MMO-Studie - Wie würde die Menschheit auf das Ende der Welt reagieren?

Forscher haben im Rahmen einer Studie den Charakter-Wipe am Ende des Beta-Tests von ArcheAge mit dem Ende der Welt gleichgesetzt - und interessante Erkenntnisse über das menschliche Verhalten gewonnen.

von Tobias Ritter,
14.03.2017 14:10 Uhr

Skurrile Verkleidungen hat das Ende der Welt in ArcheAge zwar nicht hervorgerufen, wohl aber die soziale Interaktionen unter den Spielern gefördert.Skurrile Verkleidungen hat das Ende der Welt in ArcheAge zwar nicht hervorgerufen, wohl aber die soziale Interaktionen unter den Spielern gefördert.

Überraschend, wozu Online-Rollenspiele in der Wissenschaft gut sein können: Forscher haben anhand von 270 Millionen Datensätzen zum Thema »Spieler-Verhalten« aus dem Fantasy-MMO ArcheAge Rückschlüsse darauf gezogen, wie sich die Menschheit bei einem drohenden Ende der Welt verhalten wird.

Die Wissenschaftler setzten für ihre Studie das Ende der realen Welt mit dem Ende der Closed-Beta-Phase des asiatischen Online-Rollenspiels gleich. Mit dem Übergang in die finale Spielversion wurden dort nämlich mit Vorankündigung auch sämtliche Spielfortschritte und Charaktere gelöscht - psychisch gesehen in deutlich abgemildeter Form ein ähnlicher Effekt wie die Kenntnis über das bevorstehende Ende der realen Welt.

"[...] das Verhalten von Spielern in Online-Spielen ist nicht weit entfernt vom Verhalten von Menschen in der realen Welt. Auch wenn es kein perfektes Abbild ist, glauben wir, dass das Ende des Closed-Beta-Tests eine relativ gute Annäherung an ein Endzeit-Szenario ist. "

Studien-Ergebnis überrascht

Ebenso überraschendes Ergebnis der Studie: Auch wenn es ein paar Ausreißer gab, hat anti-soziales Verhalten in der Spielwelt trotz des bevorstehenden Endes der virtuellen Welt nicht übermäßig zugenommen. Einige Spieler gaben sich zwar dem ungezügelten Player-Killing hin, ein Großteil ging jedoch vermehrt sozialen Interaktionen nach.

"Insgesamt haben die Spieler ihre sozialen Interaktionen untereinander ausgebaut: Sie tauschten deutlich mehr In-Game-Nachrichten aus und erstellten mehr Parties, um dem Gruppenspiel nachzugehen oder High-Level-Quests zu absolvieren."

Spieler-Verhalten nachvollziehbar

Gleichzeitig gingen zudem die Bemühungen einzelner Spieler zurück, ihre Charaktere weiter zu entwickeln, indem sie Quests absolvieren, Erfahrungspunkte sammeln und die Fertigkeiten optimieren. Verständlich, schließlich war abzusehen, dass diese Spielfortschritte bald gelöscht werden.

Dass die soziale Interaktivität zunahm, lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass die Spieler Anschluss und Kontakte für das finale Spiel suchten. Durch Kommunikationsmöglichkeiten außerhalb des Spiels war es möglich, dass Quest-Partnerschaften und digitale Freundschaften das Beta-Ende überdauern. Ein Aspekt, der sich vom Ende der realen Welt unterscheidet und das Studien-Ergebnis möglicherweise ein wenig verwässert.

Dennoch schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen, dass ein bevorstehendes und angekündigtes Ende der Welt zur Stärkung existierender und zum Aufbau neuer sozialer Beziehungen führen wird.

Komplette Studie online verfügbar

Die komplette Studie mit dem etwas sperrigen Titel »I Would Not Plant Apple Trees If the World Will Be Wiped: Analyzing Hundreds of Millions of Behavioral Records of Players During an MMORPG Beta Test« findet sich in der digitalen Bibliothek der Cornell University. Verfasst wurde sie von Ah Reum Kang, Jeremy Blackburn, Haewoon Kwak und Huy Kang Kim.

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