Firefox-Entwickler Mozilla - Stellungnahme zum Rücktritt des CEO Brendan Eich (Update)

Der neue CEO Brendan Eich war nach Protesten gegen seine politische Einstellung zu gleichgeschlechtlichen Ehen zurückgetreten.

von Georg Wieselsberger,
08.04.2014 14:41 Uhr

Bei Mozilla herrschte wegen der Wahl der neuen CEO Aufruhr unter Entwicklern und Angestellten.Bei Mozilla herrschte wegen der Wahl der neuen CEO Aufruhr unter Entwicklern und Angestellten.

Update: Mozilla hat noch einmal auf die nach Ansicht der Organisation teilweise inkorrekte Berichterstattung zum ehemaligen CEO Brendan Eich reagiert. In einer FAQ wird betont, dass Eich nicht »gefeuert« wurde, sondern selbst zurücktrat und Mozilla komplett verlassen hat. Er sei auch nicht vom Aufsichtsrat zum Rücktritt aufgefordert worden, allerdings habe man dann versucht, in in einer anderen Rolle bei Mozilla zu halten. Das habe Eich aber zumindest aktuell abgelehnt.

Auch die Angestellten hätten nicht durch Druck für den Rücktritt gesorgt, da weniger als 10 von den insgesamt 1.000 Mitarbeitern sich entsprechend geäußert hätten. Diese hätten Eich, der auch nicht ihr direkter Vorgesetzter war, nicht einmal gekannt. Viel mehr Mitarbeiter hätten sich trotz der Enttäuschung über dessen Ansichten für Eich eingesetzt. Auch die Rücktritte aus dem Aufsichtsrat hätten nichts mit der Wahl von Eich zum CEO zu tun gehabt und seien teilweise schon vorher angekündigt worden. Mozilla sei auch nicht zu einer Aktivisten-Organisation für soziale Belange geworden, sondern arbeite dafür, das Web frei und offen zu halten.

Eich selbst hat in einem Blogbeitrag geschrieben, dass er sich nach dem Rücktritt weiter um Probleme und Zukunftsfragen des Internets kümmern werde, aber eben nicht mehr bei Mozilla. Er werde sich erst einmal erholen und ein paar Reisen mit seiner Familie unternehmen.

Update: Brendan Eich hat dem nicht nachlassenden Druck von vielen Seiten nachgegeben. Wie Executive Chairwoman Mitchell Baker in einem Blogbeitrag schreibt, hat sich Eich zum Wohle von Mozilla und der Community dazu entschieden, von seinem Posten als CEO zurückzutreten. Baker kritisiert aber auch die Organisation selbst, die sich zuletzt nicht treu gewesen sei und nicht so gehandelt habe, wie man es hätte erwarten dürfen, Man hätte viel schneller auf die Diskussionen reagieren müssen.

Mozilla unterstütze Gleichheit für alle und fordere durch seine offene Kultur Angestellte und Community dazu auf, ihre Ansichten und Meinungen auch öffentlich zu vertreten. Das soll die Organisation von anderen unterscheiden, setzte aber auch einen höheren Standard. Dieses Mal habe man dabei versagt, zuzuhören, zu handeln und sich von der Community beraten zu lassen.

Die letzte Woche habe deutlich gezeigt, warum das Web notwendig ist: damit freie und harte Diskussionen für eine bessere Welt möglich sind. Darum müsse man sich nun auch wieder mehr auf den Schutz des Webs konzentrieren und das auf eine Weise, auf die die Community stolz sein kann. Wer nun CEO werden soll, wird noch diskutiert. Mozilla will nun aber offen darüber informieren.

Update: Die Dating-Webseite OKCupid hat seine Nutzer, die den Mozilla-Browser Firefox einsetzen, dazu aufgerufen, einen anderen Browser zu verwenden. Als Grund nennt die Webseite die Einstellung von Mozilla-CEO Brendan Eich und dessen finanzielle Untersützung für ein Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Ehen. Eich sei ein Gegner der Gleichberechtigung. Politik sei zwar normalerweise nicht Sache von Webseiten. doch das Ziel von OKCupid sei es, Liebe zu verbreiten. 8 Prozent aller Partnerschaften, die man vermittelt habe, wären illegal, wenn Personen wie Eich das Sagen hätten. »Die, die Liebe untersagen und stattdessen Leid, Scham und Frust erzwingen wollen, sind unsere Feinde und wir wünschen ihnen nur das Scheitern«, so die Mitteilung.

Trotz seiner Beteuerungen, er werde sich für Gleichberechtigung aller einsetzen sorgt der neue CEO Eich also auch weiterhin für heftige Reaktionen und nun sogar für Boykott-Aufrufe gegenüber Firefox. Laut The Verge hat Mozilla auf die Mitteilung von OKCupid mit einer Stellungnahme reagiert, in der der Einsatz für gleiche Rechte und gleiche Behandlung und auch für gleichgeschlechtliche Ehen betont wird. OKCupid habe Mozilla nie kontaktiert, um sich zu informieren.

Originalmeldung: Der neue CEO Brendan Eich schien eigentlich eine gute Wahl für den Posten des Mozilla-Chefs zu sein, da er als Erfinder von JavaScript das Web entscheidend beeinflusst und Mozilla mitgegründet hatte. Doch seine politische Einstellung in Sachen gleichgeschlechtlicher Ehen sorgt nun für immer mehr Proteste bei Angestellten, Entwicklern und sogar bei Mitgliedern des Aufsichtsrat. Brendan Eich hatte eine Kampagne für ein Gesetz, dass gleichgeschlechtliche Ehen verbieten sollte, mit einer Spende von 1.000 US-Dollar unterstützt.

Viele Entwickler äußerten sich deswegen enttäuscht, andere kündigten an, nicht mehr für Mozilla arbeiten zu wollen und einige forderten den neuen CEO wegen dieser Spende öffentlich zum Rücktritt auf. Darunter befanden sich auch einige der bekannteren Angestellten wie Chloe Vareldi, John Bevan, Jessica Klein oder Sydney Moyer. Wie das Wall Street Journal meldet, sind nun auch drei Mitglieder des Aufsichtsrats wegen der Wahl von Brendan Eich zum neuen CEO zurückgetreten. Es handelt sich um die ehemaligen Mozilla-Chefs Gary Kovacz und John Lilly sowie Ellen Siminoff.

Brendan Eich selbst hat in einem Blogbeitrag zuvor erklärt, dass er als CEO dafür einstehen werde, dass Mozilla ein Platz der Gleichberechtigung bleibe, er auch Vertretern der LGBT-Community zuhören werde und danach beurteilt werden möchte, was er als CEO erreiche. Er werde sich jedem einzelnen Mitglied der Mozilla-Community gegenüber beispielhaft verhalten und kein diskriminierendes Verhalten bei Mozilla dulden.


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