VW arbeitet an eigenem Betriebssystem für Autos

Mit einer neu eingerichteten Abteilung will Volkswagen ein neues Betriebssystem entwickeln, dass nur für Fahrzeuge ausgelegt ist.

von Manuel Schulz,
16.09.2019 19:45 Uhr

Im Volkswagen ID.3 setzt VW schon auf eine zentralisierte Architektur - das soll in Zukunft durch ein eigenes Betriebssystem für alle VW-Marken und Modelle noch deutlich stärker vereinheitlicht werden.Im Volkswagen ID.3 setzt VW schon auf eine zentralisierte Architektur - das soll in Zukunft durch ein eigenes Betriebssystem für alle VW-Marken und Modelle noch deutlich stärker vereinheitlicht werden.

Moderne Fahrzeuge werden immer komplizierter und haben immer mehr Systeme, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Neben der klassischen Motorsteuerung gibt es Klimaautomatik-Systeme, Sicherheitsassistenten, Navigation und vieles mehr.

Jede neue Funktion benötigt wieder neuen Code und wahrscheinlich ein Modul, das auch wieder irgendwo verbaut werden muss. Ein Neuwagen besteht damit teilweise aus bis zu 70 verschiedenen Modulen mit Software von bis zu 200 verschiedenen Herstellern.

Um diese Systeme in Zukunft möglichst zu vereinheitlichen, will die Volkswagen-Gruppe (Volkswagen, Audi und Porsche) nun ein einheitliches Betriebssystem für Fahrzeuge selbst entwickeln.

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Dabei hat Ferdinand Piëch, ehemals Chef der Volkswagengruppe, gerade die Trennung der Entwicklungen bei Audi, Porsche und Volkswagen gefördert, weil er über interne Konkurrenz das Produkt verbessern wollte.

Christian Senger, Verantwortlicher der Digital Car und Services-Abteilung der VW Gruppe erklärt aber:

"Die Software ist heutzutage aber extrem komplex. Jede Funktion ist überall mit verbunden und es gibt zu viele Projekte, die enorme Probleme damit haben."

Für die Fahrzeuge der VW-Gruppe seien aktuell acht verschiedene elektronische Architekturen notwendig. Allerdings führt Senger mit dem Beispiel Android an, dass es völlig unnötig ist, verschiedene Software zu haben, da Android auf 60-Euro-Handys ebenso laufe wie auf 1.000-Euro- Smartphones.

Daher wähle die VW Gruppe jetzt einen ähnlichen Software-Ansatz und will in Zukunft ein einziges Betriebssystem vom VW Polo bis zum Audi R8 nutzen. Die Fahrzeuge sollen aber trotzdem noch bestehende Infotainment Betriebssysteme wie Android, Automotive Grade Linux oder QNX unterstützen.

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Die komplexen Systeme haben über die Zeit für einige seltsame Abhängigkeiten und Probleme gesorgt: So starten einige Fahrzeuge nicht mehr, wenn das GPS der Navigation nicht mehr funktioniert - weil das GPS die Zeit im Fahrzeug verwaltet, ohne die der Antrieb nicht funktioniert.

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Das einheitliche Betriebssystem soll solchen Fehlern ein Ende setzen. Dabei soll den Fahrern der verschiedenen Autos nicht einmal auffallen, da das Design sämtlicher Elemente nach wie vor von den Marken selbst kommt - nur der Kern der Software soll identisch sein.

VW setzt für Infotainment auf Android

Gleichzeitig kündigte Senger an, dass die VW Gruppe in Zukunft auf Infotainment-Systeme mit Android setzen wird. Allerdings nicht das komplette Paket, denn sonst würde Google Zugriff auf alle Sensor-Daten bekommen.

Dennoch sei das Android-Paket gegenüber dem Linux-Paket deutlich im Vorteil, was die Entscheidung bei der Wahl des Infotainment-Betriebssystems ausgelöst habe.

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Bis man jedoch von der neuen Software-Strategie der VW-Gruppe etwas merkt, wird noch eine Weile vergehen. Erst bis 2025 soll die neue Organisation, die für die Entwicklung des Betriebssystems zuständig sein wird, erst vollständig aufgebaut sein.

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Trotzdem sollen erste Ergebnisse schon in die kommenden Fahrzeug-Architekturen einfließen, sodass diese nicht mehr 70 verschiedene Module haben, wie es aktuell noch der Fall sein kann.


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