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»Schießen Sie bitte in den Kopf!« | Seite 3

Interview mit dem USK-Cheftester

»Es gibt keine Zensur«

»Schießen Sie bitte in den Kopf!« : Das Vampirspiel Blood Rayne 2 (ab 18) erschien hierzulande ohne Bluteffekte. Das Vampirspiel Blood Rayne 2 (ab 18) erschien hierzulande ohne Bluteffekte. Spieler kritisieren oft, die Alterskennung der USK käme Zensur gleich. Bloodrayne 2 etwa zeigt kein Blut, was bei einem Vampir-Spiel wie Realsatire wirkt. Warum ist das keine Zensur?

Marek Brunner: Es ist keine Zensur, weil es keine staatlichen Auflagen für die Medien gibt. Jedes Spiel darf in Deutschland an Erwachsene abgegeben werden. Erst durch die USK wird ein Verbreitungsprivileg vergeben, Spiele auch Jüngeren zugänglich machen zu können. Der Anbieter ist Herr des Verfahrens, bei der USK wird nicht geschnitten. Wir stufen das ein, was bei uns eingereicht wird. Wenn der Anbieter eine Indizierung befürchtet, ändert er sein Spiel. Es gibt aber noch andere Gründe: Mit der gekennzeichneten Fassung kann auch über die Indizierung der Originalversion hinaus Werbung gemacht werden. Anbieter riskieren höchst selten einen Titel, der eventuell schon morgen nicht mehr beworben und ausgestellt werden darf. Das ist verständlich.

Hersteller versuchen oft, für einen Titel eine niedrigere Alterseinstufung zu erhalten. Wir haben gehört, es geht kurioserweise auch umgekehrt ?

Marek Brunner: Natürlich ist es für Hersteller von Erotikspielchen alles andere als marketingtauglich, wenn die Obersten Landesjugendbehörden in Zusammenarbeit mit der USK ein »ab 12« vergeben. Dann stehen schon mal verdutzte Vertreter in der Tür und erklären uns die Wichtigkeit von Jugendschutz und sozialer Verantwortung. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Erotikspiele mit der 12 sich nicht verkaufen. Allerdings gibt es keinen Spielraum für die Entscheidung. Die Gutachterinnen und Gutachter entscheiden unabhängig und sind nicht an die Wünsche der Anbieter gebunden.

»Schießen Sie bitte in den Kopf!« : Die höchsten USK-Ratings über die Jahre: ab 18 wächst, ab 16 schrumpft. Die höchsten USK-Ratings über die Jahre: ab 18 wächst, ab 16 schrumpft. Wer sich die USK-Statistik von 1999 bis 2008 anschaut, der sieht: Immer mehr Titel werden »ab 18« einstuft. Beugen Sie sich politischem Druck?

Marek Brunner: An den Prüfkriterien hat sich nichts signifikant geändert. Auch die Spiele sind nicht zunehmend brutaler geworden. Die Spielkonzepte sind seit Jahren sehr ähnlich, lediglich die Darstellung und die Umsetzung haben sich weiterentwickelt. Was sich verändert, ist das Angebotssortiment. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich beispielsweise auf der PC-Plattform der Anteil von 18er-Titeln statistisch erhöht hat, weil weniger in den unteren Altersregionen produziert wird. Hier haben sich viele Entwickler aus dem Segment der Kindersoftware auf den Nintendo DS spezialisiert und damit die Plattform gewechselt. Aber die USK-Statistik ist kein Marktabbild, sondern ein USK-Prüfungsabbild und darf auch nur als solches verstanden werden.

Wie entwickeln sich die Zahlen bislang 2009?

Marek Brunner: Der Casual-Trend bleibt auf hohem Niveau. Titel ohne Altersbeschränkung und ab sechs Jahren machen zwei Drittel des gesamten Prüfaufkommens aus. Erneut sehen wir einen fünfprozentigen 18-plus-Bereich, die 16er-Sparte wird schwächer und schwächer.

