Rocky Balboa - Stallone schlüpft erneut in die Boxhandschuhe

Mit 60 Jahren schlüpft Sylvester Stallone noch einmal in die Boxhandschuhe und versucht die Wiedergeburt einer Figur, die ihn vor über 30 Jahren zum Weltstar gemacht hat.

von Daniel Matschijewsky,
06.02.2007 08:56 Uhr

Angeln, Briefmarken sammeln oder – wenn es hoch kommt – Golfspielen. Das sind in der Regel die Hobbys, die Männer im gehobenen Alter so haben. Nicht aber Sylvester Stallone. In den letzten vier Jahren eher durch notorische Leinwand-Abwesenheit aufgefallen, reanimiert der 60-jährige Hollywood-Star ausgerechnet seine von ihm 1976 ins Leben gerufene Figur des Boxchampions Rocky Balboa für einen weiteren Film. Dass das Drama trotz des Alters seines Hauptprotagonisten und des katastrophal gefloppten Vorgängers Rocky 5 trotzdem etwas taugt, konnten wir in einer Pressepremiere Mitte Januar sehen.

Von wegen Ruhestand

Zur Geschichte: Rocky Balboa (Sylvester Stallone), seit Jahren im wohlverdienten Ruhestand, trauert um seine kürzlich an Krebs verstorbenen Frau. Seinen Schmerz versucht er durch die Arbeit in einem kleinen italienischen Restaurant und den Kontakt zu seinem ihm fremd gewordenen Sohn (Milo Ventimiglia) zu verarbeiten. Als im Sportfernsehen ein virtueller Kampf zwischen ihm und dem amtierenden Schwergewichtsweltmeister Mason Dixon (Antonio Tarver) gezeigt wird, fasst der Ex-Boxer ein neues Lebensziel ins Auge: Ein Showkampf gegen Dixon soll zeigen, dass er es noch immer drauf hat. Und weder die Spottrufe aus der Presse noch die eigenen Altersgebrechen beim Training können Rocky abhalten.

Die Uhr steht nicht still

Die Lästereien bei der Ankündigung von Rocky Balboa waren ebenso hart wie berechtigt. Ein sechster Film? Nach dem finanziellen und inhaltlichen Debakel des fünften Teils? Und dann auch noch mit einem 60-jährigen Hauptdarsteller? Gerade aus diesem Grund hat Autor und Regisseur Stallone gut daran getan, sich und seine Figur so schonungslos ehrlich wie nur irgend möglich zu inszenieren: Rocky ist alt, Rocky ist ausgepowert. Und Rocky hat mit allerhand Problemen zu kämpfen. Das macht den einstigen Boxchampion nahbar und verletzlich und den Film angenehm emotional und glaubwürdig. Die kleine Portion Selbstironie, die Stallone an gut platzierten Stellen einsetzt, unterstützt das und erregt beim Zuschauer nicht selten das eine oder andere Schmunzeln.

Neuer Film, altes Schema

Trotzdem kann die Geschichte nicht darüber hinweg täuschen, dass auch Teil 6 nach genau demselben Schema verläuft wie seine Vorgänger: Die Story wird eingeleitet, der stets übermächtige Gegner vorgestellt, Rocky trainiert, und zum Schluss kommt es zum obligatorischen Schlagabtausch. Letzteren hat Stallone durch rasante Schnitte und derbe Soundeffekte recht brachial inszeniert jeder Schlag tut selbst dem Zuschauer weh. Bis es so weit ist, zieht sich der Film allerdings an vielen Stellen in die Länge. Besonders die zahlreichen Moralpredigten über Selbstbewusstsein, Mut und Toleranz stören gelegentlich die ansonsten interessante Geschichte.


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