Leben als "Gaymer"

Von Abubakur · 20. Mai 2016 · Aktualisiert am 23. Mai 2016 ·
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  1. Mein Name ist Gordon, bin 31 Jahre alt, arbeite als Physiotherapeut und Fitnesstrainer und bin Gaymer.

    Soweit, so gut, werden sich jetzt einige denken und die ersten werden wahrscheinlich mit den Augen rollen. Einige fragen sich, was das jetzt wird. Eine Intervention? Schwulenrevolution?

    Ganz so extrem würde ich es jetzt nicht ausdrücken, es soll mehr darum gehen, wie man sich als Randgruppe (ja, wir Zocker sind es immer noch, auch wenn wir es nicht wirklich wahr haben wollen) fühlt und warum es so wichtig ist, zu wissen, warum ein Game homosexuelle Inhalte hat.




    » User-Artikel der Woche: Wir belohnen Community-Autoren



    Erste Schritte als Zocker

    Machen wir einen Sprung einige Jahrzehnte zurück. Ich kann gar nicht genau sagen, wann meine „Zockerkarriere“ angefangen hat aber es begann mit einem Commodore 64. Meine Lieblingsspiele waren Impossible Mision, Bubble Bobble und Maniac Mansion...auch wenn ich für letzteres zu jung war, um es wirklich „spielen“ zu können ...und Adventures liegen mir leider gar nicht.

    Im Laufe der Jahre entwickelte sich auch das Interesse für einzelne Genres.

    Simulationen wie z.B. Age of Empires, SimCity oder die Siedler 2 forderten einen geistig heraus, Action-Games wie Unreal Tournament trainierten die Reaktion mit der Maus und Geschick lernte man mit Action-Adventures wie Tomb Raider oder später Heavy Metal F.A.K.K².

    Gerade Lara Croft hat mich in der Pubertät sehr geprägt. Es war nicht nur eine „Revolution“ in der Game-Szene, ein weiblicher Action-Held, sondern auch eine beginnende Identifikation. Zur der Zeit stellte sie eine Randgruppe dar, die so bisher in Spielen nicht zu sehen gewesen ist und war dennoch äußerst erfolgreich und populär.

    Über einen homosexuellen Helden bzw. Inhalt habe ich da aber noch nicht wirklich nachgedacht, da war ich mir meiner Neigung selbst noch nicht zu hundert Prozent bewusst (meine Eltern wussten es allerdings schon, als ich 3 war...)




    Die Sims



    Als 2000 „Die Sims“ für den PC erschien, keimte meine erste Sucht. Noch bevor das Spiel auf den Markt kam, erstellte ich bereits Häuser auf Papier, zeichnete wie wild Grundrisse und lass immer wieder den Artikel in meiner Games-Zeitschrift (die Ausgabe habe ich immer noch).

    Die ersten Versuche mit Sims scheiterten, denn Sims glücklich zu machen, war gar nicht so einfach. Als man dann endlich den Dreh raus hatte, konnte es richtig losgehen. Dabei habe ich auch hier noch nicht mit einem männlichen Pärchen gespielt. Meist emanzipierte Frauen (Danke Lara).

    Als ich das erste Mal als männlicher Sim mit einem Mann geflirtet habe, war ich ganz entzückt. Es war schön zu sehen, dass es möglich war und noch viel angenehmer, wie andere Sims darauf reagierten. Nämlich gar nicht!

    Flirten neben dem Grill? Egal, ist die Wurst angebrannt? Kuscheln im Wirlpool, gegenüber von anderen Sims? Wayne, danach wurde man gleich wieder ins Gespräch integriert. Beim Knutschen in aller Öffentlichkeit störte sich später nur Madame Knatuschgesicht...die hat aber auch alle anderen, liebestrunkenen Sims vermöbelt.

    Man war wie jeder andere auch, gehörte dazu und musste sich nicht schämen (zu dem Zeitpunkt war ich 15 und noch nicht geoutet).


    Heute weiß man, dass es ein Versehen der Programmierer war. Egal ;)



    Bioware ist schuld!


    Nachdem ich mir meiner selbst bewusst geworden war, wurde das Leben mehr oder weniger einfacher. Dabei stieg der Wunsch nach schwulen Inhalt in Games immer noch nicht.

    1. Man hatte ja die Sims, wo man leben konnte, wie man wollte.

    2. habe ich damals nicht die Relevanz gesehen. Die Spiele waren gut und wirkliche Beziehungen kamen unter den Figuren eher weniger vor und waren häufig mäßig umgesetzt, so das eher ein Gefühl von peinlicher Berührtheit aufkam.

