Artikel

Die Artikel-Übersicht auf GameStar.de mit Previews, Hintergrund-Berichten, Reports, Kolumnen, Interviews, Kinofilm-Kritiken und mehr.

Kolumne: Gamescom-Fazit

Konnte überzeugen, aber nicht begeistern

203.000 Besucher waren 2008 auf der Games Convention in Leipzig. 245.000 Besucher sollen auf der Gamescom in Köln gewesen sein. Diese Zahl, 245.000, sagt: die Gamescom war ein Erfolg. Transplantation geglückt, Deutschland hat weiterhin eine bedeutende Spielemesse, die aus dem Stand die bestbesuchte der Welt ist. Das beeindruckt und beruhigt.

Von Christian Schmidt |

Datum: 27.08.2009


Gamescom-Fazit : Der Nordeingang des Kölner Messegeländes Der Nordeingang des Kölner Messegeländes Nur: Zu einer bedeutenden Spielmesse gehört weit mehr als ein Besucherrekord, der im riesigen Einzuggebiet des Ruhrpotts nicht nur zu erwarten, sondern eine Selbstverständlichkeit war; alles unter 200.000 Besuchern wäre für Köln eine Demütigung gewesen. Die gamescom in Köln hat einen gelungenen Auftakt ohne offensichtliche Pannen hingelegt, und sie hat Leipzig numerisch locker geschlagen. In vielen anderen Feldern blieb die neue Messe aber hinter der Games Convention zurück. Die gamescom konnte überzeugen, aber nicht begeistern.

Es mag da nur eine kleine Rolle spielen, dass die Kölner Messehallen mit ihrem kühlweißen Hauptgang - wie fast jeder Messeveteran anmerkte - wesentlich steriler wirken als das architektonisch interessante Leipziger Messezentrum. Details, Details. Aber solche Beobachtungen sind symptomatisch dafür, dass der Kölner Messe bislang der Charme abgeht. Leipzig war auch deshalb beliebt, weil für eine Woche die ganze Stadt als Spielerherz zu pulsieren begann. In Köln spielte sich die Games-Begeisterung im Wesentlichen innerhalb des Messegeländes ab. Drinnen Spiele, draußen Köln. Dabei fehlte es der Stadt und den Organisatoren nicht am Willen, nur wohl an der Tradition: Leipzig ist über sechs Jahre mit der Messe gewachsen. Die Kölner müssen sich erst mal mit ihr anfreunden.

Gamescom-Fazit : Am Bizzard-Stand sorgten lange Schlangen für entsprechende Wartezeit. Am Bizzard-Stand sorgten lange Schlangen für entsprechende Wartezeit. Wesentlich schwerer wiegt, dass die großen Aussteller offensichtlich nicht auf den Publikumsandrang vorbereitet waren. Seit einigen Jahren fahren die großen Publisher ihren Aufwand bei Messeständen zurück; Wirtschaftskrise und generelle Vorsicht wegen des Messe-Neuanfangs in Köln mögen zusätzlich dazu beigetragen haben, dass die Angebote trotz großer Standflächen konservativ geplant waren. Vor allem Microsoft hielt sich stark zurück, die vergleichsweise kleine Ausstellungsfläche stand in keinem Verhältnis zur Bedeutung des Xbox-Herstellers. Entsprechend wurden die Stände vor allem am Wochenende von Besuchern regelrecht überflutet. Bis zu vier Stunden mussten Geduldige warten, um bei Blizzard Diablo 3 anspielen zu können; auch bei praktisch allen anderen großen Herstellern waren stundenlange Wartezeiten notwendig. Am Samstag mussten die Hallen teilweise wegen Überfüllung geschlossen werden. Das kannte man zwar auch von der Games Convention. Aber dort verteilten sich die Besucher besser auf die Attraktionen.

Die Wartezeiten drückten auf die Stimmung vieler Besucher: Zu viele Menschen, zu wenig zu sehen und zu tun. Das muss sich nächstes Jahr ändern.

Dass die gamescom im Schatten der neu erstarkten E3 steht, die im Juni in Los Angeles stattfand, zeigte sich vor allem bei dem Spielen. Für Fachbesucher war das Programm ernüchternd. Außer Fable 3 für die Konsolen und Guild Wars 2 für den PC gab es auf der gamescom keine Neuankündigung von Weltrang. Hinter den Kulissen wurden oft Versionen gezeigt, die man bereits von der E3 kannte. Weil neue Informationen und neues Material vergleichsweise dünn gesät waren, blieb die Berichterstattung der Fachmedien deutlich hinter der E3 zurück. Das Medienecho der gamescom im Fernsehen, im Radio und in Tageszeitungen war groß, von der Tagesschau bis zum Regionalsender berichtete fast jeder aus Köln, was die Spiele für ein paar Tage prominent ins Licht der Öffentlichkeit rückte. Nur war das bei der Games Convention in Leipzig ganz genauso.

