Knappe Hardware: Scalper verdient über 500.000 Euro im Jahr mit Abo-Service

Vom Grafikkarten-Mangel profitieren vor allem Scalper. Aber auch deren Zwischenmänner machen mit einem Abo-Service viel Geld, wie ein Interview zeigt.

von Kay Nordenbrock,
24.01.2022 16:58 Uhr

Ein britischer Abo-Service für Scalper verspricht auch mit Grafikkarten sehr hohe Gewinne - und macht durch die Abo-Einnahmen alleine selbst monatlich großen Profit Ein britischer Abo-Service für Scalper verspricht auch mit Grafikkarten sehr hohe Gewinne - und macht durch die Abo-Einnahmen alleine selbst monatlich großen Profit

Hardware wie Grafikkarten und Konsolen sind aufgrund des Chip-Mangels knapper und gefragter denn je. In diesem Umfeld machen sogenannte Scalper ein gutes Geschäft. Aber auch an den Scalpern selbst kann man sehr gut verdienen, wie der Abo-Service von Jack Bayliss deutlich macht.

Wer ihn für etwa 36 Euro im Monat nutzt, wird stets informiert, wenn neue Ware auf einer der über 300 überwachten Shopseiten zum Kauf bereitsteht. Auch Hilfestellung für den automatisierten Kauf per Bots gehört zum Paket dazu. Ein Service, der wohl einiges an Interesse hervorruft.

Über 500.000 Euro pro Jahr

Wie Bayliss in einem Interview gegenüber Sky News Ende 2021 angab, hat er etwa 1.500 Kunden. Selbst wenn sie alle das Jahresabo mit einer Ermäßigung von 17 Prozent gegenüber der monatlichen Zahlung nutzen, hätte er damit allein bereits Umsätze von über 500.000 Euro pro Jahr.

In dem Interview erklärt er außerdem seine Sicht der Dinge und warum er kein schlechtes Gewissen hat, Scalpern zu ihrer nötigen Ware zu verhelfen. Wer von solchen Praktiken nichts hält, der liest also besser nicht weiter - Teile von Bayliss Antworten könnten euch verärgern.

Mehr zu den Hintergründen, wie genau so ein Service funktioniert, haben die Gründer des Dienstes Falcodrin in einem Interview mit The Verge näher erklärt:

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Scalpen macht junge Leute zu Unternehmern

Bayliss gibt an, dass viele Abonnenten seines Services junge Leute seien, die dank ihm als Unternehmer durchstarten können. Begonnen habe alles mit Sneakern, mittlerweile können seinen Kunden aber auch Hardware wie Grafikkarten und Konsolen zu vergleichsweise niedrigen Preisen kaufen und dann teurer wieder weiterverkaufen. 

So tun sie laut Bayliss etwas, auf das 90 Prozent der Bevölkerung keine Lust hätte, mit großen Vorteilen. Einige Mitglieder konnten sogar ihren Vollzeitjob kündigen, um Reseller zu werden:

Sie verbringen mehr Zeit mit ihrer Familie, mit ihren Kindern. Wir haben Mitglieder, die ihr Haus renovieren konnten, ihren Kindern ein Klettergerüst kaufen, sie kaufen ihren Frauen neue Autos, sie kaufen sich selbst neue Autos.

Um die Preissteigerungen der knappen Waren macht sich Jack Bayliss gleichzeitig keine Sorgen. Seiner Meinung nach sind Waren wie die PlayStation 5 keine Notwendigkeit, sondern ein Luxusgut. Wenn jemand bereit ist, 450 Pfund dafür zu zahlen, dann seien die extra 100 Pfund, die an die Scalper gehen, marginal, so Bayliss.

PlayStation 5 und Xbox Series X lagern hier, um zu teuren Preisen wieder verkauft zu werden. Quelle: Jack Bayliss via Sky News PlayStation 5 und Xbox Series X lagern hier, um zu teuren Preisen wieder verkauft zu werden. Quelle: Jack Bayliss via Sky News

Bot-Käufe sind vielen ein Dorn im Auge

Ganz anders sieht das laut dem Sky-Bericht das britische Parlamentsmitglied Douglas Champan. Unterm Strich sei das eine Frage der Konsumenten-Fairness, die auch auf die Wirtschaft Einfluss habe:

Das ist eine Situation, in der Käufer schlecht behandelt werden und hohe Aufpreise für Waren fällig werden, die dann nicht einmal mit einer Garantie oder dem Recht auf Rückgabe oder der Behebung von Fehlern versehen sind.

Ein Sprecher der britischen Regierung hat laut Sky angegeben, das Gespräche mit Handelsorganisationen geführt werden. Ziel sei es demnach, sicherzustellen, dass Endkunden vor automatisierten Einkäufen im großen Stil geschützt werden. Wenn man aber bedenkt, wie lange diese Praktiken auch in Bezug auf Grafikkarten mittlerweile schon in vielen Ländern weltweit durchgeführt werden, macht das wenig Hoffnung auf eine ernsthafte Verbesserung der Lage.

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