kabeln, zeigen die 3D-Scans, dass sie eine weitaus einfachere Konstruktion aufweisen. Mit weniger Kabeln, ohne fortschrittliche Mikrocontroller und weniger Pins im USB-C-Stecker selbst. Das beschränkt natürlich auch die Fähigkeit des Kabels, um Strom und Daten zu übertragen.
Als USB-2.0-Kabel dient es nach heutigen Maßstäben doch primär als Ladekabel – immerhin mit bis zu 60 Watt Leistung – und höchstens zum gelegentlichen Datentransfer. Ein Backup einer 128 Gigabyte großen Speicherkarte dauert damit weit mehr als eine halbe Stunde. Zum Vergleich: Mit UBS 4 oder Thunderbolt dauert die Sicherung nicht einmal 30 Sekunden.
Viele machen ihre Backups mittlerweile jedoch drahtlos und brauchen ihr USB-Kabel tatsächlich fast ausschließlich zum Laden. Ein 8€-Kabel von Amazon kann es also niemals mit Apples Ingenieurskunst aufnehmen und ist dennoch die klügere Wahl für einen Großteil von euch:
Das beste USB-C Ladekabel für die allermeisten kostet nicht einmal 10€!Die Schattenseiten billiger USB-Kabel von Amazon
Der Artikel rund um die besagten 3D-Scans von Lumafield enthüllt aber auch ein schmutziges Geheimnis: Auf Amazon und im Netz werden Kabel verkauft, die nicht einmal ihre Verpackung wert sind, in denen sie verschickt werden. Im Test scheiterte ein knapp 6€ teures Kabel gnadenlos, das laut Angabe 10 Gigabit an Daten pro Sekunde transportieren kann.
Der Scan zeigt, dass im Stecker gar keine Platine steckt – die Drähte sind also direkt mit den wenigen Pins im Stecker verlötet. Und obwohl im Stecker selbst ohnehin nur acht Pins anzutreffen sind, sind vier davon gar nicht mit dem Kabel verbunden. Das Kabel selbst besteht aus so wenigen Drähten und so viel Isolierung, dass die Lebensdauer eines solchen Kabels eher in Tagen als in Jahren angegeben werden müsste.
Dementsprechend schaffte es das Kabel entgegen seiner Spezifikation nur auf 480 Mbit/s – also auf USB-2.0-Geschwindigkeit. Denselben Standard, den auch das Kabel von Amazon für 2€ mehr erfüllt. Das wird euch aber aufgrund seiner besseren Verarbeitung und Konstruktion auch viel länger halten. „Günstig“ und „billig“ ist nicht dasselbe! Es muss kein Apple-Kabel für fast 150€ sein, aber ich rate euch trotzdem dazu, für euer nächstes USB-C-Kabel lieber ein paar Euro mehr auszugeben.
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