Gehirn-Kopie - US-Startup will menschlichen Geist digital bewahren

Ein US-Startup will die Struktur menschlicher Gehirne konservieren und sie dann virtuell wieder funktionieren lassen. Es gibt natürlich viele Haken.

von Georg Wieselsberger,
19.03.2018 10:35 Uhr

Das Gehirn soll virtuell kopiert werden und dann irgendwann wieder funktionieren. (Bildquelle: Publicdomainpictures.net/CC0 1.0 Universal)Das Gehirn soll virtuell kopiert werden und dann irgendwann wieder funktionieren. (Bildquelle: Publicdomainpictures.net/CC0 1.0 Universal)

Es gibt schon länger Unternehmen, die frisch verstorbene Menschen (oder notfalls nur ihren Kopf) einfrieren und konservieren. Die »Patienten«, die dafür viel Geld bezahlen, hoffen, dass es in Zukunft dank des Fortschritts möglich sein wird, sie wiederzubeleben.

Einen ähnlichen, aber doch ganz anderen Weg geht das US-Startup Nectome. Hier soll laut vrodo.de zwar auch das Gehirn eines Menschen zunächst stabil konserviert werden, dann aber dessen Struktur als Bauplan für eine digitale, virtuelle Version dienen.

Virtuelle Kopie des menschlichen Geistes

Auf diese Weise sollen laut Nectome auch die Erinnerungen der Person konserviert werden und könnten theoretisch virtuell für eine Kopie des menschlichen Geistes genutzt werden. Das ändert allerdings nichts daran, dass in diesem Fall das Original weiterhin tot ist, sofern man bei Dingen wie dem menschlichen Geist von einem Original sprechen kann.

Ähnliche philosophische Probleme werden auch bei einem hypothetischen Star-Trek-Transporter diskutiert, bei dem das Original vernichtet und eigentlich eine Kopie am Zielort entsteht, die sich für das Original hält. Manche Philosophen halten die Kopie dann aber trotzdem für das Original, weil es dem Ursprungszustand am meisten entspricht (Closest Continuer).

Bei der Idee von Nectome ist das Sterben des Originals allerdings sogar sicher Teil der Prozedur, denn im Gegensatz zur bisherigen Kryo-Konservierung anderer Unternehmen wird das Konservierungsmittel hier dem lebenden Patienten verabreicht - und das hat tödliche Folgen.

Sterbehilfe nach kalifornischem Recht

Daher arbeitet das Unternehmen auch mit Anwälten zusammen, damit diese Prozedur, die nur an tödlich erkrankten Teilnehmern durchgeführt werden soll, im Rahmen des kalifornischen Rechts als legale Sterbehilfe angesehen wird. Wie dann aus dem konservierten Toten und den Daten des Gehirns tatsächlich eine funktionierende Kopie des Geistes der Person entstehen soll, müssten künftige Technologien erst noch zeigen.

Immerhin arbeitet Nectome aber mit dem MIT zusammen und konnte schon bei einem Hirn eines Hasen jede einzelne Synapse erhalten, später auch schon mit einem Schweinehirn und mit dem Gehirn einer menschlichen Leiche. Damit ist zumindest die Hirnforschung auch an diesem Projekt interessiert - ganz ohne virtuelle Auferstehung.


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