Entwickler bauen kostenloses Photoshop mit KI – lohnt sich jetzt überhaupt noch das Original? Ich habe es ausprobiert

Ich habe eine von KI entwickelte Adobe-Alternative zu Photoshop, Premiere, Lightroom und Co. ausprobiert und bin von einer Tatsache extrem begeistert.

Ich habe die kostenlose Adobe-Alternative von ArCraft ausprobiert. (Bildquelle: Prathankarnpap Adobe Stock) Ich habe die kostenlose Adobe-Alternative von ArCraft ausprobiert. (Bildquelle: Prathankarnpap / Adobe Stock)

Seit der Veröffentlichung vor einigen Tagen wird viel über das Angebot von ArtCraft gesprochen. Dabei handelt es sich um kostenlose Programme, die nicht nur im Aussehen stark an bekannte Programme wie Photoshop, Adobe Acrobat, Premiere, InDesign, Lightroom und Co. erinnern.

Auch die Menüs und angebotenen Funktionen wirken auf den ersten Blick sehr vertraut. Ob sie deshalb genauso gut funktionieren, ist allerdings eine andere Frage. Denn der Entwickler Brandon Thomas hat die quelloffenen Tools nach eigenen Angaben mithilfe von KI und Vibecoding erstellt.

Und während der Hype groß ist, frage ich mich, wie praktisch die mit KI erstellte Software wirklich ist. Vor allem, da die Anwendungen, laut Projektübersicht, noch in der Entwicklung stecken und ausdrücklich als frühe Alpha-Version gekennzeichnet sind.

Da mich die Programme schon beim Entdecken vor einigen Tagen so interessiert haben, habe ich sie am Wochenende mit mehreren Freunden über Stunden ausprobiert und mit den bekannten Adobe-Programmen verglichen.

Die Anwendungen befinden sich noch in frühen Entwicklungsphasen, weshalb die Entwickler selbst ausdrücklich auf Einschränkungen hinweisen.

Mein Versuch gibt einen ersten Einblick in die Möglichkeiten der Software. Für einen ausführlichen Praxistest bräuchte es aber mehr Zeit, weshalb ich plane, diesen Artikel nach längerem Ausprobieren der Programme zu aktualisieren.

Ich habe ArtCraft ausprobiert und bin von einem Fakt beeindruckt

Aktuell gibt es die Programme für Windows, macOS und Linux. Letzteres ist einfach genial und für mich ein echtes Highlight.

Mit GIMP hatte ich zwar schon eine gute Alternative für das Betriebssystem, mit PhotoCraft gibt es nun aber eine weitere Lösung, deren Oberfläche deutlich näher an Photoshop liegt.

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Unter Windows gibt es zudem »Portable«-Downloads, also Anwendungen, die sich ohne Installation verwenden lassen. Bis auf FilmCraft könnt ihr die Apps auch als Web-Version nutzen. Das ist besonders praktisch, da ihr die Programme so auch am Handy, Tablet oder Android-Gerät verwenden könnt.

PhotoCraft statt Photoshop: Der Alpha-Status ist spürbar

Auf den ersten Blick gleicht PhotoCraft seinem Vorbild extrem. Wer sich mit den Programmen nicht gut auskennt, würde sie vermutlich nur schwer auseinanderhalten können.

Zum Testen habe ich mir ein paar Urlaubsbilder von meiner Festplatte geschnappt und Basisfunktionen wie Auswahlwerkzeuge, Stempel, Radiergummi, Ebenen und Effekte ausprobiert. Das hat größtenteils in gewohnter Photoshop-Manier funktioniert.

Photoshop Photocraft Photoshop Photocraft

Die Ähnlichkeit von PhotoCraft zu Photoshop ist klar zu erkennen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Den größten Unterschied habe ich schon beim Ausprobieren der Zauberstab-Werkzeuge festgestellt. Die Auswahl wirkte in PhotoCraft teilweise weniger ausgereift als bei Adobe und enthielt kleinere Fehler.

Unter Linux habe ich zudem einige Probleme mit den Filtern bemerkt. So fehlte teilweise die Vorschau oder das gesamte Bild wurde einfach schwarz, statt mit einem Effekt versehen zu werden.

Neuere KI-Features fehlten in meiner getesteten Version nahezu komplett. Auch die Entwickler nennen KI- und generative Funktionen als eine der größten verbleibenden Lücken.

Wegen dieser Kinderkrankheiten bleibt PhotoCraft für mich erstmal nur ein interessanter Ansatz – vor allem unter Linux. Der Import meiner PSD-Dateien klappt zudem reibungslos, auch wenn die App manchmal etwas träge wirkt.

Eine echte Premiere-Alternative? FilmCraft im Test

Bei FilmCraft weicht die Oberfläche im Gegensatz zu PhotoCraft etwas stärker von der Inspirationsquelle ab. Wer schon einmal Premiere Pro benutzt hat, sollte sich jedoch schnell zurechtfinden, da viele Buttons, Einstellungen und Effekte an den gewohnten Stellen zu finden sind.