    Rollenspiele habe ich erst spät für mich entdeckt. Zwar bin ich ein leidenschaftlicher Pen & Paper-Nerd, aber die Spiele wollten sich mir nie erschließen. Zudem habe ich damals meiner Schwester, die Baldur's Gate spielte, über die Schulter geschaut und dachte nur: „Herrje, passiert da auch mal was oder latscht die jetzt nur ewig durch die Karten und muss die CD's ständig wechseln?“

    Irgendwann empfahl man mir Dragon Age: Origins. Angepriesen als eines der bestes RPGs aller Zeiten. Und sie hatten Recht! Nicht nur, dass es spielerisch großartig gewesen ist, es hatte noch eine fantastische Story mit fabelhaften Charakteren und grandiosen Dialogen. Und Beziehungen waren möglich.


    Dann kam Zevran. Ich dachte nur, ja wenn ich als Gaylord-Mage eine Beziehung eingehen kann, dann wahrscheinlich mit dem Elfen. Es ging! Natürlich war es der Elf...was auch sonst. Aber es war möglich. Ich bin doch einigermaßen überrascht gewesen.

    Allerdings war man mittlerweile auch etwas kritischer. „Klar, der bisexuelle Elf...fällt denen nichts originelles ein.“ Egal. Ich konnte spielen wie ich wollte und mich deutlich mehr mit der Figur identifizieren.


    Auch ich freute mich wie ein Keks auf Dragon Age 2 und wurde auch wie die meisten enttäuscht. Zu wenig Location-Wechsel, zu action-lastiges Spielen, wenige Eingriffsmöglichkeiten in die Handlung. Doch die Charakterzeichnung war deutlich besser. Auch die Dialoge ausgefeilter.

    Es war im Vorfeld auch klar, dass es wieder möglich sei, gleichgeschlechtliche Beziehungen einzugehen. Hier gab es schon erste kritische Stimmen. „Was hat das in einem Game zu suchen? Bloß nicht! Ich will nicht, dass mich eine Figur anschwult.“ Bitte? In welchem Zeitalter leben wir denn?

    Wie kann man sich von einem Spiel so in seiner eigenen Sexualität verunsichern lassen?

    Ich war nicht nur wütend über diese Engstirnigkeit, sondern auch verletzt und erschrocken, wie weit wir davon entfernt sind, eine wirklich tolerante Gesellschaft zu sein. Gerade Randgruppen sollten sich doch untereinander stützen (viele Gamer hatten auch nicht die beste Schulzeit).




    Mass Effect Syndrom und die Wut steigt.


    Ich fing erst nach Dragon Age 2 an Mass Effect zu spielen. Also MaleShep erstellt und los. Da ich las, wie stark emotional das Spiel war, wollte ich natürlich auch eine Beziehung eingehen. Mit Kaidan. Oh, wie, das geht nicht? Schade, dann eben nicht.

    Ich las später, dass es nur als FemShep möglich sei, mit Liara in die Kiste zu steigen.

    Klar, die Fanboys bekommen ihre Lesben-Action, war mein Gedanke. Das Spiel ist dennoch toll und in diesem Universum auch in Ordnung.

    Der zweite Teil der Serie war sogar noch besser. So gut, dass es mir auch egal war, dass ich keinen GayShep spielen konnte. Kein Kaidan für mich. Kein Aufreger, bis ich feststellte, dass Kelly Chambers auch mit einer Frau ins Bett hüpft. Nun rollte ich die Augen.

    Ich wurde zwar ein wenig aufbrausend aber das Spiel war dennoch top.

    Mit den News zu Mass Effect 3 wurde auch sehr schnell bekannt, dass männliche Sheps auch endlich einen Kerl daten können. JUHU! Ich hoffte auf James Vega, dochdas war vergebene Liebesmüh. Dafür durfte ich endlich Kaidan in den Armen halten.

    Es kamen dieselben Kommentare, wie damals bei Dragon Age 2. „Hat sich die Welt denn gar nicht weiter entwickelt?“ dachte ich. Was für ein Aufriss da durch die Community ging.

    Wieder einmal war ich verletzt, enttäuscht und kam mir vor wie in der Pubertät, als ich mir nicht sicher war, wo ich hingehöre.

