Warum ich den Fußball so liebe

Von -zwecki- · 20. August 2014 · Aktualisiert am 21. August 2014 ·
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  1. Der Name ist Programm, alle, die sich nicht für Fußball interessieren, können an dieser Stelle also, wenn sie denn möchten, getrost das Lesen einstellen.

    Ich bin einer dieser Menschen, für die der Fußball fast schon mehr als ein Hobby ist, die man als fußballverrückt bezeichnen könnte. Ich versuche niemandem meine Leidenschaft für diesen Sport aufzuzwingen, dennoch hört man doch des Öfteren die Frage, was denn so besonders am Fußball sei. Andere Sportarten haben sicherlich auch ihre schönen Elemente, aber Fußball hat für mich etwas spezielles, etwas einzigartiges, das mich anzieht.

    Ich liebe es, dass dieser Sport so unglaublich taktisch und doch so schnell ist, dass er Geschichten schreibt, die zumindest ich in dieser Form sonst noch nirgends erlebt habe. Beispiele gefällig?

    Wir schreiben den 12.05.2013, im Halbfinale der Playoffs um den Aufstieg in die Englische Premier League treffen Watford FC und Leicester City aufeinander. Das Hinspiel hatte Leicester City im heimischen Stadion mit 1:0 gewonnen, lag nun 1:2 zurück und damit würde es in die Verlängerung gehen, da es insgesamt 2:2 unentschieden stand (die Auswärtstorregel gibt es in England nicht).

    Die 90 Minuten der regulären Spielzeit sind längst um, 4 Minuten Nachspielzeit waren angezeigt, wir befinden uns in der 7. Minute der Nachspielzeit, als Leicester City einen Elfmeter bekommt. Anthony Knockaert tritt an. Wenn er trifft, ist das Aus von Watford besiegelt. War es das also? Nein! Der Watford-Keeper Alumnia hält den relativ schwach geschossenen Elfmeter, doch es kommt zum Nachschuss, Alumnia hält wieder. Die Abwehr haut den Ball in größter Not einfach nach vorn aus dem Strafraum.

    Der Ball landet genau im Lauf des eigenen Mitspielers. Dieser treibt den Ball nach vorn, spielt im richtigen Moment den Pass. Der Ball befindet sich nun auf der Außenbahn, der Spieler hat alle Zeit der Welt zu flanken. Die Flanke kommt, ein Mitspieler legt den Ball per Kopf nach hinten ab, Troy Deeney, Stürmer von Watford FC, eilt heran und haut den Ball aus vollem Lauf und mit vollem Risiko Volley ins Netz. Abpfiff, Sieg, Finale!

    Unglaublich! Watford war am Boden, wäre mit diesem Elfmetertreffer ausgeschieden und schafft es tatsächlich, mit 3 Ballkontakten den blitzsauberen Konter in letzter Sekunde zu fahren und damit doch ins Finale einzuziehen.

    Solche Geschichten sind es, die uns den Fußball so lieben lassen. Das eigentlich besiegte Team rappelt sich nochmal auf und schafft die Sensation. Ein aktuelles Beispiel des absoluten Fußballwahnsinns durften wir beispielsweise hier in Deutschland am vergangenen Freitag in Chemnitz erleben.

    DFB-Pokal, erste Runde, der Chemnitzer FC, Drittligist, empfängt den 1. FSV Mainz 05 aus der ersten Bundesliga. Die Favoritenrolle ist klar auf Seiten der Mainzer und genauso verläuft das Spiel auch zunächst. Mit 0:1 geht es in die Pause, kurz nach Wiederanpfiff erhöht Mainz auf 0:2. Die Chemnitzer haben sich jedoch nicht aufgegeben und schaffen innerhalb von 3 Minuten das Comeback zum 2:2. Nach erneuter Mainzer Führung und dem anschließenden erneuten Ausgleich zum 3:3 geht es in die Verlängerung.

