Lootboxen - USK und EU-Jugendschutz PEGI sehen auch kein Glücksspiel

Nach der amerikanischen ESRB haben sich auch die europäische PEGI und die deutsche USK dagegen entschieden, Lootboxen als Glücksspiel einzuordnen.

von Michael Herold,
13.10.2017 11:40 Uhr

Auch in Deutschland erfüllen Lootboxen in Videospielen nicht die richtigen Kriterien, um als Glückspiel zu gelten.Auch in Deutschland erfüllen Lootboxen in Videospielen nicht die richtigen Kriterien, um als Glückspiel zu gelten.

Nachdem wir vor Kurzem darüber berichtet haben, dass die US-amerikanische Jugendschutzorganisation ESRB Lootboxen nicht als Glücksspiel einordnet, folgen nun auch die deutsche USK und die europäische PEGI mit ihren Urteilen.

Demnach überschreiten die Lootkisten aus Videospielen auch hierzulande nicht die Grenze zum Glücksspiel. Somit können sie weiterhin in Spielen wie Mittelerde: Schatten des Krieges oder Star Wars: Battlefront 2 auftauchen.

Das Hauptargument der USK für ihre Entscheidung ist, dass man durch Lootboxen kein Geld gewinnen kann, sondern nur In-Game-Gegenstände. Ähnlich wie bei Losen oder Panini-Sammelbildern handele es sich eher um eine Art Gewinnspiel oder eine "Ausspielung", wobei man für den Einsatz von Echtgeld lediglich geringerwertige Gegenstände gewinnen kann.

Das sagt die USK zu Lootboxen

Wir haben bei der USK ein offizielles Statement zum Thema Lootboxen und Glücksspiel angefragt, tatsächlich hat die USK auf ihrer offiziellen Webseite ein Statement veröffentlicht. In dem heißt es:

"Sind Lootboxen Glücksspiel?

Gute Frage, und keine, die wir einfach und abschließend beantworten können.Als Glücksspiel gelten dem Gesetz nach Spiele, bei denen Spieler*innen gegen ein Entgelt eine Gewinnchance erwerben und der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Lootboxen, die gegen ein Entgelt immer ein zufällig generiertes Item vergeben, gelten nach üblicher Auffassung bisher nicht als Glücksspiel.Die zufällige Auswahl von Gegenständen bei Lootboxen entspricht demnach Geschäftsmodellen, die Gewinnspielen oder sogenannten "Ausspielungen bei denen der Gewinn in geringwertigen Gegenständen besteht" ähneln (z.B. Lose auf dem Jahrmarkt, das Sammeln von Panini-Bildchen oder Figuren aus Überraschungs-Eiern)."Glücksspiel" ist also ein komplexes Thema, das in Deutschland strenger Regulierung unterliegt. Die genaue Definition darüber, was Glücksspiel ist, ist Sache des Gesetzgebers und der Gerichte, die USK kann und darf kein Urteil fällen, was als Glücksspiel gilt. Glücks- und Gewinnspielelemente werden in Deutschland nicht im Rahmen einer Jugendschutzvorgabe geregelt, sondern durch den Glücksspiel-Staatsvertrag (GlüStV) reguliert.

Sind Lootboxen unproblematisch?

Aus unserer Sicht: Nein.Uns ist bewusst, dass es Drittanbieter über Websites möglich machen, z.B. Items und Skins für echtes Geld zu handeln. Manche dieser Portale sind schlichtweg nicht zulässig. Bei diesem Weiterverkauf von Ingame-Items handelt es sich in der Regel also nicht um offizielle Geschäftswege, die der Kontrolle des konkreten Spieleanbieters unterliegen. Dieser Umstand kann dem Anbieter eines jeweiligen Spieles nicht zur Last gelegt werden.Auch gibt es bei der Gestaltung von Ingame-Shops und Ingame-Werbung klare jugendschutzrechtliche Vorgaben, wenn sich Anbieter mit ihren Kaufappellen direkt an Kinder und/oder Jugendliche richten. Dies gilt nicht nur für Lootboxen, sondern für alle Mikrotransaktionen in Spielen. Vermutete Verstöße können der USK gemeldet werden.