    Die Aussage, dass es ja nur eine Option sei und man es ignorieren könne, wirkte auch eher wie ein Schlag ins Gesicht. „Ihr könnt die Schwulen ignorieren“. Tolles Statement. Alles was einem nicht passt, ignorieren. Funktioniert immer gut, siehe DDR.

    Deswegen fand ich es schön, dass Cortez ein rein homosexueller Charakter ist. Mit einer wirklich rührenden Geschichte. Und wer in Mass Effect viel quatscht, muss sich dem auch stellen. Ignorieren kann man ihn eben nicht, da er uns immer zu den Missionen fliegt.

    Gut, Traynor ist auch nur für weibliche Sheps und ständig anwesend, aber das zählt nicht, da es eben Heten-Männerfantasie ist. Sie hat dafür den besten Lachkrampf im Citadel-DLC verursacht. Weltklasse!




    Möge der Kreis sich weiter drehen.

    Da man festgestellt hat, dass keiner durch Mass Effect, Dragon Age oder Fallout New Vegas schwul geworden ist und die Spiele auch gut waren, verstummten die Anti-Kommentare wieder.

    Bis eine neues Game mit diesen Möglichkeiten erscheint. Es gehört zum alltäglichen Leben und hat nichts mit Aufdrängen zu tun, was von vielen immer als Argument genommen wird. Auch immer beliebt die Aussagen: „Nur weil es jetzt Mainstream ist“, „Muss es denn jetzt immer dabei sein?“, “Das passt nicht in die Geschichte“.


    Bei solche Kommentaren reibe ich mir nur die Augen, schütteln den Kopf und denke mir nur, dass kann ja wohl nicht wahr sein. Jüngst wieder bei den User-Reaktionen zum Thema Star Wars Episode 8 und homosexuelle Charaktere.

    Wäre Poe Dameron den weniger cool, nur weil er lieber Männer küsst? (und wer Mimik deuten kann, weiß ganz genau, dass Poe auf Fin steht). Er bleibt doch immer noch der selbe Arschtreter-Pilot und es schmälert seine Flugkünste nicht im geringsten.

    Warum kann nicht auch ein Nathan Drake, Max Payne oder Chris Redfield schwul sein? Weil der dann nicht männlich ist? Kann er keine Rache nehmen oder Zombies den Kopf abreißen?

    Es ist immer noch schwer genug - auch in der heutigen Gesellschaft - als homosexueller Jugendlicher aufzuwachsen, da wären ein Paar heroische Identifikationsfiguren nicht schlecht. Zumal diese auch die Akzeptanz weiter voran führen würden. Gerade durch solch ein Massenmedium.

    Es geht nicht darum, dass jetzt jeder männlicher Computerspiele-Held die Möglichkeit bieten soll, mit einem anderen männlichen Begleiter zu flirten. Ich möchte auch nicht herüberkommen, wie eine Alice-Schwarzer-Feministin, die jetzt in jedem Spiel solche Inhalte verlangt. Aber dass es überhaupt in Spielen passiert, wäre was.

    Im RPG-Sektor ist es ja mittlerweile gang und gäbe (Mass Effect, Dragon Age, Fallout, Skyrim, Fable, SWTOR, Final Fantasy: A Realm Reborn) aber in allen anderen Bereichen kaum bis gar nicht vorhanden.

    Für mich ist es schon ein Pluspunkt, wenn eine schwule Figur existiert. Zu einem, weil es einen Charakter gibt, mit der man sich besser identifizieren kann (was bei Spielen wichtig ist) und zum anderen zeigt es mir, dass die Entwickler nicht die Augen davor verschließen und so tun, als würde es nicht existieren.


    Wie sprechen auch hier nicht von einem kleinen Teil der Spieler. Studien haben ergeben, dass ¼ aller Gamer homosexuell sind.

    Besonders Japan, Land des Fan-Services, reagiert darauf. Zum Beispiel bekam Chris Redfield in Resident Evil 5 und Revelations ziemlich knappe, alternative Kleidung und im 6. Ableger der Reihe einen männlichen Begleiter, der auch mehr für Chris empfinden zu schien, als nur sein Captain zu sein.

    Im aktuellen Streetfighter bekommt Ryo 'nen Hipsterbart und kann mit den Moves anderer Charaktere eingestellt werden, wo er sich auf den Allerwertesten haut und einen Regenbogen verschießt.