Beim Export kann ich zwischen wichtigen Formaten und Codecs wie H.264, QuickTime oder Apple ProRes wählen und die Einstellungen vornehmen, die ich sonst auch in Premiere nutze.

Mit FilmCraft hatte ich allerdings die meisten Probleme von allen ausprobierten ArtCraft-Programmen. Schriftzüge im Menü sind bei mir unterschiedlich groß ausgefallen, Buttons haben sich teilweise nicht anklicken lassen und das Schlimmste: Beim Schneiden hat das Programm immer wieder stark geflackert.

Premiere Pro Filmcraft Premiere Pro Filmcraft

Premiere Pro und FilmCraft haben einen nahezu identischen Aufbau – mit Unterschieden in den Funktionen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Selbst nachdem ich meinen PC neugestartet habe, hörte das Flackern nicht auf. Da ich zunächst von einem Problem mit der Hardwarekompatibilität ausgegangen bin, habe ich das Programm auch auf meinem Windows-Laptop installiert – ohne Besserung.

Ein Kumpel von mir, der FilmCraft unter Linux ausprobiert hat, bekam hingegen kein Flackern zu sehen – verlor sein Projekt am Ende aber durch einen Absturz des Programms.

Durch die Nähe zu Premiere Pro gibt es teilweise Features, die ich bei meinem gewohnten DaVinci Resolve in der kostenlosen Version vermisse. Für einen produktiven Dauereinsatz sind die Störungen für mich allerdings ein K.-o.-Kriterium.

LightCraft: Endlich eine Lightroom-Alternative?

Ich habe mittlerweile etliche Zeichen-, Bild- und Fotobearbeitungsprogramme von Aseprite über Inkscape bis hin zu Krita ausprobiert. Meine Favoriten, die ich außerhalb der Arbeit am meisten verwende, sind mittlerweile GIMP, Canva und ein stark gemoddetes Paint.NET.

Eine passende Alternative zu Lightroom hat mir bisher allerdings sowohl unter Windows als auch unter Linux gefehlt. Gerade in der Zeit, in der ich noch regelmäßig auf Konzerten und Veranstaltungen fotografiert habe, habe ich die stimmungsvollen Effekte sowie die einfache Bedienung von Lightroom schätzen gelernt.

Und ganz ehrlich: LightCraft schließt diese Lücke für mich überraschend gut. Die Oberfläche orientiert sich spürbar am klassischen Vorbild, bietet die gewohnte Logik und für meine bisherige Bildbearbeitung habe ich keine Funktionen wirklich vermisst.

Lightroom LightCraft Lightroom LightCraft

LightCraft ähnelt stärker der Lightroom CC Variante als Lightroom Classic. (Bildquelle: GameStar Tech)

Dass das nicht immer der Fall ist, hat sich bei einem Freund von mir gezeigt, der mit seinem Linux-PC starke Probleme hatte. Viele Regel haben nicht reagiert, bestimmte Effekte haben sich nicht auf das Bild ausgewirkt und das Programm wurde immer wieder von Rucklern gestört.

Die einzige Schwäche, die ich auf beiden Betriebssystemen festgestellt habe, waren die im Vergleich zu Lightroom wenig differenziert wirkenden Ergebnisse mancher Filter. Gerade die Rauschunterdrückung fühlte sich nicht wie eine gezielte Anpassung an, sondern eher wie ein generischer Filter, der einfach über das Foto gelegt wurde.

Trotz dieser Schwächen bin ich froh, mit LightCraft eine weitere Möglichkeit gefunden zu haben, meine Bilder unkompliziert am Windows-PC zu bearbeiten.

PdfCraft hält sein Versprechen – aber bietet mir wenig Neues

Zur Bearbeitung von PDFs habe ich bisher immer PDFsam oder Xournal++ verwendet und bin damit gut gefahren. Um Dokumente zu unterschreiben, habe ich gelegentlich die kostenlose Version von Adobe Acrobat verwendet.

Eine Alternative brauche ich also nicht unbedingt. Ich habe mir PdfCraft dennoch gerne angeschaut, weil ich damit mehrere meiner bisherigen PDF-Aufgaben in einem Programm erledigen kann. Und das klingt schon sehr angenehm.

Acrobat PdfCraft Acrobat PdfCraft

Acrobat und PdfCraft haben die mitunter größten Unterschiede in ihrem Design. (Bildquelle: GameStar Tech)

Nach der ernüchternden Erfahrung mit LightCraft unter Linux hat PdfCraft in meinem Test überraschend gut funktioniert. So habe ich alle Funktionen des Tools ausprobiert und nicht einen Fehler festgestellt. Dazu gehörten das Kombinieren von PDFs, das Schwärzen von Passagen sowie das Einfügen einer Unterschrift.

Allerdings verbringe ich in PDF-Programmen auch deutlich weniger Zeit als in einem Video- oder Bildbearbeitungsprogramm. Als kostenloser Allrounder für meine PDF-Aufgaben ist die Anwendung eine durchaus brauchbare Lösung.