Was genau tut die USK?

Die USK prüft Spiele und vergibt Alterskennzeichen gemäß den Regelungen des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) und des Jugendmedienstaatsvertrages (JMStV). Eine Prüfung der Vorgaben des Glücksspiel-Staatsvertrags (GlüStV) ist nicht unser gesetzlicher Auftrag als Selbstkontrolle.Es wird oft gefordert, dass die USK die Altersfreigaben für Spiele mit Lootboxen generell höher ansetzt. Bezahlmodelle in Spielen und Geschäftsmodelle von Anbietern sind kein Gegenstand der Altersprüfung durch die USK und die Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) bei der USK. Dass das so ist, liegt nicht daran, dass die USK "nicht will", sondern daran, dass dies nicht ihr Auftrag im Rahmen des Jugendschutzgesetzes ist.

Die Lootbox-Debatte

Uns scheint es, als wäre der Einbau von Lootboxen oder ähnlichen Mechanismen in Vollpreisspielen vielen Spieler*innen ein Dorn im Auge. Für uns ist das ein Indiz, dass es sich hier nicht nur um ein Jugendschutz-Thema handelt, sondern vielleicht auch um Ärger über neue und alte Geschäftsmodelle ganz unabhängig von ihrer möglichen Wirkung auf Minderjährige. So sehr wir als Gamer*innen das ein oder andere Argument gut nachvollziehen können, ist unsere Kernkompetenz und gesetzliche Aufgabe der Schutz von Minderjährigen. Dort, wo Unternehmen die Grenzen der erlaubten Geschäftspraktiken überschreiten, haben wir mit den Verbraucherzentralen in Deutschland wichtige Verbündete.Natürlich sind wir aber an einem möglichst umfassenden Schutz der Spieler*innen interessiert und die Sorge um mögliche negative Auswirkungen von Lootboxen auf Minderjährige lässt uns nicht kalt. Wir beraten uns derzeit intern, ob und wie sich das Thema jugendschutzpraktisch in unsere Arbeit integrieren lässt.

Liebe Eltern!

Wir raten unbedingt dazu, sich mit den entsprechenden Medien / Geräten und den bei Kindern beliebten Inhalten auseinanderzusetzen, um einen Überblick zu behalten, welches Kind welche Inhalte und in welchem Rahmen nutzt und nutzen darf."

Star Wars: Battlefront 2 - Lootbox-Video: Wird es wegen StarCards ein Pay2Win-Spiel? 10:00 Star Wars: Battlefront 2 - Lootbox-Video: Wird es wegen StarCards ein Pay2Win-Spiel?

EU-Jugendschutz PEGI ist machtlos

Ähnlich wie das amerikanische ESRB (Entertainment Software Rating Board) und die USK kann die europäische PEGI (Pan European Game Information) beim Thema Glückspiel nichts allein entscheiden.

Dirk Bosmans, der Operations Director der PEGI, erklärte gegenüber der Technik-Webseite WCCF, dass sie ihre Richtlinien nur ändern können, wenn eine nationale Kommission dafür den Anstoß gibt.

"Unser Ansatz ist ähnlich wie der des ESRB und ich denke das gilt für alle Selbstregulierungseinrichtungen, auch für die deutsche USK. Das liegt vor allem daran, dass wir nicht festlegen können, was Glücksspiel genau ausmacht. Das liegt in der Verantwortung von Nationalen Glücksspiel Kommissionen. Unsere Kennzeichnung für Glücksspiele wird nur an Spiele vergeben, die Glücksspiel simulieren oder vermitteln, wie es zum Beispiel in Kasino oder an Rennstrecken der Fall ist. Sollte eine Glücksspiel Kommission bekannt geben, dass Lootboxen eine Form von Glücksspiel sind, müssten wir unsere Kriterien entsprechend anpassen."

Die Debatte um Lootboxen in Videospielen und darum, ob sie nun als Glücksspiel gelten oder nicht, wird durch diese Aussagen wohl nicht beendet. Denn sie machen vor allem deutlich, dass eine klare Definition fehlt, wie genau Lootboxen einzustufen sind.

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