Review: TT Isle of Man

Von Roadwarrior · 4. Januar 2020 ·
Review zum "TT - Isle of Man"-Motorrad-Rennspiels von 2018
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  1. Faster...

    Das Mekka aller Motorradfahrer befindet sich auf einer kleinen Insel, gelegen zwischen England und Irland. Sie ist britisches Krongebiet, ist aber weder Teil Großbritanniens noch der EU. Auf diesem wunderschönen Eiland findet jährlich das härteste und gefährlichste Motorrad-Straßenrennen der Welt statt: die Tourist Trophy.

    Biker auf der ganzen Welt träumen davon, das Rennen zu sehen oder sogar selbst daran teilzunehmen. Fast jährlich sind schwer verletzte Fahrer oder sogar Tote zu beklagen - der Faszination für die Veranstaltung tut das keinerlei Abbruch.
    Das Besondere an diesem Straßenrennen ist, dass es mehr oder weniger einmal quer um die Insel führt, tatsächlich auf den "normalen" Straßen auf denen sonst sie Bürger fahren. Die Strecke ist minimal bis gar nicht gesichert...und die Fahrer sind mit teilweise über 300 km/h zwischen den Häusern unterwegs.


    Für einen Eindruck des Rennens ist dieses Video sehr gut - es gibt auch diverse Videos von Stürzen und Unfällen

    Endlich...ein Spiel zum Biker-Traum

    Zumindest die Biker unter den Zockern dürften sich insgeheim immer wieder gewünscht haben, dass endlich eine Umsetzung dieses Events seinen Weg auf PC und Konsolen findet. Anfang 2018 war es dann soweit, das Spiel wurde auf den Markt geworfen. Und wie erwartet ist es kein Game für "Jedermann".

    Einem derart schweren, unkalkulierbaren Rennen wird man nicht gerecht, in dem man eine leicht zugängliche Arcade-Raserei bastelt. Von allen Motorrad-Rennspielen die ich kenne ist dieses das mit Abstand schwierigste Exemplar.

    Spiele werden beurteilt nach ihrem Gameplay, ihrem Umfang, einer passenden Lernkurve und natürlich auch der Technik, die das Ganze trägt. Ich werde versuchen, auf all diese Punkte angemessen einzugehen - ich sage aber gleich dazu, dass das in diesem Fall nicht ganz so einfach ist.

    Technisch nicht zu bemängeln...

    Optisch kann man sich nicht beklagen. Die Inselstrecke ist klasse getroffen und wirklich sehr gut umgesetzt. Als "realer" Besucher der Tourist Trophy hatte ich diverse Momente, in denen ich Orte direkt wiedererkannt habe. Das Motorrad wird smooth über die Strecke bewegt, einen guten Rechner vorausgesetzt sind keinerlei Einbrüche in er Performance zu erwarten. Ich finde die Grafik wirklich sehr gut, allerdings muss man dazu sagen, dass dieser Punkt bei Höchstgeschwindigkeiten dezent in den Hintergrund tritt...man hat gut damit zu tun, das Bike auf der Straße zu halten.

    Die K.I. entspricht aus meiner Sicht dem Standard des Genres, allerdings spielt sie nicht wirklich eine tragende Rolle. Das Rennen auf der Isle of Man ist in erster Linie ein Kampf gegen die Uhr und vor Allem gegen sich selbst. Unkonzentriertheiten enden in der Realität wie im Spiel nahezu ohne Verzögerung an einer Mauer oder neben der Strecke. Schadensmodell ist keines vorhanden, weil es einfach keinen Sinn ergeben würde.

    Ein Kritikpunkt ist aus meiner Sicht, dass die Maschinen nicht wirklich mords unterschiedlich klingen innerhalb ihrer jeweiligen Klasse.

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    TT Isle of Man - in der von mir bevorzugten "3rd-Person"-Ansicht. Sehr viele Spieler bevorzugen jedoch die Ego-Perspektive

    Gameplay from hell...

    Wirklich "schlecht" finde ich das Gameplay nicht - aber dieses Spiel bedeutet Arbeit. Kleinste Fehler führen sofort zu Stürzen, das Spielen mit der Tastatur ist aus meiner Sicht faktisch unmöglich. Mit dem Pad ist die Steuerung sehr gut möglich, braucht aber absolut viel Übung.

    Frustresistenz ist absolute Voraussetzung, wenn man sich diesem Spiel stellen möchte. Ungeduldigen Menschen empfehle ich dringend, die Finger davon zu lassen - ihr werdet damit nicht glücklich.