    Man muss einfach davon abkommen, dass schwul/lesbisch eine Charakteristik ist. Das sollten aber auch einige Game-Redakteure lernen, denn Aussagen wie „Der schwule Magier Dorian“, sind einfach nicht förderlich und peinlich. Es wurde ja auch nicht geschrieben, „Die lesbische Elfin Sera“ oder „Die schwarze Hofzauberin Vivienne.“


    Viele in der Gamercommunity müssen noch lernen, doch es ist schön zu sehen, dass die meisten tolerant sind und sich auch für andere einsetzen (Userreaktion Artikel Star War Ep. 8).

    Es wäre einfach schön, wenn ein männlicher Held in einem Action-Game, nachdem er alle Feinde besiegt, Explosionen überlebt und Magazine verballert hat, nach Hause kommt, aus dem Kühlschrank zwei Bier holt, sich ins Wohnzimmer neben einen Mann auf die Couch setzt, den Arm um ihn legt und sie beide gemeinsam angelehnt ein Bier zischen.



    Vielen Dank!

Kommentare

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  1. mootality
    Du solltest dir DRINGEND noch einmal Baldurs Gate II geben. Dragon Age ist weit davon entfernt das beste Rollenspiel aller Zeiten zu sein. :P

    Und zum Thema, ich mag Spiele in denen jeder "seinen" Charakter erstellen kann und mit ihm ebenso viele Möglichkeiten wie jeder anderen Kreation offen stehen. Das fängt bei der Hautfarbe an, geht über Geschlecht und endet bei manch einem Titel auch bei der Sexualität. Das sollte heutzutage Standard sein um sich eben mit der Figur - sofern sie nicht bereits durch eine enge Rahmenhandlung (GTA San Andreas, The Witcher, Tomb Raider) festgelegt ist - zu identifizieren.

    Allerdings gibt es derzeit auch manch ein Stück Software, welches versucht mit extrem billigen Methoden auf soziale Probleme zu zeigen und damit es auch ja niemand übersieht wird es oft auch noch Plump erzählt. (Dragonspear)

    Denke aber die Softwareindsutrie ist insgesamt wie auch die Filmindustrie auf einem sehr guten Wege, wenn ich allein die homosexuellen Charaktere der letzten 6 Serien zusammenzähle, welche ich sah.

    PS: Die Studienquelle hätt ich gern. :P
    PPS: "Gaymer" ist genauso schlimm wie "Gamer Girl" oder sonstiger Nonsense. Wir alle teilen das gleiche Hobby, da muss man sich nicht von vornherein ausgrenzen. Schlicht "Gamer" reicht für die Zukunft, wenn es nicht gerade ein Blog ist. ;)
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  2. Lars-G90
    Aber genau darum geht es doch: dass die Charaktere nicht erzwungen sein sollen. Ein homosexueller Charakter muss nicht "reinpassen", denn seine Homosexualität ist nichts, was ihn charakterlich automatisch ändert. Man nehme irgendeinen Charakter, lasse ihn jemanden vom gleichen Geschlecht küssen, und plötzlich "passt er nicht mehr rein" in das Spiel?
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  3. Vainamoinen
    Da sprichst du einen sehr wichtigen Punkt im Fazit an, Abubakur. Wir können homosexuelle Charaktere nicht als Normalität ansehen, wenn die Homosexualität von Journalisten, Spielern oder Entwicklern stets zu einer völlig charakterdefinierenden Eigenschaft hochstilisiert wird.

    Das ist auch nichts anderes als ein angepasstes Schlumpfine-Prinzip. Während sich heterosexuelle Charaktere durch Talente, Fähigkeiten oder persönliche Eigenschaften besonders hervorheben dürfen, stehen schwule Charaktere nur durch ihre Schwulheit im Vordergrund.

    Und gerade BioWare hat große Schwierigkeiten damit, das zu begreifen. Meiner Ansicht nach steht hinter ihrer angeblich weltoffenen Einstellung nur das Marketing von Electronic Arts. An dessen Rhetorik sich ohne Zweifel auch viele Spielemagazine, deutsch wie international, bedienen.
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  4. Jasper
    Sehr nett geschriebener Text, danke dafür!
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  5. Faker
    "Es wäre einfach schön, wenn ein männlicher Held in einem Action-Game, nachdem er alle Feinde besiegt, Explosionen überlebt und Magazine verballert hat, nach Hause kommt, aus dem Kühlschrank zwei Bier holt, sich ins Wohnzimmer neben einen Mann auf die Couch setzt, den Arm um ihn legt und sie beide gemeinsam angelehnt ein Bier zischen."

