Surrogates: Mein zweites Ich - Action-Thriller mit Bruce Willis

Bruce Willis ist zurück. In seinem neuesten Action-Thriller Surrogates: Mein Zweites Ich deckt er eine gewaltige Verschwörung in der Zukunft auf. Ein aufregendes Abenteuer?

von Christian Mester,
22.01.2010 16:22 Uhr

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass Bruce Willis zuletzt als John McClane über die Bühne jagte. Stirb Langsam 4.0 war ein Riesenerfolg und überraschte Fans mit sensationeller, wenn auch leicht übertriebener Action, herrlich zynischen Onelinern und äußerst unterhaltsamer Regie. Dem Macher des Films, Len Wiseman, bot man auf Grund des großen Erfolgs umgehend einen fünften Teil der Reihe an, doch Wiseman lehnte dankend ab - bis heute.

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Auch Bruce Willis hat in den vergangenen drei Jahren nur wenig von sich hören lassen. Neben kleineren Gastrollen in der Splatter-Hommage Grindhouse: Planet Terror, dem Kinderfilm Nancy Drew, der Satire Inside Hollywood und dem DVD-Titel Lange Beine, kurze Lügen gab es nur eine einzige Hauptrolle: die der Verfilmung des Science-Fiction Comics Surrogates: Mein zweites Ich. Regie führt der Macher von Terminator 3 - womit der Film eigentlich ein Highlight werden müsste. Oder doch nicht?

Plastik und Schrauben

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Die Gesellschaft der Zukunft ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. Menschen verlassen ihre Häuser nicht mehr und steuern stattdessen robotische Ersatzkörper, die wie perfekte Versionen ihrer selbst aussehen. Der aufrichtige Polizist Tom Greer (Bruce Willis) führt ebenfalls ein solches Leben, ist damit aber ziemlich unglücklich. Er vermisst seine geliebte Frau (Rosamund Pike). Diese hat ihr Zimmer seit Jahren nicht mehr verlassen und versteckt sich - wie alle anderen Menschen - hinter ihrem makellosen Robotergesicht.

Alles ändert sich, als die Existenz der Ersatzkörper eines Tages einer gewaltigen Bedrohung gegenüber steht. Mysteriöse Rebellen haben eine Spezialwaffe entwickelt, deren Entladung nicht nur den künstlichen Körper, sondern auch den zu Hause steuernden Besitzer tötet. Greer und seine Kollegin (Radha Mitchell aus der Game-Verfilmung Silent Hill: Willkommen in der Hölle) kommen einer tödlichen Verschwörung auf die Spur und ermitteln bald gegen einen Priester (Ving Rhames), der die Menschen zurück zur Natürlichkeit führen will.

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Nachgelötet

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Es ist für kurze Zeit recht lustig zu sehen, wie Bruce mit perfekter Fönfrisur und faltenfreier Haut durch die Gegend hechtet. Allerdings macht Surrogates aus seiner interessanten Idee sogar noch weniger als der Film Gamer. In beiden Titeln geht es um die fragwürdige Entwicklung der Gesellschaft, in der Menschen Grenzen der Bequemlichkeit überschreiten und ihre Menschlichkeit gänzlich zurück lassen. Beide Ideen bieten Stoff für starke Sozialkritik, doch beide machen nichts draus. Während die Zukunft der Computerspiele in Gamer platt und vereinfacht abgehandelt wird, bleibt Surrogates wie Bruce Willis’ Ersatzkörper: kalt, künstlich und emotionslos. Man kommt erst gar nicht dazu, Emotionen in die schlecht geschriebene Handlung zu investieren, da die Ermittlung und Hauptfiguren schlichtweg anöden.

Schon zu Beginn fällt es schwer, die seltsame Idee der Ersatzkörper zu akzeptieren. Dadurch kann man sich nur schwerlich auf die Seite der Cops schlagen. Die Lethargie Greers wirkt sich kurzerhand von der Leinwand auf den Zuschauer aus. Die Hauptfigur bleibt ständig gelangweilt, wirkt müde und ist kein Vergleich zum wunderbar charismatischen Antihelden John McClane. Alle anderen Figuren sind ebenso einsilbig und grenzen teilweise sogar ans Lächerliche. So wird es vielen sicherlich schwer fallen, nicht über Ving Rhames von unheilvollen Prophezeiungen schwafelnden Rastapriester zu lachen.

Kurzschluss

Für Gamer sprach wenigstens, dass die Macher ihre Rahmenhandlung nur präsentierten, um rasante Actionszenen zu zeigen. Bruce Willis ist allerdings kein Neuling des Genres. Selbst die Kran-Verfolgungsjagd in Terminator 3: Aufstand der Maschinen gehörte mit zu den besten Actionszenen der letzten zwanzig Jahre. In dieser Hinsicht enttäuscht Surrogates aber auf der ganzen Linie.

Dafür, dass die Geschichte in der Zukunft spielt, sieht der Film überraschend unkreativ aus. Versuchten sich Titel wie I Robot, Die Insel und Minority Report an visuell interessanten Einrichtungen, Alltagsfeatures und Waffentechnologien zu orientieren, ist derartiges in Surrogates nicht zu finden. Die Welt ist einfallslos, schrecklich eintönig und wird ebenso präsentiert. Dies führt dazu, dass man bereits in der Mitte des Films hofft, dass irgendwer gegen Ende den ganz großen Stecker zieht.

Fazit

Christian Mester (bereitsgesehen.de): Eine gewaltige Enttäuschung. Der neue Willis ist langweilig inszeniert, gelangweilt gespielt und sieht auch noch langweilig aus. Dann besser Gamer noch einmal sehen, da scheppert es wenigstens ordentlich.

Kinokritik in Kooperation mit bereitsgesehen.de.

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