    Die vermutlich größte Herausforderung des Spiels ist der Vergleich mit anderen Spielern auf der Welt. Wie manche Leute ihre Zeiten geschafft haben ist für mich noch heute ein totales Rätsel. Ich bin schon zufrieden, wenn ich eine Runde ohne Sturz bzw. Stürze hin bekomme. Man wird zwar nach einem Sturz wie von Zauberhand wieder auf die Strecke gesetzt, der Zeitverlust ist aber natürlich eklatant und verhindert schon beim ersten Abflug, dass die Runde noch brauchbare Ergebnisse liefert. Apropos Runde: eine Einzige davon ist knapp 61 Kilometer lang. Entsprechend schwer ist es, die ganze Zeit konzentriert und fehlerfrei zu fahren. Und umso ärgerlicher ist es dann auch, wenn man dann doch irgendwann abreitet in die Pampa...und je später in einer Runde das passiert, desto größer ist der Frust.

    Tuning an den Maschinen findet nicht statt. Ist auch nicht wirklich zielführend, man hat glaube ich genug damit zu tun, sich in die Strecke einzufuchsen.

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    Die Egosperspektive - das Geschwindigkeitsgefühl ist fantastisch - sowohl auf Konsole als auch am PC

    Der Umfang ist ok...

    Ich habe über den Umfang des Spiels mehrfach negative Sachen gelesen. Ich kann diese Haltung zwar verstehen, teile die Meinung aber nicht. Fehlendes Tuning ist wie eben erwähnt in so einem Spiel ohne wirkliches Gewicht. Entscheidet sind in diesem Rennen wie in der Realität die Fähigkeiten des Fahrers. Technisch ist anders als im Rallye-Sport oder in der Formel 1 nur sehr wenig herauszuholen im Vergleich.

    Motorräder gibt es ziemlich viele, unterteilt in mehrere Klassen. Angefangen von eher kleineren Maschinen bis hinauf zu den absoluten Superbikes, die mit mehr als 200 PS ausgestattet sind. Ich empfehle dringend der Verlockung zu widerstehen, direkt mit einer dieser Maschinen zu starten. Es wird ziemlich sicher in die Hose gehen. Der Fahrer ist auch in gewissem Umfang konfigurierbar, allerdings weniger als in anderen Spielen wie etwas der Ride-Reihe.

    Strecken sind durchaus einige Weitere enthalten, allerdings sind diese soweit ich das überblicken kann reine "Fantasie" und der Realität nur entfernt nachempfunden. Auch die weiteren Rennkurse sind teilweise relativ lang, allerdings ohne die krasse Länge des TT-Rundkurses zu erreichen. Für mich spielen die zusätzlichen Strecken ehrlich gesagt keine Rolle, ich habe sie nicht mal alle getestet - für mich ist allein das Original interessant, dafür und für nichts Anderes habe ich mir das Spiel zweimal gekauft - für PS4 und PC.

    Inzwischen sind DLCs erschienen, unter Anderem wurden auch Motorräder mit Beiwagen bereit gestellt, die auch in der Realität in einer eigenen Klasse antreten und zu den Klassikern des Rennens zählen. Sie spielen sich wieder etwas anders als die "normalen" Bikes und bringen ein neues Element ins Game.

    Schwierig zu beurteilen...

    Obwohl ich schon einige Beurteilungen zu Videospielen geschrieben habe, fiel es mir nur sehr selten so schwer wie in diesem Fall. Verschiedene Portale ink. metacrit werten im mittleren bis hohen 60er-Bereich. Ich kann verstehen, dass man das Spiel eher durchschnittlich sieht - allerdings wird man dem Spiel und der Grundlage auf der es "erschaffen" wurde damit nur unzureichend gerecht. Jemand ohne Geduld und fehlenden Bezug zum Thema an sich würde vielleicht sogar eine noch niedrigere Wertung um die 50 vergeben. Biker, Fans der TT und Menschen mit ausgeprägtem Ehrgeiz könnten auf der anderen Seite leicht 20 Punkte mehr vergeben als die Fachportale.

    Ich persönlich werte aufgrund persönlicher Sympathie fürs Thema, der wirklich schönen Optik des Spiels, des Detailreichtums und der Mühe die Strecke original nachzubauen sowie der guten Spielbarkeit nach ausreichendem Training irgendwo zwischen 78 und 82 von 100.

    Fehlende Zugänglichkeit, nur mittelmäßiger Sound und evtl. die Möglichkeit den Schwierigkeitsgrad manuell wirklich zu verändern sind die Kritikpunkte, die für mich relevant sind.

    Dennoch: Für Biker und Rennspiel-Fans mit einem Hang zu echten Herausforderungen kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen - Geduld vorausgesetzt. Man wird belohnt mit einem ganz besonderen Spiel, weit abseits des Racing-Mainstreams.

    Über den Autor

    Roadwarrior
    1975 auf die Welt losgelassen bekam ich 1981 von meinen Eltern zu Weihnachten ein Atari 2600 überreicht - seitdem nahm die Spirale ihren Lauf. Ich bin seit inzwischen etwa 38 Jahren "ingame". Durch verschiedene Berufe, Beziehungen, eine Ehe, Wohnorte und Weltanschauungen hindurch waren in meinem Leben in den letzten 25 Jahren nur 3 Sachen konstant: Motorräder. Heavy Metal. Gaming.

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