    Nein, das wäre nicht schön. Damit würde man nur einer Minderheit catern, welche absolut keine Relevanz in der Gesellschaft hat. Gerade mal 0,6 Prozent der Deutschen sind schwul oder lesbisch. Ich sehe daher keinen Sinn den Hauptprotagonisten homosexuell sein zu lassen wenn es keine Relevanz in der Geschichte/Erzählung hat.
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  6. fabi0709
    Ein sehr interessanter und gut geschriebener Artikel mit einer Betrachtungsweise, die mir noch nie in den Sinn gekommen ist!

    Die von dir aufgezählten Beispiele von homosexuellen Charakteren in Videospielen sind mir persönlich WEDER positiv NOCH negativ aufgefallen. Sie sind mir schlichtweg gar nicht "aufgefallen".

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, sollte das genau das Ziel sein, wohin sich unsere Gesellschaft entwickeln sollte. Dass Homosexualität, genauso wie Heterosexualität, nichts Außergewöhnliches ist und zu unserer heutigen toleranten Gesellschaft dazugehört.

    Vielen Dank nochmals für deine Perspektive dieser Dinge, finde so etwas immer äußerst interessant zu lesen!

    PS: Die Studie mit den 25% Homosexuellen unter Gamern erscheint mir allerdings ein wenig zu hoch gegriffen. Würde mich sehr für die Quelle interessieren. :)
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  7. Nick2000
    Wenn ich einer kurzen google-Suche Glauben schenken darf, bewegt sich der Anteil homosexuller Menschen an der Weltbevölkerung irgendwo zwischen 3 und 10 %. Da würde mich schon interessieren, warum der Anteil in der Spielerschaft so viel höher liegen soll. Glaub ich jedenfalls ohne Quellen nicht ;-)

    Unabhängig davon erstmal vielen Dank für deinen Blog. Deine teils sehr persönlich geschilderte Sichtweise ist für mich sehr interessant.

    Ich selbst bin zwiegespalten. Ich versuche ernsthaft im privaten Umfeld gegen Vorurteile anzudiskutieren, wenn mir denn mal solche begegnen, weil ich rein vom gesunden Menschenverstand auch nur mit dem Kopf schütteln kann, wenn Schwule als unmännlich bezeichnet oder sonst wie beleidigt und stigmatisiert werden. Alle sind gleich, egal wie sie sexuell orientiert sind. Und gleichzeitig war die "Anmache" durch Zevren bei DA:O unangenehm für mich. Das wollte ich einfach nicht und Zevren hatte danach für mich einen (zunächst unterbewussten) Makel. Ähnlich geht es mir bei vielen der angesprochen Spiele. Außerdem habe ich immer das Gefühl, dass mir das Spiel etwas aufzwängen bzw. mich belehren will (was ja scheinbar auch zum Teil berechtigt ist). Soweit bin ich (sind wir) dann wohl doch noch nicht und es wird bestimmt auch noch lange dauern, bis die völlige Akzeptanz erreicht wird.

    Ich würde nicht so weit gehen, schwule oder lesbische Charaktere aus Spielen zu verbannen. Im Rahmen des gesellschaftlichen Diskurses gibt es da schon eine Daseinsberechtigung. Aber gefallen muss es mir auch nicht. Das krieg ich als 40-jähriger, der in einer (bis auf Carsten aus der Lindenstraße) komplett heteresexuellen Welt aufgewachsen ist, nicht mehr in mein Unterbewußtsein getrichtert.
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  8. Ryder755
    Erstmal 1/4 aller Gamer sind also homosexuell... da will ich mal bitte deine Studie sehen, denn so wie ich es gehört habt sind es ca 3%, aber das soll gar nicht der Hauptappell meines Kommentars sein.
    Zwar gebe ich dir in dem Punkt: Das es falsch ist Spiele zu demonisieren wenn es die Möglichkeit gibt eine homosexuelle Beziehung zu führen. Jedoch muss dieses Belehrungs gehabe immer sein mit: Es ist falsch es zu ignorieren, man muss es aufgezwungen bekommen und dann gutheißen. Tut mir leid, aber wie stellst du dir das vor soll das funktionieren? Das ist genauso, wie wenn man jemanden dazu zwingt sich mit Homophoben auseinanderzusetzen und dies gutheißen muss.
    Aber die viel größere Frage ist soll nun jeder, der in Gamingdeutschland eine Minderheit ist nun so einen Artikel schreiben wie sehr sie doch von heterosexuellen weißen Männern unterdrückt werden? Soll jede Frau einen Artikel darüber schreiben wie Sexistisch es ist dass weiblich Hauptcharaktere in der Unterzahl sind?, soll jeder Farbige sich darüber aufregen, dass die Mehrheit der Protagonisten Weiß sind?, oder soll gar jeder Rollstuhlfahrer sich über die Seltenheit eines Rollstuhlfahrers in Videospielen aufregen?
    Meine Ansicht dazu ist ein eindeutiges Nein.Wieso? Weil diese Artikel nichts weiter als Wichtigtuerei und ein plumper Schrei nach Aufmerksamkeit ist. Wann versteht ihr es endlich ihr seit Gamer und keine "Gaymer", "Gamergirls" oder sonstiger Nonsense. Ihr seit nur weil ihr keine heterosexuellen Männer seit nicht interessanter oder wichtiger als jeder andere.

