Scotty Kilmer, Mechaniker mit über 50 Jahren Erfahrung: »Wenn ihr auf der Autobahn fahrt, kann das Benzin die Ventile reinigen – das ist das italienische Tuning« – aber was ist dran?

Eine Stunde Autobahnfahrt verdampft Feuchtigkeit im Motoröl und unterstützt die Regeneration des Partikelfilters.

Es kann eurem Wagen gut tun, ab und an mal auf der Autobahn damit unterwegs zu sein, sagt Scotty Kilmer. (Bild: motorpasion.com) Es kann eurem Wagen gut tun, ab und an mal auf der Autobahn damit unterwegs zu sein, sagt Scotty Kilmer. (Bild: motorpasion.com)

Ein Auto, das überwiegend für kurze Stadtfahrten genutzt wird, erreicht häufig nicht seine volle Betriebstemperatur. Gerade wenn der Motor nach wenigen Minuten wieder abgestellt wird, kann das auf Dauer nachteilig sein.

Scotty Kilmer, Mechaniker mit 58 Jahren Berufserfahrung, plädiert deshalb dafür, ab und zu eine längere Strecke bei konstantem Tempo zu fahren.

Dabei geht es nicht darum zu rasen, sondern darum, dass der Motor ausreichend Zeit bei optimaler Betriebstemperatur verbringt. Was genau dahintersteckt und wie Kilmers Aussagen einzuordnen sind, schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Motorpasion.com und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.


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Das »italienische Tuning« – Mythos oder Wahrheit?

Der Hauptgrund für Kilmers Empfehlung ist Feuchtigkeit.

  • Bei Kaltstarts gelangt Kondenswasser ins Motoröl, das nicht verdampfen kann, wenn der Motor nicht heiß genug wird.
  • Um zu prüfen, ob sich Feuchtigkeit angesammelt hat, empfiehlt Kilmer, den Öleinfülldeckel zu öffnen und nach einer weißlichen, schaumigen Paste Ausschau zu halten. Allerdings ist zu bedenken, dass es für ihr Auftreten auch andere Gründe geben kann wie etwa ein Problem mit dem Kühlmittel.
  • Kilmer empfiehlt etwa eine Stunde Fahrt bei gleichmäßigem Tempo. Tatsächlich kann bereits eine kürzere Fahrt ausreichen, um angesammelte Feuchtigkeit im Motoröl zu reduzieren. Entscheidend ist, dass das Motoröl seine normale Betriebstemperatur erreicht und ausreichend lange warm bleibt. Eine allgemeingültige Mindestfahrzeit gibt es nicht.

Nicht technisch fundiert wirkt dagegen seine Erklärung zum sogenannten »italienischen Tuning« (Italian Tune-up), angelehnt an das Klischee vom rasanten Fahrstil in Italien.

Kilmer zufolge reinigt Benzin bei etwa 100 km/h im Vorbeiströmen die Ventile und Kolbenringe. Das gehört allerdings eher zur Folklore alter Werkstatttage als zu den technischen Fakten.

Wenn ein Motor auf voller Betriebstemperatur läuft, hilft das zwar ungemein – eine gezielte Reinigung oder die Behebung technischer Probleme ersetzt eine solche Fahrt jedoch nicht.

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Auch die Starterbatterie leidet unter ständigen Kurzstrecken

Jeder Anlassvorgang zieht eine Menge Energie aus der Batterie. Stellt ihr den Wagen nach wenigen Minuten wieder ab, gebt ihr der Lichtmaschine nicht genügend Zeit, diesen Ladungsverlust auszugleichen.

Bei längeren Fahrten hat die Lichtmaschine mehr Zeit, die beim Starten verbrauchte Energie wieder nachzuladen. Wie lange das dauert, hängt unter anderem vom Ladezustand, der Batterietemperatur und den eingeschalteten elektrischen Verbrauchern ab. Bei überwiegendem Kurzstreckenbetrieb kann ein externes Ladegerät sinnvoll sein.

Wer überwiegend kurze Strecken im Stadtverkehr bei geringer Motorlast zurücklegt, erreicht gleichzeitig unter Umständen nicht die Abgastemperaturen, die für eine zuverlässige Partikelfilterregeneration erforderlich sind.

Dauerhafter Kurzstreckenbetrieb kann zudem ungünstige Verbrennungsbedingungen und die Bildung bestimmter Ablagerungen begünstigen. Welche Bauteile betroffen sind, hängt von der Motorkonstruktion und weiteren Betriebsbedingungen ab.


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Filterfragen im Detail

Der Partikelfilter reinigt sich bei beiden Motorarten, indem er die aufgefangenen Rußpartikel verbrennt. Das gelingt jedoch nur bei einer sehr heißen Abgasanlage.

Die Abläufe unterscheiden sich aber deutlich: Bei Diesel-Pkw haben sich Partikelfilter mit der Einführung der Euro-5-Abgasnorm ab 2009 beziehungsweise 2011 praktisch flächendeckend durchgesetzt, bei Benzinern ist er vor allem bei Direkteinspritzern verbaut und seit etwa 2018 zunehmend verbreitet.

Beim Diesel:

  • Die passive Regeneration beginnt etwa bei 250 bis 450 Grad Celsius und verbrennt den Ruß langsam und kontinuierlich – das klappt aber nur bei ausreichender Last, im Stadtverkehr werden diese Temperaturen oft nicht erreicht.
  • Reicht das nicht aus, folgt die aktive Regeneration: Dazu erhöht die Motorsteuerung gezielt die Abgastemperatur, bei vielen Dieselmotoren unter anderem durch zusätzliche Kraftstoffeinspritzungen. Der Kraftstoff kann anschließend im Oxidationskatalysator umgesetzt werden und so die Abgastemperatur erhöhen.
  • Das dauert je nach Fahrzeug rund 10 bis 20 Minuten und gelingt am zuverlässigsten bei gleichmäßiger Fahrt mit höherer Last, etwa auf Landstraße oder Autobahn. Wird die Fahrt vorher beendet, bricht der Vorgang ab; passiert das wiederholt, kann unverbrannter Kraftstoff ins Motoröl gelangen und es verdünnen.

Beim Benziner:

  • Ein Ottomotor läuft im Normalbetrieb mit einem Luft-Kraftstoff-Verhältnis, bei dem im Abgas kaum überschüssiger Sauerstoff bleibt.
  • Der Ruß verbrennt deshalb meist nur, wenn der Filter sehr heiß ist (etwa 550 Grad Celsius und mehr) und gleichzeitig Sauerstoff ankommt – zum Beispiel im Schubbetrieb, wenn die Kraftstoffzufuhr kurz unterbrochen ist.
  • Heiß wird die Abgasanlage vor allem bei höherer Last und Geschwindigkeit; die Motorsteuerung kann zusätzlich etwa über den Zündzeitpunkt nachhelfen. Eine Nacheinspritzung wie beim Diesel ist dafür nicht typisch.
  • Weil bei Benzinern deutlich weniger Ruß anfällt, läuft der Filter langsamer voll – gelegentliche Fahrten mit höherer Last tun ihm aber ebenfalls gut.

Doch gleichzeitig gilt, dass ein Partikelfilter nicht zwingend eine Autobahnfahrt braucht: Er kann auch auf längeren Landstraßenetappen regenerieren. Moderne Motorsteuerungen leiten die Regeneration außerdem selbstständig ein, sobald die Bedingungen passen.


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