Steam Tipp des Tages : Elenas Steam-Tipp zeigt, dass Spiele mehr sein können, als nur Unterhaltung. Elenas Steam-Tipp zeigt, dass Spiele mehr sein können, als nur Unterhaltung.

Können Spiele Kunst sein? Eine Frage, die immer wieder aufgeworfen und heiß diskutiert wird. Für manche reicht alllein eine kreative Leistung für den Kunst-Stempel, andere sind der Ansicht, dass Kunst mehr leisten muss als »nur« zu unterhalten. Es muss allerdings nicht immer kontrovers sein: Für mich entscheidet auch das Indie-Spiel Never Alone zwar die Kunstfrage nicht für sich, zeigt aber trotzdem einmal mehr, dass Spiele so viel mehr sein können, als ihnen gemeinhin zugetraut wird.

Und das momentan schon für runde drei Euro bei Steam. Wer möchte, kann für nur 60 Cent mehr auch das Gesamtpaket mit dem empfehlenswerten DLC Foxtales kaufen. Separat kostet das Addon 1,99 Euro. Insgesamt erhält man damit einen soliden Puzzle-Plattformer mit Koop-Modus. Ein echtes Schnäppchen, aber nicht der Grund, warum ich Never Alone hier empfehlen möchte.

Die an Limbo und Seasons after Fall erinnernde Spielmechanik macht vor allem zu zweit eine Menge Laune, hat aber durchaus ihre Macken: die schwammige Steuerung, einige Glitches und teils frustige Sprung- und Rätselpassagen reißen mich immer wieder unsanft aus der stimmigen Arktisatmosphäre. Also lieber Finger weg? Nein, denn Never Alone oder auch Kisima Ingitchuna ist trotzdem ein einzigartiges Spielerlebnis, und ich bin froh, dass ich ihm trotz aller spielerischen Mängel eine Chance gegeben habe.

Hier geht's zum GameStar-Test zu Never Alone

Hier geht's zum Deal bei Steam

Ich bin ein Inuit!

Never Alone - Screenshots aus dem Foxtales-DLC

Der mysteriöse Untertitel Kisima Ingitchuna liefert einen ersten Hinweis darauf: Das bedeutet »Ich bin nicht allein« in der Sprache der Iñupiat, einem Inuit-Stamm in Alaska. Dieses Volk war über den Cook Inlet Tribal Council maßgeblich an der Entwicklung des Titels beteiligt. Die gemeinnützige Organisation will dem Spieler darüber die Kultur und die Geschichten der Ureinwohner Alaskas näherbringen - Never Alone ist nicht nur ein Spiel, es ist auch eine spielbare Dokumentation, und das fasziniert mich bis heute.

Als das Iñupiat-Mädchen Nuna erkunde ich das eisige Alaska zusammen mit meinem Weggefährten: einem Polarfuchs. Während ich Kisten verschiebe, auf Plattformen springe, gefährlichen Wettbedingungen und Gegnern ausweiche oder mich clever mit meinem viel flinkeren Fuchskollegen abstimme, spüre ich jederzeit die Kultur der Inuit.

Über die Kapitel hinweg berichtet mir ein Erzähler immer wieder von den Sagen seines Volkes, von einem nie enden wollendem Schneesturm, der das Land bedroht, dem fürchterlichen Manslayer, der mich verfolgt und den Sky People, geisterhafte Wesen, die mein Fortkommen beeinflussen können und damit auch spielerische Relevanz haben. Selbst das wunderschöne Artdesign erinnert in seiner Einfachheit immer wieder an Schnitzereien und Gravierungen der Inuit-Völker.

Dadurch werden mir die Geschichten der Iñupiat nicht einfach nur erzählt, ich erlebe sie und lerne dabei eine völlig fremde und eigenwillige Kultur kennen. Am Ende jedes Kapitels gibt es außerdem nicht nur ein bloßes Achievement zur Belohnung, sondern jeweils einen Film-Abschnitt einer wirklich sehenswerten Inuit-Dokumentation. Damit erfahre ich Stück für Stück immer mehr über das Volk hinter den Legenden und verstehe immer besser, wie Lebensweise und Geschichten zusammenhängen.

Wissen macht Spaß

Klar, Never Alone ist nicht der beste Puzzle-Plattformer auf Steam: Spielerisch ein wenig ausgefuchster ist das kürzlich erschienene Seasons after Fall und wer auf Action steht, sollte eher zum viel gelobten Ori and the Blind Forest greifen. Aber Never Alone ist eben mehr als ein spaßiger Mix aus Rätseln und Plattformer-Passagen. Der Titel zeigt mir, wie genial und einfach Spiele eigentlich historische oder kulturelle Themen vermitteln können, ohne dass sie gleich Meilensteine der Geschichte sein müssen. Die Verweise auf die Inuit wirken zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt und ich habe auf einmal großen Spaß daran mehr über ein Volk zu erfahren, zu dem ich vorher überhaupt keinen Bezug hatte - im Fall des Iñupiat-Stammes sogar nicht einmal von seiner Existenz wusste.

Seasons after Fall im Test: Flauschiges Indie-Kunstwerk

Eine bloße Film-Dokumentation hätte das wohl höchstens irgendwann in einer schlaflosen Nacht geschafft, wenn mir die Augen eh schon zufallen - und ich bis zum Morgen alles längst wieder vergessen. Hier gehen Spielerlebnis, Geschichte und Hintergründe aber Hand in Hand und lassen mich eine fremde Kultur wirklich intensiv erleben.

Ähnlich wie ein Assassin's Creed 2, das mir damals parallel zum Kunstunterricht all die großartigen Bau- und Kunstwerke der Renaissance näherbrachte, die Städte wie Florenz ausmachten. Spiele haben ein großartiges Potenzial uns eben spielerisch und interaktiv Wissen zu vermitteln, es wäre eine vertane Chance, das nicht öfter zu nutzen.