    Und der Hate, den dieser Kommentar Offensichtlich bekommen wird bestätigt nur, dass du falsch liegst mit deiner Aussage wie engstirnig, unsere moderne Gesellschaft doch ist.
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  9. Terranigma
    In 99% aller Fälle hat die Sexualität des Protagonisten keine Relevanz im Rahmen der Erzählung. Oder anders gefragt, welche Relevanz hätte es, wenn die Szene wie folgt aussehen würde:

    "Es wäre einfach schön, wenn ein männlicher Held in einem Action-Game, nachdem er alle Feinde besiegt, Explosionen überlebt und Magazine verballert hat, nach Hause kommt, aus dem Kühlschrank zwei Bier holt, sich ins Wohnzimmer neben eine Frau auf die Couch setzt, den Arm um sie legt und sie beide gemeinsam angelehnt ein Bier zischen."

    Das Problem ist doch genau das, dass du eine Begründung erwartest, weshalb ein Charakter in einer Erzählung nicht-heterosexuell ist, während niemand auf die Idee käme zu fragen, welche Rolle die Heterosexualität eines Charakters für die Erzählung hat. Eben gar keine. Die Sexualität eines Charakters spielt (fast) nie eine Rolle und 99,9% aller Erzählungen würden mit den Kombinationen Mann/Mann, Frau/Frau, Mann/Frau genauso funktionieren.


    Allerdings kann ich mit dem Label "Gaymer" selber auch wenig anfangen. Es suggeriert, dass homosexuelle Videospieler eine eigene Art von Videospielern wären. Ich sehe allerdings nicht, inwiefern Homosexuelle nun Videospiele anders spielen würden als Heterosexuelle oder Asexuelle oder Bisexuelle oder Intrasexuelle, oder, oder, oder.
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  10. VIIC
    ...Lass mich raten, du bist ein weißer heterosexueller Mann der NICHT schwerbehindert ist, liege ich da richtig? ;)
    Es ist immer wieder traurig zu erleben wie wenig Verständnis Menschen, die keiner Minderheit angehören, für jene aufbringen bei denen dies der Fall ist.
    Als Mehrfachdiskriminierter kann ich dir sagen dass das "Alltagsleben", indem Hautfarbe und sexuelle Orientierung ja angeblich völlig egal sind, stärker von Homophobie und Rassismus geprägt ist als du es dir wahrscheinlich auch nur im Entferntesten ausmachen kannst. Natürlich kann ich deine Sicht nachvollziehen, da ich mir vorstellen kann wie schwierig es ist solche Probleme als Nichtbetroffener wahrzunehmen (Ich persönlich habe noch nie Sexismus erfahren, da ich ein Mann bin- mir ist aber durchaus klar welche psychischen und sozialen Probleme eine derartige Diskriminierung für Frauen bedeutet, da ich selber schon Opfer von anderem menschenverachtendem Verhalten geworden bin).
    Dieser "plumpe Schrei nach Aufmerksamkeit" ist also umso wichtiger um in unserer Gesellschaft Akzeptanz und wenigstens einen Hauch von Gleichberechtigung zu erfahren- denn Gleichgültichkeit dem Gegenüber führt zum genauen Gegenteil.
    Letztendlich sollen Charaktere die Minderheiten angehören nicht uns bereits diskriminierten das Spiel schmackhaft machen (wir tolerieren für gewöhnlich sowieso Menschen die "anders" sind als wir- weiß, heterosexuell, etc), sondern GERADE Menschen ansprechen, die nicht Teil einer Minderheit sind- um so wenigstens ein bisschen Verständnis dafür zu entwickeln, was es bedeutet, diskriminiert zu werden.
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