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Jotun im Test - Zum Sterben schön

Achtung, Geheimtipp: Das Action-Adventure Jotun verzaubert im Test mit wunderschöner Zeichentrickoptik, verbirgt hinter der zuckersüßen Fassade aber ein anderes Gesicht, das vor allem Dark-Souls-Fans gefallen dürfte.

von Nils Osowski,
30.09.2015 18:32 Uhr

Jotun - Gameplay: Massenschlacht und Bossmonster 0:35 Jotun - Gameplay: Massenschlacht und Bossmonster

Wikinger lieben nichts mehr als geflochtene Bärte, Beutezüge und Walhalla. Was aber, wenn einem der Einzug in der Ruhmeshalle untersagt wird? Das geschieht Kriegerin Thora im Action-Adventure Jotun nach einem unrühmlichen Tod. Aber dann erhält sie eine zweite Chance, sich den Göttern zu beweisen und doch noch nach Walhalla zu gelangen.

Aus isometrischer Ansicht steuern wir die rothaarige Pelzträgerin durch neun Level in fünf Regionen, um das so genannte Jotun-Quintett zu besiegen - kolossale Elementarkrieger. Bei Jotun handelt es sich nicht um ein Hack-and-Slay, vielmehr steht bei dem Action-Adventure die Erkundung im Vordergrund.

Gekämpft wird außerhalb der imposanten Duelle mit den gigantischen Bossen eher selten. In jedem Abschnitt muss Thora eine Rune entdecken, um so zum jeweiligen Jotun vorzudringen. An Götterschreinen darf sie sich zudem besondere Fähigkeiten aneignen: Odins Speer wirft Thora beispielsweise nach frechen Feinden, während Freyas Geschwindigkeit sie rasant durch die Gegend flitzen lässt.

Jotun - Screenshots ansehen

Ähnlicher Stil, aber für Strategen: Banner Saga im Test

Die handzeichneten Umgebungen machen aus der Suche nach Runen und Götterschreinen eine Augenweide. Thora überquert Brücken in vulkanischen Tiefen, die umliegenden Lava-Seen verziert mit riesenhaften, fremdartigen Schwertern. Sie schlittert über zugefrorene Seen, umringt von scharfkantigen Eisformationen; steigt bis in den Götterhimmel empor und bewundert die Sternbilder des farbenreichen Kosmos. Gepaart mit dem orchestral-meditativen Soundtrack ergibt sich so ein audiovisueller Hochgenuss, der zudem das Fremdartige der nordischen Mythologie atmosphärisch überaus gelungen auf den Punkt bringt.

Kampf gegen die Elemente

Auf ihren Streifzügen hält Thora zwar permanent eine riesige Axt in Händen, doch sie »kämpft« in erster Linie gegen ihre Umwelt. In einem der Winterlevel bläst ihr in Intervallen ein ekliger Schneesturm ins Gesicht und sie muss sich rechtzeitig hinter Eiswände hocken, um zu überleben. Zwischen den riesenhaften Blättern des Weltenbaums Yggdrasil will ihr hingegen ein ungehobelter Falke an die Wikingerwäsche.

Weiteres Hindernis: Auf der Karte ist unsere Position nicht vermerkt, wir müssen uns also das Terrain gut einprägen. Wirklich spannend ist das aber nicht, letzten Endes streckt die Suche nach dem richtigen Weg nur künstlich die Spielzeit. Stattdessen hätten wir uns mehr Rätsel gewünscht. Nur ganz selten ist zum Weiterkommen Grips erforderlich, etwa wenn Thora mit Schaltern Sternenbilder »nachzeichnen« muss.

Improvisationstalent: Der Kerl am rechten Bildschirmrand schleudert Felsbrocken, mit denen wir uns kurzerhand eine Brücke über die Lava bauen.Improvisationstalent: Der Kerl am rechten Bildschirmrand schleudert Felsbrocken, mit denen wir uns kurzerhand eine Brücke über die Lava bauen.

Neben der Erkundung sind deshalb die Bosskämpfe Jotuns Herzstück. Je ein Koloss bewacht die fünf Gebiete - bereits der erste Endgegner Jera, hat uns starke Nerven und diverse Anläufe gekostet. Mit einem massiven Körper aus Erde, Holz und Efeuranken schlägt Jera mit Baumstamm-Armen auf uns ein, während wir mit einer Rolle aus dem Boden hervorschießenden Dornen ausweichen. Ja, die Element-Ekelpakete haben es echt in sich und bestehen zudem aus mehreren Phasen. Unfair sind sie nie, teils aber extrem hart und allesamt klasse designt.

Müder Mythos

Tief in den Wäldern von Jotunheim treffen wir auf Jera, den Natur-Jotun. Eine tödliche Gaswolke ist nur eine seiner verheerenden Attacken.Tief in den Wäldern von Jotunheim treffen wir auf Jera, den Natur-Jotun. Eine tödliche Gaswolke ist nur eine seiner verheerenden Attacken.

Allerdings versäumt es Jotun, diese Ästhetik mit einer relevanten Geschichte und gelungenem Storytelling zu verknüpfen. Nach Ableben eines Endgegners füttert uns das Spiel per Off-Stimme zwar mit ein Story-Häppchen rund um Thoras Hintergrundgeschichte, die aber weder spannend geschrieben noch packend erzählt ist. Andere Figuren und Blickwinkel aufs Geschehen bietet Jotun nicht, nur eingestreute Fragmente mythologischer Unterfütterung, die aber mangels erzählerischen Geschicks nicht richtig zünden wollen. Schade, da hätte das spannende Szenario deutlich mehr hergegeben.

Dennoch werden wir unsere Abenteuer mit Thora in angenehmer Erinnerung behalten. Sein einzigartiger Grafikstil und die packend choreographierten Bosskämpfe machen Jotun zu einem echten Indie-Kleinod, das gleichermaßen Sinne wie Nerven reizt. Es muss ja nicht immer ein Retro-Roguelike mit Pixeloptik sein.

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