Das Streben nach Schönheit in NieR: Automata

Von swagkultur · 31. Mai 2019 ·
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  1. In NieR: Automata befindet man sich auf einer von Menschen verlassenen post-apokalyptischen Erde. Den letzten Anschein einer Zivilisation bilden die übrig gebliebenen Maschinen, sowie einige Androiden, welche einst von und für den Menschen erbaut wurden, um jenen zu dienen und auch in ihrem Aussehen jenen nachempfunden sind. Während die Androiden so etwas wie einem eigenen Bewusstsein ziemlich nahe kommen, scheinen die Maschinen einfacher gestrickt zu sein. Androiden und Maschinen sind sich feindlich gesinnt. Jedoch versuchen die Maschinen das Verhalten der Menschen zu kopieren, was in irgendeiner Form auch von einem eigenen Bewusstsein zeugt? So kommt es neben den zerstörerischen und schießwütigen Maschinen auch zu freundlich gesinnten Ausnahmen, und das scheinbar eindimensionale Verhalten der Maschinen erhält plötzlich eine unvorhergesehene Vielschichtigkeit. Ist den Maschinen der Versuch des Imitierens der Menschen wirklich so gut gelungen? Ist das noch ein „eigenes“ Bewusstsein, wenn es doch nur imitiert ist? Gibt es überhaupt ein „eigenes“ Bewusstsein oder wird nicht jeder in seinem Denken vom unmittelbaren Umfeld beeinflusst? Sind wir Menschen letztlich auch nur wie die Maschinen in NieR, die das Verhalten anderer imitieren? Ahh! Wie auch immer, in NieR versuchen Maschinen also menschliche Eigenschaften an sich zu eignen, am Beispiel von Simone lässt sich dies gut veranschaulichen.
    Simone liefert einen spielerisch ziemlich imposanten Bosskampf, keine Frage. Mit dem Opernsaal ein starkes und passendes Setting, wechselnde Perspektiven und Gameplay-Genres. Der Kampf mag den ein oder anderen überfordern, für alteingesessene Spieler bietet diese Sektion eine willkommene Abwechslung. Davon jedoch mal abgesehen bietet der Kampf auch kleinere Einsichten in die Psyche der angriffslustigen Opernsängerin. So erwähnt sie immer wieder ihren Drang nach Schönheit und ein kryptisches nur Silhouetten zeigendes Bild könnte einiges über ihre Persona offenbaren. „ICH MUSS WUNDERSCHÖN SEIN!“ Aber warum? Oder vielmehr, für wen?

    Irgendwann begann Simone ihr Sein. Womöglich begann für sie wie für alle anderen das „Leben“ als gewöhnliche kleine Maschine, welche irgendeinem rudimentären Zweck zu dienen hatte. Als dieser Zweck jedoch verworfen und die Menschheit verloren war, mussten die Maschinen nach einem neuen Zweck suchen. Nach dem Zweck des Lebens. Den Sinn hinter allem. Einige Maschinen begannen die Menschen zu imitieren. Eine dieser Maschinen war Jean-Paul, er setzte sich einen Hut auf und gab sich einen Namen, einen Namen nach dem Vorbild, welches er zu imitieren begann: Jean-Paul Sartre. Ein einstiger menschlicher Philosoph. Auf der anderen Seite haben wir eine weitere kleine Maschine, welche noch von reiner Unschuld gezeichnet ist, durch den Einfluss ihres Umfelds jedoch zum Wahnsinn, sogar zum Kannibalismus getrieben wird. Das Umfeld ist in diesem Fall ein Opernhaus in einem Freizeitpark und jene Maschine, welche sich nun Jean-Paul nennt. Die kleine Maschine beginnt die Rolle der Opernsängerin einzunehmen. Einer Opernsängerin die wunderschön zu sein hat. Sie will ihrem menschlichen Vorbild gleichkommen, denn Schönheit ist begehrenswert. Schönheit führt zu Liebe. Einer Liebe, nach einer gewissen Maschine mit Hut, welche sie zu begehren beginnt. Um dessen Aufmerksamkeit zu erhalten, gedenkt sie wunderschön zu werden und gibt sich den Namen Simone. Simone de Beauvoir, eine Liebschaft des Philosophen Jean-Paul Sartres und ebenfalls bekannte Philosophin.

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    Nun beginnt das Trauerspiel innerhalb des Spiels. Man betritt als die Androiden 2B und 9S einen von freundlichen Maschinen besetzten Vergnügungspark, fängt aber schon bald an hinter die glückliche Fassade des Parks zu blicken. Man betritt das Opernhaus, die Vorhänge öffnen sich und die furchtsame Gestalt der Simone offenbart sich dahinter. Ihre Intention: uns essen. Wir geraten mitten in ihr Vorhaben, sich für Jean-Paul aufzureizen. Wir als Androide stellen für Simone das optimale Abbild ihres menschlichen Vorbilds dar. Um unsere „Schönheit“ zu erhalten, sieht sie als einzigen Ausweg, den Kannibalismus. Das Fressen der eigenen Art. Ihr Verlangen nach Schönheit endet natürlich an dieser Stelle, es sei denn die ein oder andere spielerische Unvermögenheit scheitert an diesem Bosskampf, aber das entspräche nicht der Storyline. 2B und 9S setzen sich erfolgreicher als ihre Vorgänger zur Wehr und setzen dem Dasein von Simone hier ein Ende.

    Die Maschinen in NieR sind lediglich die Produkte ihrer Umwelt. Die Opfer ihrer Umwelt. So auch Simone. Das Treffen mit Jean-Paul verdrehte ihr sämtliche ihren Kopf zusammenhaltende Schrauben. Ihre Schönheitsbesessenheit war geboren, was sie und ihre Umgebenden letztlich in einen nicht endenden Strudel aus Leid und Schmerz führte. Das Scheitern, die Erkenntnis, niemals in vollem Umfang, die absolute Identitätsgleichheit zu dem Menschen zu erreichen, den sie so zwanghaft versucht zu imitieren, treibt sie in den Wahn. Oder war es vielmehr das menschliche Vorbild selbst, welches bereits unter dem Wahn litt, unter dem Druck der Schönheit? In jedem Fall eine traurige Existenz, welche dem von außen sowie dem selbst auferlegten Druck unterlag. Allerdings ist es auch genau dieses Streben nach Schönheit, was sie letztlich menschlich macht.
    gesuntight und Synchro gefällt das.

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