Assassin's Creed Film - Presseschau: Das sieht nicht gut aus

Die Presse hat den Film zu Assassin's Creed bereits gesehen, und die ersten Kritiken fallen alles andere als positiv aus.

von Dimitry Halley,
20.12.2016 13:15 Uhr

Assassin's Creed - Film-Clip: Spektakuläre Stunts mit Michael Fassbender 1:09 Assassin's Creed - Film-Clip: Spektakuläre Stunts mit Michael Fassbender

Als ich in London die ersten 20 Minuten von Assassin's Creed gesehen und darüber mit Regisseur Justin Kurzel und den Hauptdarstellern Fassbender und Cotillard geredet habe, war meine erste Frage an alle drei die folgende: Videospielverfilmungen haben zurecht keinen guten Ruf, in den letzten 30 Jahren haben es sehr wenige Filmschaffende überhaupt hinbekommen, eine vernünftige Adaption auf die Beine zu stellen, die von den Fans angenommen wird - seid ihr nicht besorgt, dass das auch bei Assassin's Creed zum Problem werden könnte?

Schauspielerin Marion Cotillard hatte von diesem schlechten Ruf überhaupt noch nichts gehört, Kurzel und Fassbender waren sich indes sicher, dass sie das »schon ordentlich genug hinbekommen haben«, um sowohl Gaming-Fans als auch »fachfremde« Kinogänger zufrieden zu stellen.

Am 19. Dezember ist das Presse-Embargo für alle Journalisten gefallen, die den Film bereits gesehen haben. Die Reviews fluten das Netz und sprechen aktuell eine ganz andere Sprache als die drei Filmschaffenden im meinem London-Gespräch: Assassin's Creed kommt ganz und gar nicht gut an. Im Folgenden fasse ich die wichtigsten Aussagen zusammen.

Und nein, ich habe den Film selbst noch nicht gesehen, darum kümmern sich diesmal die Kollegen von der GamePro (ich verlinke deren Artikel bei Erscheinen an dieser Stelle).

Internationale Kritiken zu Assassin's Creed

Auf Metacritic schneidet Assassin's Creed bisher mit einem mageren Metascore von 37 ab, auf Basis von 18 Reviews. Klar, das sind nicht mal 20 Rezensionen, aber die Tendenz der vorhandenen Artikel spricht trotzdem eine deutliche Sprache: Zwei der Reviews fallen positiv aus (wobei auch hier die Wertungen die 68 nicht überschreiten), 9 sind gemischt und 7 ausdrücklich negativ. Hier ein Auszug:

Name der Publikation

Numerische Wertung

The Verge

68

Indiewire

67

ScreenCrush

60

Total Film

60

The Film Stage

50

The A.V. Club

42

The Telegraph

40

New York Daily

30

The Hollywood Reporter

30

Village Voice

30

Time

30

The Guardian

20

Slant Magazine

12

Bei Rottentomatoes bekommt Assassin's Creed ein Approval-Rating von 15 Prozent. Von 27 verzeichneten Reviews fanden nur 4 den Film »fresh«, der Rest fällt in die Kategorie negativer Kritiken. Die Zusammenfassung der Metascore-Seite schreibt:

"Assassin's Creed ist definitiv handwerklich besser gemacht als die meisten Videospiel-Adaptionen (und auch der Cast ist weit überdurchschnittlich). Unglücklicherweise bleibt das CGI-übersättigte Endergebnis ein überladener Story-Klotz, der keine Freude bereitet."

Die Kritiker sind sich recht einig, dass aus dem Film einfach kein rundes Ganzes wird. So stark die Schauspieler auch sein mögen, so hölzern und eindimensional fallen die Charaktere aus. Der Plot bemüht sich um verschachtelte Komplexität, verwirrt damit aber nur. Die Action ist grandios, allerdings nur in den spärlichen Vergangenheits-Abschnitten im frühneuzeitlichen Spanien. Aber die wenigsten dieser Reviews stammen aus dem Gaming-Bereich.

Was sagt die Spielepresse?

Die Kritiken der Gaming-Presse fallen ebenfalls recht negativ, aber nicht vernichtend aus. Ein positiver Ausreißer ist Simone de Rochefort von Polygon, die den Film sogar ziemlich gut findet, die Schauspieler und das düstere Spanien-Setting lobt. Die Grauschattierungen zwischen Assassinen und Templern seien erfrischend komplex, und trotz der holprigen Charakterisierung im Drehbuch schaffe es Michael Fassbender, in seiner Rolle als Callum Lynch so richtig zu glänzen.

IGN US sieht das anders. Lucy O'Brien gibt dem Film eine magere 6,5, befindet ihn damit für »gerade noch okay« und kritisiert, dass die Gegenwartsgeschichte rund um Callum Lynch mit schlechten Twists und Charakterdarstellungen einfach nicht glänzen kann - und das sei gerade deshalb schade, weil der Style des Films genau den Geist der Spiele treffe:

"Die Sequenzen mit der Spanischen Inquisition in Assassin's Creed sind die größte Stärke des Films. Das ist atemberaubendes, schwindel-erregend gedrehtes Popcorn-Kino, das direkt aus den Adern der Spieleserie gezapft sein könnte. Sobald es jedoch zurück zur grausigen Monotonie von Callum und Konsorten geht, stirbt jede Andeutung von Spaß."

Der deutsche Kollege Robert Hähnel von IGN DE urteilt noch kritischer. Für ihn ist Assassin's Creed »auch nur eine Videospielverfilmung«. Er bemängelt die verworrene Erzählstruktur, die angesichts der simplen Story völlig unnötig sei, und gibt dem Film eine 5 von 10.

Lukas Schmid von Computec ordnet den Film auf PCGames ebenfalls im unteren Mittelmaß ein. Die schwache Dialogregie und maue Handlung ist für ihn gar nicht das Hauptproblem, sondern die simple Tatsache, dass Assassin's Creed »einfach nicht wirklich Spaß macht«. Schade drum.

Assassin's Creed Film - Erster Trailer zur Spieleverfilmung mit Michael Fassbender 2:05 Assassin's Creed Film - Erster Trailer zur Spieleverfilmung mit Michael Fassbender


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