Die NASA ist überzeugt, dass China dank eines Megaprojektes die Rotation der Erde verlangsamen kann

24 Stunden, ein Tag. Die Erdrotation um ihre eigene Achse scheint in Stein gemeißelt. Doch das ist sie nicht. Die NASA hat berechnet, dass wir die Erde bereits heute eigenhändig abbremsen.

Talsperren wie diese sind eindrucksvolle Bauwerke zur Stromerzeugung für mitunter Millionen Haushalte der jeweiligen Region. Aber sie greifen auch enorm in die Umwelt ein. Bildquelle: Unsplash (Das Titelbild ist ein Symbolbild, es ist nicht der Drei-Schluchten-Staudamm abgebildet) Talsperren wie diese sind eindrucksvolle Bauwerke zur Stromerzeugung für mitunter Millionen Haushalte der jeweiligen Region. Aber sie greifen auch enorm in die Umwelt ein. Bildquelle: Unsplash (Das Titelbild ist ein Symbolbild, es ist nicht der Drei-Schluchten-Staudamm abgebildet)

Es ist eine empfundene Konstante unseres Lebens, der Tag und seine 24 Stunden. Doch die Erdrotation als dessen Grundlage ist nirgendwo festgeschrieben. Sie ist das Ergebnis von Milliarden Jahren alten Entwicklungen und veränderbar. Selbst wir als Menschheit ziehen bereits mit heutiger Technik am Bremshebel.

Schon vor 20 Jahren hat eine Berechnung der NASA gezeigt, dass ein bestimmtes Bauprojekt besonders auffällt: der Drei-Schluchten-Staudamm in China.

Die Erde breitet buchstäblich ihre Arme aus

Jeder Staudamm ist, ehe er elektrischen Strom durch den gesteuerten Durchfluss von Wasser erzeugen kann, vorrangig eines: ein gewaltiges Reservoir. Denn je nach Höhe der Staumauer und vor allem abhängig von der Geografie der Region stauen sich künstliche See unterschiedlicher Volumina in den Gebirgen flussaufwärts vor ihnen auf.

Bei der Drei-Schluchten-Talsperre in China sind das maximal etwa 40 Kubikkilometer. Zum Vergleich: Der Bodensee in Deutschland fasst um die 48 Kubikkilometer (via Amt für Umwelt Thurgau und Der Drei-Schluchten-Damm – ein nachhaltiges Unterfangen?).

Video starten 5:15 NASA-Video aus dem Jahr 2009: Wie der Klimawandel die Ozeane beeinflusst

Das stellt physikalisch gesehen nichts anderes als eine Verlagerung von Masse nach außen dar. Stellt euch einen Eisläufer vor. Wenn er sich dreht und die anfangs ausgestreckten Arme während einer Drehung an den Körper zieht, beschleunigt sich seine Rotation – das funktioniert entsprechend auch entgegengesetzt. Das physikalische Stichwort zum Nachlesen lautet: Drehimpuls-Erhaltung.

Jede Verlegung von Masse weg vom Erdmittelpunkt verlangsamt, mathematisch gesehen, die Rotation und verlängert so den Erdtag. Messen ließen sich laut den Forschern diese Veränderungen aber kaum.

Denn die benötigte Zeit für eine Umdrehung würde selbst bei maximaler Befüllung des Reservoirs in China nur um 0,06 Mikrosekunden abnehmen, schreibt die NASA. Diese maximale Wasserlast wird in der Regel nicht erreicht (via CNN). Ein Tag dauert aktuell 86,4 Milliarden Mikrosekunden.

Erdbeben als Hauptbremse

Die Kräfte im Erdmantel stellen unsere unabsichtlichen Bemühungen hierbei allerdings locker in den Schatten. So verrückte das Erdbeben vor Sumatra Weihnachten 2004 derart gewaltige Massen, dass es laut den Daten der NASA eine Tagesverlängerung von 2,68 Mikrosekunden zur Folge haben müsste.

Das Rekordbeben 2004 war auch der Anstoß für die damalige Berechnung durch die Forscher, denn es ist dem Statistischen Bundesamt zufolge mit seiner 9,1 auf der Richterskala das zwischen 1900 und 2023 drittstärkste gemessene Erdbeben auf der Erde. Es verursachte ferner den tödlichsten jemals direkt beobachteten Tsunami. Er verwüstete weite Teile der Küsten am Indischen Ozean und kostete etwa 230.000 Menschen das Leben (via Welthungerhilfe).

Letztendlich ist es für den Planeten einerlei, wodurch die Massen verschoben werden. Irgendwann in der Zukunft könnte es infolge von Maßnahmen des Menschen sowie unaufhaltsamer Veränderungen durch die Plattentektonik erforderlich werden, eine Schaltsekunde einzulegen. Denn über die Jahrtausende summieren sich die Effekte auf.

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