Eigentlich bin ich ja strikt gegen den ganzen modernen Abo-Wirrwarr heutzutage. Mittlerweile zahlt man sogar für Hardware monatliche Raten. Doch jetzt sitze ich hier, schreibe diesen Artikel und überlege mir schon seit längerem, ob ich nicht doch so ein Hardware-Abo abschließen soll. Meine Neugier ist nah dran über den Verstand zu siegen. Der Grund ist der Oura Ring 4 und dieser hat mich einfach komplett gecatcht. Er soll vieles einfacher und besser machen als so manche Smartwatches.
Hier findet ihr den Oura Ring 4!Eine Smartwatch ohne Display
Ihr nehmt die komplette Sensor-Technik einer hochgezüchteten Smartwatch und quetscht sie einfach in einen simplen Ring. Ohne Display, ohne ständige Vibrationen und ohne den klobigen Technik-Look am Handgelenk. Das ist die Magie beim Oura Ring 4.
Der Ring besteht aus superleichtem Titan, der optisch eigentlich kaum von einem normalen Ring zu unterscheiden ist. Und dennoch ist die Technik dahinter einfach saustark. Verglichen mit vielen Smartwatches sind hier die Gesundheitsdaten nochmal präziser und genauer. Wer also keinen Tech-Klotz am Arm haben will und dennoch nicht auf die Gesundheitsfunktionen verzichten möchte, für den wäre dieser Ring perfekt geeignet.
Hier findet ihr den Oura Ring 4!
Schlaftracking auf Labor-Niveau
Um mal direkt tief in die Daten reinzugehen: Der Ring checkt nicht einfach nur (wie die meisten Smartwatches), wie lange ihr die Augen zu habt. Auf der Innenseite feuern winzige Sensoren (Rotlicht und Infrarot) die ganze Nacht durch. Die messen fast gruselig genau euren Ruhepuls, eure Atemfrequenz und den Blutsauerstoff (SpO2).
Die App dröselt euch, basierend darauf, am nächsten Morgen präzise auf, wie lange ihr im Tiefschlaf wart, wann die REM-Phase lief und ob ihr euch unruhig gewälzt habt. Mein geschätzter Arbeitskollege Patrick Schneider hat den Ring getestet und beim Schlaftracking hielt der Ring locker mit Top-Geräten wie der Apple Watch Ultra mit.
Der Oura Ring lernt zusätzlich eure echten Schlafgewohnheiten. Das System merkt sich euren Rhythmus und euren "Chronotypen" (ob ihr also eher die Nachteule oder der frühe Vogel seid). Manchmal bewertet die App eine tiefenentspannte Nacht mit gut sechs Stunden besser als acht Stunden unruhiges Herumwälzen. Sowas hatte ich bisher noch bei keiner Smartwatch. Die haben mir alle eigentlich nur aufgezeigt, wie lange ich geschlafen habe und diese Daten dann mit dem generellen Optimalwert verglichen.
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Euer ganzer Körper wird gecheckt: Stress, Zyklus, Tagesform
Wenn ihr die App öffnet sehr ihr direkt euren Tagesform-Score (ein Wert zwischen 1 und 100). Hier wirft die Software alles zusammen: Euren Schlaf, eure Aktivität vom Vortag, eure Körpertemperatur und die Herzfrequenzvariabilität (HRV).
Kurz zur HRV, weil das extrem wichtig ist: Das ist der zeitliche Abstand zwischen euren Herzschlägen. Wenn euer Herz stur wie ein Metronom im exakt gleichen Takt schlägt, bedeutet das ironischerweise massiven körperlichen Stress. Sind die Abstände leicht unregelmäßig, ist euer Körper entspannt und flexibel. Der Ring trackt das extrem genau. Wenn ihr mal wieder völlig drüber seid, sagt euch die App, dass ihr heute mal einen Gang runterschalten sollt.
Was überrascht gut funktioniert ist der Symptom-Melder. Mein Kollege dachte letztens an einem Dienstag, er wäre einfach nur platt vom Sport. Plötzlich grätscht die App dazwischen und meldet: "Achtung, deine Körpertemperatur ist erhöht und der Ruhepuls weicht völlig von deinem Monatsdurchschnitt ab." Einen Tag später lag er mit einer dicken Sommergrippe flach. Der Ring weiß quasi vor euch, dass ein Infekt anrollt.
Obendrauf gibt es noch richtig tiefe Gesundheits-Features, die man bei so einem winzigen Ring kaum erwartet: Das Gerät misst eure maximale Sauerstoffaufnahme beim Sport (VO2max), berechnet euer kardiovaskuläres Alter (also wie alt eure Gefäße wirklich sind) und bietet für Frauen extrem detaillierte Einblicke in den eigenen Zyklus bis hin zu einer Begleitung in der Schwangerschaft.
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Besserer Akku als bei den großen Smartwatches
Auf dem Papier wirft der Hersteller bis zu 8 Tage in den Raum. Die Realität beim Kollegen sah so aus: Der Ring hält gut sechs Tage am Stück durch, während er wirklich alle Sensoren und die 24/7-Messung aktiviert hat. Nach diesen sechs Tagen ist die Batterie meistens bei entspannten 15 bis 20 Prozent angekommen. Dann wirft er das gute Stück für exakt 80 Minuten auf das mitgelieferte Ladepad und der Ring ist wieder auf 100 Prozent.
Hier findet ihr den Oura Ring 4!Hier ist die Smartwatch dennoch besser
Wer einen Tracker für harten Sport oder genaues Schrittzählen sucht, ist hier beim Ring völlig falsch abgebogen. Die Schrittzähler-Funktion würfelt die Zahlen eher grob zusammen.
Noch wilder ist die automatische Workout-Erkennung. Wenn man nur entspannt zum Kühlschrank schlurft, denkt der Ring manchmal ernsthaft, man absolviert gerade ein "Gehen"-Workout. Beim gemütlichen Einkaufen im Supermarkt hat die App beim Kollegen plötzlich "Golf spielen" in die Liste eingetragen. Die Herzfrequenz beim Joggen wird wiederum erstaunlich genau gemessen, aber ohne eingebautes GPS und wegen der wilden Trainingserkennung braucht ihr für echten Sport weiterhin euer Handy oder eine normale Uhr.
Was kostet euch ein Abo beim Oura Ring
Ihr kommt beim Oura Ring 4 nicht über eine Abo-Pflicht drum rum. Ohne die monatlichen 6 Euro für die Oura Membership ist der teure Ring im Grunde nur ein Stück Titan am Finger. Ohne Abo fallen die detaillierte Schlafanalyse, die 24/7-Herzfrequenzmessung, die Blutsauerstoffmessung und der ganze Stress- und Tagesform-Kram komplett weg. Alles versteckt sich hinter einer Paywall. Das müsst ihr beim Kauf einfach auf dem Zettel haben.
Hier findet ihr den Oura Ring 4!
