Zum Thema » Trailer zu Django Unchained Szenen aus dem Film » Pressekonferenz Tarantino, Washington, Jackson Ein starkes Thema des Films ist Rache. Kann Rache manchmal die Lösung von Problemen sein?
Quentin Tarantino: Der Film dreht sich nicht primär um Rache. Django sucht nicht Rache. Er geht nicht zur Candyland-Farm mit dem Vorsatz, alles in die Luft zu jagen. Er will vielmehr seine Frau Broomhilda retten. Aber es ist auch klar, dass der Film nicht zufriedenstellend wäre, wenn der ursprüngliche Rettungsplan funktionieren würde. Dann wäre am Ende Schultz der Held und nicht Django. Django muss sich also so verhalten und später wieder zur Plantage zurückkehren, um zu einem richtigen Helden zu werden und nicht nur der Sidekick von Schultz zu bleiben. Deswegen lautet die Antwort, dass zumindest in meiner Art von Fiktion Rache die Lösung sein kann, im realen Leben eher nicht.

Interview mit Quentin Tarantino zum Film Django Unchained : Quentin Tarantino hat seinen Film Django Unchained in Berlin vorgestellt. Quentin Tarantino hat seinen Film Django Unchained in Berlin vorgestellt. Mittlerweile haben aber alle ihre Filme das Thema Rache. Wird das jetzt zur Gewohnheit?
Quentin Tarantino: Okay, Rache war das Thema meines Martial Arts-Films Kill Bill, meines Zweiter-Weltkrieg-Films Inglourious Basterds und meines Westerns Django Unchained. Das liegt an den Genres, in denen die Filme ihre Wurzeln haben. In Reservoir Dogs und Jackie Brown ging‘s aber nicht um Rache.

Wie schon in Inglourious Basterds nehmen Sie sich in Django Unchained sehr viele Freiheiten, wie Sie Geschichte interpretieren. Sind Sie der Ansicht, dass man in Filmen die Gerechtigkeit liefern kann, die es im echten Leben nicht gibt?
Quentin Tarantino: Ja, ich denke schon, dass fiktionale Werke mit geschichtlichem Hintergrund eine Katharsis bieten können. Opfer der Geschichte können darin ihren Traum nach Rache und Genugtuung ausleben.

Interview mit Quentin Tarantino zum Film Django Unchained : Django Unchained nimmt sich Italo-Western zum Vorbild. Django Unchained nimmt sich Italo-Western zum Vorbild. Man hat fast das Gefühl, dass Sie Spaß daran haben, die Geschichte umzuschreiben. Wenn Schultz etwa sagt, er könne nicht widerstehen, ist es vermutlich vor allem Tarantino, der da zu uns von der Leinwand spricht?
Quentin Tarantino: Ja, natürlich. Der Grund, weswegen ich Django Unchained und Inglourious Basterds gemacht habe, war hautsächlich, dass die Leute durch die Katharsis ihre Gefühle ausleben sollen. Ich hatte aber nicht nur Juden und Schwarzamerikaner im Kopf, die es direkt betrifft. Ich bin der Ansicht, dass wir alle die Perspektive der handelnden Personen annehmen, wenn wir diese Geschichten sehen. Das ist mir vor allem bei Inglourious Basterds hier in Deutschland aufgefallen. Überall auf der Welt fragten mich die Leute, ob die Deutschen den Film hassen würden. Ich konnte nur antworten, dass wenn es irgendwo auf dieser Welt außer den Juden Leute mit Hitler-Tötungsphantasien gibt, es mit Sicherheit die Deutschen der letzten drei Generationen sind. Der Erfolg von Django Unchained in den USA gibt mir Recht: Die Schwarzen sehen den Film mit den Augen von Django und bekommen so ihre kathartische seelische Läuterung.