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Cities in Motion im Test - Richtig verkehrt

Vorbild Verkehrsgigant: Ein Newcomer-Team versucht mit der Verkehrssimulation Cities in Motion, den über zehn Jahre alten Klassiker zu überfahren. Und schafft es locker.

von Martin Deppe,
21.02.2011 17:00 Uhr

Fritz hat ein Problem. Es besteht aus gefühlten 100 Oldtimern, die nur schubweise Richtung Brandenburger Tor tröpfeln. Berlins Innenstadt ist verstopft. Damit ist Fritzens Problem auch das unsere, denn der junge Mann lenkt eine der 20er-Jahre-Karossen - und steht damit im Stau, der unsere neuen Bus- und Straßenbahnlinie behindert! Gut, die Busse können wir über Nebenstraßen umleiten, aber wie schaufeln wir größere Touristenmassen zum Brandenburger Tor? Straßenbahngleise lassen sich aber auch in der Wirtschaftssimulation Cities in Motion nicht einfach ausgraben und umlegen, noch dazu waren sie teuer.

Berlin, Berlin, wir fahren in Berlin

Der Berlin Stadtverkehr anno 1927 ist nur eine der vielen Herausforderungen, vor die uns Cities in Motion stellt. Als öffentlicher Nahverkehrs-Planer kämpfen wir in Wien, Amsterdam, Helsinki und eben Berlin gegen Verkehrsinfarkte und Ölkrisen, verwinkelte Innenstädte und schlecht gelaunte Fahrgäste, gegen Wirtschaftsflauten und marode Fahrzeuge. Das Grundprinzip funktioniert simpel: Wir entwerfen Strecken für Bus, Straßenbahn, Wassertaxi, Hubschrauber und Schnellbahn (über, auf, unter der Erde), wir bauen Stationen, wir weisen Fahrzeuge zu.

Hubschrauber Gegen flott-coole Hubschrauber kann unsere Straßenbahn hinten rechts nicht anstinken. Dafür ist sie billiger und fasst mehr Passagiere.

Busse Wer nicht genug Busse im Einsat hat, verärgert die zahlende Kundschaft.

Wassertaxi Während sich in Helsinki die Autos stauen, steigen die ersten Pendler auf unser neues Wassertaxi um.

Touristen-Hit Das Brandenburger Tor ist ein echter Touristenhit. Je ausgebauter die Infrastruktur drum herum, desto besser.

U-Bahn-Bau Der Bau von Metrostationen ist extrem fummelig - da hilft auch die schicke Untergrundperspektive nicht.

Und wir kassieren die Ticketerlöse - vielleicht. Denn fieserweise ist der Grat zwischen zahlungsfreudigen Fahrgastmassen und verwaisten Haltestellen verflixt schmal. Fritz zum Beispiel »genießt« den Stau lieber in seinem Automobil, weil er unsere Busse zu teuer findet. Ganz davon abgesehen, dass sie ebenfalls im Stoßverkehr festhängen.

Mit dem Bus zum Beten

Berlin in den Goldenen Zwanzigern ist das erste Szenario der langen Kampagne, und obwohl es erst drei der fünf Transportmittel enthält (Wassertaxi und Hubschrauber kommen erst später), bringt es unsere grauen Zellen ganz schön in Wallung. Wir müssen bestehende Linien verknüpfen, weit abgelegene Pfadfinderlager, Scheunen und Kirchen anschließen, genug Geld anhäufen, marode Linien umstrukturieren und, und, und. Fast alles regeln wir dabei indirekt.

Wenn ein Bus mit Motorschaden liegenbleibt und die Straße verstopft, müssen wir eben warten, bis er wieder heile ist. Selber reparieren geht nicht, wir können höchstens vorbeugend die Wartungsausgaben erhöhen. Wir dürfen auch keine Häuser abreißen oder Fabriken bauen, sondern müssen mit dem Baubestand klarkommen. Wien ist furchtbar verwinkelt? Dann müssen wir mit Bussen arbeiten anstatt mit Straßenbahnen. In Amsterdam gibt’s zu viel Gracht und zu wenig Brücke? Logisch, hier helfen nur clevere Wassertaxi-Linien. In Helsinki liegen Bahnhof und Parlament zu weit auseinander? Eine U-Bahn schafft Abhilfe!


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