    In ebendieser Verlängerung schafft es Chemnitz erstmals, in Führung zu gehen, 4:3, doch Mainz gleicht kurz darauf aus, 4:4. In der 119. Minute geht der FC jedoch erneut in Führung. Die Fans rasten aus! 5:4 so kurz vor Schluss, das muss es gewesen sein! In einem normalen Fußballspiel ist das der engültige K.O. für den Gegner, aber dieses Spiel war nicht normal.

    Wir befinden uns in der 2. Minute der Nachspielzeit der Verlängerung. Es ist die allerletzte Aktion des Spiels. Pentke, der Chemnitzer Keeper, schlägt den Ball aus seinem Strafraum, trifft selbigen dabei allerdings nicht richtig. Der Ball landet bei Geis direkt hinter der Mittellinie. Der Mainzer nimmt den Ball an und zieht direkt ab. Der Schuss wird immer länger. Pentke bemüht sich, irgendwie den Ball noch einzuholen. Vergebens, es schlägt direkt neben dem rechten Pfosten ein. 5:5, Abpfiff! Es geht ins Elfmeterschießen.

    Wie cool muss man sein, um in dieser Situation aus dieser Entfernung zu schießen? Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, die meisten werden es wissen, dass Chemnitz das Elfmeterschießen gewann und sich am Ende doch für seine Mühe belohnte.

    Das sind nur zwei Beispiele von unfassbar vielen, die man hätte anbringen können. Dieser Sport ist einfach wahnsinnig! Natürlich muss das nicht jedem gefallen, aber genau solche Momente, solche Spiele sind es, die dich mit offenem Mund stehen lassen, die den Fußball so einzigartig machen und die dich letztenendes, wenn du dafür empfänglich bist, auch zum Fan dieser Sportart machen.

    Ich habe solche Spiele selbstverständlich auch schon vor Ort miterlebt. Das verrückte 5:5 von Energie Cottbus gegen den Karlsruher SC zu Beginn der Saison 2010/11, das 6:0 gegen Erzgebirge Aue im Winter 2010, das 3:1 gegen Eintracht Braunschweig im Spätherbst 2012, die bis dahin noch nicht ein einziges Spiel verloren hatten oder auch das 4:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern im Frühling 2013 in einer Phase, in der wir eigentlich kaum Tore geschossen haben.

    Ich hoffe ihr ebenso Fußballverrückten da draußen könnt das nachvollziehen, vielleicht habt ihr auch eigene Geschichten zu erzählen. Was war für euch der denkwürdigste Fußballmoment, den ihr erlebt habt? Was sind eure witzigsten Fußballanekdoten? Was war für euch das beste Spiel, dass ihr live verfolgt habt?

    Über den Autor

    -zwecki-
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Kommentare

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  1. Musikus
    Ich hab keins der beiden Spiele gesehen (ich gehör zu den "Halbverrückten", die nur alle zwei Jahre für drei bzw. vier Wochen absolut fußballsüchtig werden) - aber so wie Du es beschrieben hast, hatte ich alle entscheidenden Szenen vor Augen. Danke. :-)

    Und ja, das sind die Spiele, deretwegen ich EM und WM verschlinge. Ich drücke selten irgendeiner Mannschaft vor einem Tournier die Daumen - und möchte einfach möglichst viele magic moments sehen. Und die Mannschaften, die so verbissen kämpfen, denen wünsche ich dann auch den Erfolg. :-)

    ZB gab es bei dieser WM einen Moment in einem der letzten Gruppenspiele, da war mein plötzlicher Final-Favorit "Costa Rica - Iran". Beide spielerisch recht schwach, aber kämpfend bis zum Umfallen. Und als Argentinien das 1 : 0 gegen den Iran schoss, war ich echt frustriert.

    Es ist wunderbar, alle zwei Jahre wegen etwas absolut sinnlosem zornig vor dem Fernseher zu sitzen, wahlweise einen Trainer, Stürmer, Torwart oder Schiedsrichter zum Teufel zu wünschen und sich die Fingernägel abzubeißen!
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