Vector-, Effect- und DesignCraft im Vergleich

Da ich Illustrator und After Effects nur selten verwendet und InDesign, wenn überhaupt, nur einmal vor langer Zeit genutzt habe, kann ich selbst wenig zu den üblichen Arbeitsabläufen sagen.

Ich habe die drei ArtCraft-Pendants dennoch installiert und mich mithilfe von YouTube-Tutorials zu den Adobe-Programmen sowie der Unterstützung von zwei Freunden durch die Tools geklickt. Dabei hat bis auf ein paar Verzögerungen unter Linux alles funktioniert, was wir ausprobiert haben.

Dass ich direkt auf Adobe-Tutorials zurückgreifen und mich damit problemlos zurechtfinden konnte, sagt aus meiner Sicht einiges über die Ähnlichkeit der Oberflächen aus. Wie gut die Programme komplexere Aufgaben bewältigen, kann ich nach diesem kurzen Ausprobieren allerdings nicht beurteilen.

Kostenlose Adobe-Alternative: So erklärt der Entwickler die Entstehung

Falls ihr euch fragt, wie diese Adobe-Alternativen entstanden sind, lautet das Stichwort der Entwickler »Clean-Room-Implementierung«. So erklärt ArtCraft auf GitHub, dass die Software anhand öffentlicher Spezifikationen und des beobachtbaren Verhaltens der Originale neu programmiert wurde.

Brandon Thomas erklärte dazu, er habe die sieben Nachbauten mithilfe von KI per Vibecoding entwickelt. Daraus ging die ArtCraft-Suite mit Programmen wie PhotoCraft, VectorCraft, FilmCraft und LightCraft hervor. Sie bietet Pendants zu sieben bekannten Adobe-Anwendungen. 

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Vertraute Oberfläche, aber noch kein Ersatz für den Alltag

Die ArtCraft-Tools sind ein beeindruckendes Projekt. Nach meinem ersten Ausprobieren sehe ich für meinen Alltag insgesamt aber keinen entscheidenden Mehrwert gegenüber den Programmen, die ich bereits benutze. Der größte Reiz ist für mich die Möglichkeit, unter Linux in einer Oberfläche zu arbeiten, die sich nach Photoshop und den anderen Adobe-Anwendungen anfühlt.

Viele Buttons sitzen an den gewohnten Stellen, Menüs wirken vertraut und selbst Adobe-Tutorials helfen bei der Orientierung. Genau daher kommt für mich auch ein großer Teil des Vergleichs mit der Adobe-Suite. 

Beim tatsächlichen Arbeiten zeigt sich jedoch, dass ähnliche Oberflächen und vorhandene Menüpunkte noch keine gleichwertige Software ergeben. Nicht reagierende Regler, fehlerhafte Filter, Bildschirmflackern und Abstürze haben meine Versuche immer wieder ausgebremst.

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Für mich zeigt ArtCraft damit die Lücke zwischen einer per KI und Vibecoding beeindruckend schnell entstandenen Oberfläche und einem Werkzeug, auf das ich mich täglich verlassen möchte. Das passt zur eigenen Einordnung des PhotoCraft-Teams, das ausdrücklich noch keinen Ersatz für die tägliche professionelle Arbeit verspricht. 

LightCraft bleibt für mich persönlich das spannendste Angebot. Es ermöglicht mir unter Windows die bequeme Bildbearbeitung, die ich an Lightroom schätze, und wird meine Auswahl an Tools vorerst ergänzen. 

Der Vorteil eines bekannten Workflows

Bei den übrigen Aufgaben habe ich bereits Programme, mit denen ich besser zurechtkomme oder auf die ich mich eher verlassen kann. Und ja, ich kenne Aussagen wie »GIMP ist genauso gut!« oder »Unter Linux gibt es genug gute Programme«.

Ich bin selbst ein Fan von Freeware, die im Idealfall auch noch Open Source ist. Trotzdem möchte ich mich nicht bei jedem Wechsel komplett neu einarbeiten. Mein erster Umstieg von Photoshop auf GIMP war anstrengend genug.

Eine vertraute Oberfläche unter Linux ist deshalb für mich ein echter Pluspunkt. Sie gleicht die Probleme beim Benutzen aber nicht aus. Als Gesamtpaket macht ArtCraft für mich derzeit nichts entscheidend besser als Adobe und erreicht dessen Qualität und Zuverlässigkeit nicht durchgehend – teilweise funktionieren die Werkzeuge sogar schlechter.

Wer schon eine gut funktionierende Lösung hat, muss aus meiner Sicht also nicht wechseln. Ich werde die Suite aus Interesse aber weiterhin verfolgen und zum Testen noch etwas nutzen. Als gleichwertige Alternative zur Adobe-Suite für den täglichen Einsatz sehe ich ArtCraft derzeit aber nicht


Kommentare(1)
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