Es gibt jetzt offiziell »Gaming-Strom«: Für wen sich der Tarif lohnen kann

Gaming-Strom aus der Steckdose? Hinter dem schrillen Marketing-Tarif steckt ein seriöses Modell für Vielverbraucher.

Der Stromtarif an Spieler richtet sich vor allem an Haushalte, die viel Strom verbrauchen. (Bildquelle: Sam Pak on Unsplash) Der Stromtarif an Spieler richtet sich vor allem an Haushalte, die viel Strom verbrauchen. (Bildquelle: Sam Pak on Unsplash)

Mehr Frames pro Sekunde oder einen niedrigeren Ping liefert auch das neueste Angebot auf dem Energiemarkt nicht – trotzdem gibt es in Deutschland ab sofort offiziell »Gaming-Strom«.

Hinter dem Angebot mit dem Namen »meinGAMING« steckt kein dubioses Start-up, sondern mit der SWK Energie die traditionsreichen Stadtwerke Krefeld, die ihren Ökostrom nun in der Sprache der Spiele-Branche an Besitzer leistungshungriger Hardware wie einer Geforce RTX 5090 vermarkten.

Warum ein genauerer hinter die Marketing-Fassade lohnt, zeigt das Tarifmodell: Durch den günstigen Preis pro Kilowattstunde bei gleichzeitig höherer Grundgebühr ist das Angebot ein klassischer Vielverbrauchertarif, der sich ab einem Jahresbedarf von rund 2.500 kWh bezahlt machen kann.

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Strom auf die Gamer-Zielgruppe zugeschnitten

Ein Blick auf den Webauftritt von »meinGAMING« zeigt, wie stark das Marketing auf die Zielgruppe zugeschnitten wurde. Statt klassischer Haushaltsgrößen stehen beim Tarifrechner Kategorien wie »Casual Gamer«, »Pro Gamer« und »Gaming Haushalt« zur Auswahl.

Als typische Szenarien nennt der Anbieter lange Gaming-Sessions von mehr als 30 Stunden pro Woche, 4K-Streaming, mehrere parallel laufende Systeme und das Homeoffice obendrauf.

Auch sprachlich bleibt der Auftritt tief in der Gaming-Szene: Der Tarif passe »wie dein Lieblingscontroller in deine Hand«, die Versorgung sei »zuverlässig wie dein Lieblingsserver« und der rein digitale Wechsel laufe komplett ohne »Papierkram-Quests« ab.

Physikalisch betrachtet ist dem Stromnetz diese Zielgruppenansprache herzlich egal. Ob am anderen Ende der Leitung eine Geforce RTX 5090 unter Volllast rendert, der Wasserkocher brodelt oder die Waschmaschine schleudert, macht für die Steckdose keinen Unterschied.

Das gilt ebenso für das Ökostrom-Versprechen: Zwar wird für »meinGAMING« zu 100 Prozent zertifizierter Strom aus europäischen Wasserkraftanlagen über Herkunftsnachweise eingekauft – aus der heimischen Steckdose fließt am Ende aber wie überall der reguläre deutsche Strommix.

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Die Rechnung dahinter: Hoher Grundpreis, niedriger Arbeitspreis

Wer den Tarif deshalb als reinen Marketing-Gag abtut, übersieht allerdings die durchaus nachvollziehbare Preiskalkulation dahinter. Bei »meinGaming« handelt es sich um einen regulären Tarif der seit über 170 Jahren bestehenden Stadtwerke Krefeld – inklusive 12 oder 24 Monaten Preisgarantie.

Der Kniff liegt in der Tarifstruktur:

  • Höherer Grundpreis: Die feste monatliche Grundgebühr fällt spürbar höher aus als bei vielen Standardtarifen.
  • Niedriger Arbeitspreis: Im Gegenzug ist der Preis pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh) günstiger angesetzt.

Je höher der jährliche Strombedarf ausfällt, desto stärker verteilt sich der fixe Grundpreis auf die einzelnen Kilowattstunden. Laut Anbieter wird diese Schwelle ab einem Jahresverbrauch von rund 2.500 kWh erreicht.

Kurioser Nebeneffekt: Wie der Anbieter in seinen eigenen FAQs und Ratgebern einräumt, ist es völlig zweitrangig, womit dieser Verbrauch erzielt wird. Auch wer keinen einzigen Gaming-PC besitzt, dafür aber ein Elektroauto über die heimische Wallbox lädt oder eine Wärmepumpe über den normalen Haushaltszähler betreibt, profitiert genauso vom niedrigen Arbeitspreis.

Warum also das »Gaming«-Etikett? Die Antwort liegt im Vertrieb. Anstatt im unübersichtlichen Preiskampf auf Vergleichsportalen unterzugehen, spricht die SWK Energie gezielt eine klar abgrenzbare Nische an, die nachweislich viel Strom verbraucht und wechsel bereit ist.

Mehr zu Strom: Ich habe den Stand-by-Stromverbrauch all meiner Steckdosen gemessen – wie schlimm (oder egal) ist es? [Best of GameStar]

Passend dazu hat der Versorger ein eigenes Partnerprogramm für Streamer, YouTuber und Content Creator aufgesetzt.

Mehr Taktfrequenz, niedrigere Latenzen oder gar zusätzliche Frames pro Sekunde holt »Gaming-Strom« zwar nicht aus der Leitung. Unter der Gaming-Haube verbirgt sich jedoch ein regulärer Vielverbrauchertarif eines kommunalen Versorgers. Auch hier gilt die Devise: Stromtarife am besten über Vergleichsportale miteinander vergleichen, um ein passendes Angebot zu finden.


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