»Eine existenzielle Bedrohung«: Nvidia-CEO erklärt, wie die CUDA-Wette die Firma fast zerstörte – und warum er trotzdem daran festhielt

CUDA war eine »Wette«, die Nvidias Börsenwert um gut 80 Prozent abstürzen ließ. CEO Jensen Huang erklärt, wie es dazu kam – und warum er trotzdem an der Strategie festhielt.

Nvidia-Chef Jensen Huang spricht ausführlich über die »CUDA-Wette«, die sein Unternehmen beinahe in den Ruin trieb. (© Nvidia) Nvidia-Chef Jensen Huang spricht ausführlich über die »CUDA-Wette«, die sein Unternehmen beinahe in den Ruin trieb. (© Nvidia)

Vor Kurzem hat sich Nvidia-CEO Jensen Huang in einem Podcast ausführlich über die Geschichte seines Unternehmens geäußert. Besonders die 2006 gestartete CUDA-Plattform wurde thematisiert, die laut Huang Nvidia beinahe ruiniert hätte:

Das [CUDA] war die erste strategische Entscheidung, die einer existenziellen Bedrohung am nächsten kam.

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Der erste Schritt vor über 20 Jahren

Das technische Fundament für CUDA wurde bereits 2003 gelegt, als Nvidia in seinen Shader-Einheiten IEEE-kompatible 32-Bit-Gleitkommaberechnungen – auch als FP32 bekannt – verbaute.

  • Damit konnte wissenschaftlicher Code, der eigentlich für CPUs konzipiert wurde, prinzipiell auch auf einer Nvidia-GPU laufen.
  • Forscher wussten dies schon damals für sich zu nutzen, sodass CUDA (»Compute Unified Domain Architecture«) als logischer Schritt im Kontext einer vollwertigen Architektur folgte.
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Eine Entscheidung, die Nvidias Börsenwert halbierte

Die Idee dieser Technologie war allerdings nicht das eigentliche Drama, sondern die kommerzielle Umsetzung.

  • Huang traf den folgenschweren Entschluss, CUDA nicht nur auf teuren Workstation-GPUs zu bringen, sondern auf jede einzelne Geforce-Karte. Selbst die billigsten Gaming-GPUs von Nvidia unterstützen CUDA.
  • Reine PC-Spieler wussten damit überhaupt nichts anzufangen, sodass man denen kaum einen Aufpreis für eine zum Lieblingshobby eher unwichtige Architektur vermitteln konnte. Die Herstellungskosten einer GPU stiegen aber für die Umsetzung von CUDA.

CUDA erhöhte unsere Kosten um rund 50 Prozent, und wir waren damals ein Unternehmen mit etwa 35 Prozent Bruttomarge. Unsere Marge fiel um etwa anderthalb Dollar pro Chip.

Die Konsequenz an der Börse war brutal: Nvidias Marktkapitalisierung fiel nach dem CUDA-Launch von etwa acht Milliarden auf knapp 1,5 Milliarden US-Dollar – geradezu lächerliche Ziffern im Vergleich zum heutigen Börsenwert.

Die »CUDA-Wette« machte sich bezahlt

Für den Nvidia-Chef war es dennoch unabdinglich, CUDA über Geforce-Grafikkarten an die Kundschaft zu bringen: Wenn CUDA als neue Computing-Architektur eine Chance haben sollte, musste sie in den Händen möglichst vieler Menschen landen.

In den Augen von Huang ist das Prinzip hinter dieser Strategie schnell erklärt: »Die Installationsbasis definiert eine Architektur. [...] Alles andere ist zweitrangig«.

  • Es dauerte mehrere Jahre, bis sich das Blatt wendete. 2012 schlug das neuronale Netzwerk »AlexNet« beim ImageNet-Wettbewerb alle Konkurrenten um mehr als zehn Prozentpunkte.
  • Die zugrundeliegende Hardware? Nvidia-Grafikkarten mit CUDA – und plötzlich war die Architektur in aller Munde.

Hintergrund: Vor einem Vierteljahrhundert verband ein Student 32 Geforce-Grafikkarten, um Quake 3 zu spielen. So entstand CUDA


Rückblickend meint Huang, dass der Nvidia-Erfolg auf Geforce basiert; schließlich waren es diese Grafikkarten, die CUDA »zu allen« gebracht haben.

Zumindest die aktuelle Marktlage gibt ihm recht, ist CUDA doch die mit großem Abstand dominierende Plattform für KI-Training und -Inferenz – und ist heute nicht mehr das Gesicht einer selbstzerstörerischen Nvidia-Wette, sondern eines der wertvollsten Tech-Unternehmen unserer Zeit.

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