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Avatar Oxix
Oxix
#1 | 24. Jul 2009, 16:43
Guter Bericht!
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Avatar Rollora
Rollora
#2 | 24. Jul 2009, 16:55
Zitat von Oxix:
Guter Bericht!

nennt sich Interview ;-)
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Avatar Damian_Walker
Damian_Walker
#3 | 24. Jul 2009, 16:59
Spannendes Interview. Das sollten auch einmal die Politiker zu Gesicht bekommen ;).
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Avatar TheRauner
TheRauner
#4 | 24. Jul 2009, 17:00
sehr sympathisch der herr brunner :)
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Avatar Raging Bull
Raging Bull
#5 | 24. Jul 2009, 17:03
"Wie fühlt es sich an, wenn die eigene Arbeit mit derartigen Aktionen lächerlich gemacht wird?"
Das ist schon eine ziemlich suggestive Fragestellung (weiß der Fragesteller schon vorher die einstellung des befragten zum Thema?) die sich zum Glück nicht wiederholt. Ein einfaches "Wie fühlen Sie sich dabei?" wäre besser gewesen.
Ansonsten guter Artikel.
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Avatar Spyhunt
Spyhunt
#6 | 24. Jul 2009, 17:08
Wirklich super Interview! So ein "Blick hinter die Kulissen" kann viele Missverständnisse ausräumen.
Aber mein absolutes Lieblingszitat ist:

"Natürlich ist es für Hersteller von Erotikspielchen alles andere als marketingtauglich, wenn die Obersten Landesjugendbehörden in Zusammenarbeit mit der USK ein »ab 12« vergeben. Dann stehen schon mal verdutzte Vertreter in der Tür."

LOL Den Blick würde ich gerne mal live sehen :-D
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Avatar DUDI1969
DUDI1969
#7 | 24. Jul 2009, 17:09
gutes Interview... :)

Das sollten mal einige der politiker lesen, die ständig gegen "Killerspiele" sind... :D
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Avatar Xardo
Xardo
#8 | 24. Jul 2009, 17:18
Ich frage mich immer was es mit dem "in den Kopf schießen" auf sich hat. Ist es brutaler/bedenklicher virtuell jemanden in den Kopf anstatt an eine andere meist tödliche Stelle zu schießen?
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Avatar Oxix
Oxix
#9 | 24. Jul 2009, 17:19
Zitat von Rollora:
Zitat von Oxix:
G uter Bericht!

nennt sich Interview ;-)


Ich war am zocken. :P
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Avatar SethSteiner
SethSteiner
#10 | 24. Jul 2009, 17:19
Die USK betreibt keine Zensur? Anscheinend geht hier die Definition von Zensur auseinander, nur weil hier eine nicht staatliche Institution Freigaben erteilt. Es IST aber eine Zensur, wenn man die Entwickler oder Künstler zwingt ihre Produkte zu verändern oder sogar den Markt durch ihre Entscheidungen einschränkt.

Die USK bewertet zu streng, obwohl es zuwenig wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, wodurch weniger Spiele auf den deutschen Markt kommen oder zerschnippelt werden müssen.

Die USK kann eine Freigabe einfach nicht erteilen, was auf den Konsolen den sofortigen Tod bedeutet, denn Microsoft, Sony und Nintendo erlauben soetwas hier nicht.

Diese Beschneidung des Marktes, führt nicht nur dazu das weniger Spiele erhältlich sind, sondern das der Konsument eine kleinere Auswahl erhält, sowohl was Alte als auch was Jüngere Konsumenten angeht. Es beeinflußt die Wesensbildung der Jugendlichen, es schädigt die deutsche Marktwirtschaft und am schlimmsten: Es ist einfach eine Einschränkung der Freiheit ohne wissenschaftlichen Rückhalt.

Ergo: ZENSUR
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