Facebook & Cambridge Analytica - Billionen-Strafe für Nutzerdaten-Missbrauch droht

Illegal genutzte Nutzer-Daten von Facebook stehen im Mittelpunkt von Untersuchungen, die immens hohe Strafen mit sich bringen könnten.

von Georg Wieselsberger,
20.03.2018 08:22 Uhr

Facebook sieht sich möglicherweise mit riesigen Strafzahlungen konfrontiert.Facebook sieht sich möglicherweise mit riesigen Strafzahlungen konfrontiert.

Ein Whistleblower namens Christopher Wylie hat verraten, dass das Unternehmen Cambridge Analytica mit illegal genutzten User-Daten von Facebook nicht nur die US-Wahlen, sondern auch Abstimmungen wie beispielsweise das Referendum zum Brexit beeinflusst haben soll.

Dazu wurden die Daten von 270.000 Nutzern und jeweils rund 190 Freunden von Facebook abgefragt und dann dazu verwendet, anhand deren Profile, Likes und anderen Angaben »passende« Anzeigen zu schalten - beispielsweise solche, die mögliche Unterstützer von Donald Trump zur Wahl animieren, solche von Hillary Clinton aber eher vom Wählen abhalten.

Gegen Privacy Deal mit der FTC verstoßen

Ob das nun funktioniert hat oder nicht, dürfte aber beispielsweise für die FTC in den USA keine Rolle spielen. Dort hatte Facebook einen »Privacy Deal« ausgehandelt, der vorsieht, dass Daten von Nutzern über die gemachten Einstellungen hinaus nur dann weitergegeben werden dürfen, wenn der Nutzer ausdrücklich zustimmt. Das war laut einem Bericht der Washington Post wohl nicht der Fall - und damit würden über 50 Millionen Verstöße gegen dieses Abkommen vorliegen.

Das Abkommen sieht auch vor, dass ein Verstoß mit 40.000 US-Dollar Strafe geahndet werden kann, was grob gerechnet auf 2.000 Milliarden US-Dollar an Strafe hinauslaufen würde, wenn sich alle Vorwürfe bestätigen. Allerdings ist das Aussprechen einer solchen Billionenstrafe, die das Ende von Facebook bedeuten dürfte, wohl eher unwahrscheinlich.

Untersuchungen in Großbritannien und der EU

Doch auch in Großbritannien laufen nun Untersuchungen und die Diskussion um den ohnehin umstrittenen Brexit ist um eine Facette reicher. Auch die EU hat in Person des Präsidenten des EU-Parlamentes schon eine komplette Untersuchung der Vorfälle angekündigt und sie einen »inakzeptablen Verstoß gegen die Privatsphäre unserer Bürger« genannt. Die EU könnte ebenfalls extrem hohe Strafen aussprechen. An der Börse hat Facebook in den letzten Tagen rund 10 Prozent seines Wertes verloren.


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