Zum Thema » Kino-Kanal auf GameStar.de Kritiken, News und Trailer » Trailer zu Kinofilmen Interviews und Trailer im Überblick Großartige Filmklassiker und großspurigen Scheiß. Es gibt nicht viele Regisseure die beides abdecken. Francis Ford Copola ist so einer. Ridley Scott ebenfalls. Und mit einem ganz besonderen Paukenschlag darf man auch Luc Besson in dieser erlauchten Runde begrüßen. Wie Besson es schafft, nach Meisterwerken wie Nikita, Leon der Profi oder zumindest Genre-Klassikern wie Das fünfte Element einen Film wie Lucy abzuliefern, wird wohl eine der großen Fragen des Kinojahres 2014 bleiben.

Viel zu sehen war von dem einst so gefeierten Franzosen zuletzt ohnehin nicht mehr, einzig als Produzent war sein Name auf den Plakaten so ziemlich jedes europäischen Actionfilmes der letzten zehn Jahre zu sehen. Die druckvolle Dynamik eines 96 Hours - Taken oder die verschmitzte Comicgewalt eines Transporter, beide von ihm produzierte Werke, erreicht er selbst als Regisseur aber nie - das Actionkino dominieren mittlerweile scheinbar seine eigenen Zöglinge.

Drogen machen doch nicht dumm?

Dabei hat Lucy eigentlich relativ gute Vorrausetzungen. Die erste: Scarlett Johansson. Wo auch immer die blonde Dame hineingecastet wird - das Publikum will es sehen. Johanssons Mischung aus rauem Charme und Sexappeal passt dann auf dem Papier auch ganz vorzüglich zu Lucy, der Hauptfigur, die als unfreiwilliger Drogenkurier eine neuartige Droge in die USA schmuggeln soll, dabei aber selbige in den Blutkreislauf aufnimmt - und plötzlich zur eiskalten Killerin mit Superkräften mutiert.

Warum sie ganz urplötzlich und von einer Szene auf die nächste zur Superwaffe wird, die komplizierte Kampftechniken beherrscht und Schusswaffen perfekt benutzen kann? Gute Frage. Stellen sollte man die sich aber während des Films besser nicht, wie so viele weitere Fragen auch. Der Film erklärt diesen Umstand mit seiner Prämisse: die absorbierte Droge erweitert die Kapazität von Lucys Gehirn schrittweise auf die vollen 100 Prozent.

Lucy
Zu Beginn ist Lucy noch das naive Dummchen.

Allein diese Erklärung reicht Luc Besson um im Folgenden jeden noch so absurden Quatsch auf seine Zuschauer loszulassen, die das alles brav zu schlucken haben, weil - ja weil Lucy nun mal 100 Prozent ihres Verstandes nutzt. Deswegen! Warum sie also nun Autofahren kann, obwohl sie dies laut eigener Aussage nie zuvor getan hat? Na weil 100 Prozent halt! Waffen? 100 Prozent! Teleportation, Zeitmanipulation, Transformation? Na... man kann es sich denken.

Odyssee im Kinosaal

Nun ist das natürlich immer so eine Sache mit der Glaubwürdigkeit und den Logiklöchern in so einem glasklar auf Entertainment getrimmten Actionfilm. Aber hier geht mit Besson, der auch das Drehbuch geschrieben hat, derart krass die - pardon - Luzie ab, dass das Ergebnis wirklich meilenweit über das Ziel hinaus schießt. Gerade gegen Ende wird die anfangs eigentlich gar nicht uninteressante Idee so abgehoben und hanebüchen, dass es weh tut und man sogar Vergleiche zum Finale von Stanley Kubricks 2001 - Odysee im Weltraum ziehen kann - allerdings natürlich ohne die geniale Ebene des Sci-Fi-Klassikers.

Dabei gab es diesen Film, oder zumindest seine Grundidee doch bereits, und auch noch besser umgesetzt. Ohne Limit aus dem Jahr 2011 hatte im Grunde exakt die selbe Idee, aber verankerte diese sehr gekonnt in der Realität und versuchte die natürlich comichafte Story zumindest nachvollziehbar zu erklären. Wenn Bradley Cooper dort plötzlich Karatetritte auspackte, dann weil er dies schon mal irgendwann in einem Bruce-Lee-Klassiker gesehen habe, erklärt er dann. Und wir als Zuschauer denken: ja, das kommt hin - irgendwie.

Lucy hat mit derlei Problemen aber nicht nur im normalen Storyverlauf zu kämpfen. Ungereimtheiten und schlicht lächerliche Sequenzen werden mit einer Konsequenz wiederholt und offen ausgestellt, dass man fast parodistische Ambitionen vermuten müsste. Doch der Tonfall von Lucy ist tragischerweise ausgesprochen ernst - eine leichtfüßigere Note, wie sie etwa Ohne Limit besaß, hätte dem Film mehr als gut zu Gesicht gestanden.