Was hinter den Kulissen an starken Spielen fehlte, machte dafür das Angebot an den Ständen wett. Die große Stärke der deutschen Spielemesse ist seit jeher, dass sie für jedermann offen ist, nicht nur (wie die E3) für Fachleute. Entsprechend konnten die Besucher viele kommende Blockbuster selbst anspielen, von Need for Speed: Shift über Risen und Starcraft 2 bis hin zu Operation Flashpoint: Dragon Rising. Wer die Wartezeiten verschmerzen konnte oder bereits am wesentlich ruhigeren Donnerstag da war, bekam auf diese Weise einen einzigartigen Überblick über die Hits des Herbsts. Daneben sorgten zahlreiche Bühnenprogramme (allen voran das von Sony am Playstation-Stand), Show-Aktionen und kreativ gekleidete Hostessen für ein Unterhaltungs-Grundrauschen in den Hallen, das dem von Leipzig ebenbürtig war.

Gamescom-Fazit : Am GamePro und GameStar-Stand moderierten Alexandra Polzin und Fabian Siegismund. Am GamePro und GameStar-Stand moderierten Alexandra Polzin und Fabian Siegismund. Besonders erfolgreich war die Messe – soviel Eigenlob darf sein – für GamePro und GameStar. Am großen Stand in Halle 6 sammelte sich durchgehend eine Traube von Menschen vor der Bühne und verstopfte den Weg zum Bethesda-Stand; auf der Bühne gaben sich Prominente wie der Hip-Hopper Afrob, Spieledesigner wie das Risen-Team und Redakteure die Klinke in die Hand, unterhaltsam präsentiert von der Profi-Moderatorin Alexandra Polzin und unserem hauseigenen Naturtalent Fabian Siegismund. Am Freitagabend gab’s als Krönung die Abo-Party in der Nachtschicht, die beinahe aus den Nähten platzte. Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Gäste dort genauso viel Spaß hatten wie wir; jedenfalls legen die zahlreichen Beweisfotos das nahe.

Die nächste gamescom ist schon angekündigt: vom 18. bis 22. August 2010. Dann sind in Nordrhein-Westfalen, anders als dieses Jahr, noch Schulferien. Die Messe und die Aussteller dürfen sich schon mal darauf einstellen, was das für die Besucherzahlen bedeutet.

Mehr zur gamescom:

» Das Fazit-Video zur gamescom 2009 ansehen
» Alle Videos der gamescom 2009 im Überblick
» Alle Bilder der gamescom 2009 auf GameStar.de ansehen

» Gamescom-Übersicht mit allen messerelevanten Artikeln

Gamescom Impressionen
Diesen Artikel:   Kommentieren (35) | Drucken | E-Mail
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
Avatar Salenca
Salenca
#1 | 27. Aug 2009, 15:41
Hm, naja, ich war am Freitag dort und zumindest an dem Tag war alles relativ locker und entsspannt. Klar, vor Diablo und Starcraft gabs auch lange Schlangen, aber die spiele interessierten mich eh nicht. Ansonsten musste ich eig nie allzu lange warten, bis ich was anstesten konnte, eig nie mehr als ne halbe Stunde. Aber an den Wochenenden ist es ja erfahrungsgemäß voller. NAachdem ich schon letztes Jahr in Leipzig am Samstag wegen Überfüllung nix sehen konnte, war ich dieses mal eben so schlau, am Freitag zu gehen, da war sogar der Eintritt noch billiger ;)
rate (10)  |  rate (2)
Avatar SocialHazard
SocialHazard
#2 | 27. Aug 2009, 15:42
sehr gutes Fazit. Ich fands auch sehr schade dass es nichts wirklich neues gab. Selbst von Guild Wars 2 hatte ich mehr als nur einen Render-Trailer... xD
rate (35)  |  rate (3)
Avatar Triski
Triski
#3 | 27. Aug 2009, 15:51
ich fand's nur am samstag sehr krass. an den übrigen tagen ware die gamescom zwar gut besucht aber nicht überfüllt. allerdings war klar, dass, wenn gamestar, activision blizzard, ea, bethesda und bioware in einer halle ihre stände haben, sich dort die pc-spielerschaft konzentrieren wird.

das nächste mal kann man das ruhig besser machen, aber ich konnte dafür viel lol, wolfenstein, wii und playstation spielen.
rate (5)  |  rate (0)
Avatar Marv91
Marv91
#4 | 27. Aug 2009, 15:58
fand sie auch sehr gut.nur das gebotene war manchmal enttäuschend...zum bsp. die video-präsentation von assasin's creed 2, über eine stunde gewartet um ein video von einem level zu sehen was man schon wochen davor ausgiebig im internet sehen konnte, solche sachen finde ich schon recht schwach:P
rate (20)  |  rate (0)
Avatar Bsyc
Bsyc
#5 | 27. Aug 2009, 15:58
Das nächste mal sollten die großen Publisher sich besser über das Gelände verteilen und nicht alle in einer Halle sein.
Das würd den Menschenandrang schonmal ein wenig lindern denke ich.
Neben Fable 3 und Guild Wars 2 wurde aber auch noch Dust 514 von CCP angekündigt, welches wieder etwas ganz neues wird.
rate (8)  |  rate (0)
Avatar jonnysonny
jonnysonny
#6 | 27. Aug 2009, 16:02
also das mit assassins creed 2 fand ich auch extrem enttäuschend....
rate (7)  |  rate (0)
Avatar Hmm
Hmm
#7 | 27. Aug 2009, 16:08
Interessant, das immer von 203.000 gegen 245.000 Besuchern gesprochen wird.
Soweit ich das verfolgen konnte sind die 245.000 aus Köln die zusammengerechneten Fachbesucher plus "normale" Besucher, während die 203.000 aus Leipzig nur die "normalen" Besucherzahlen darstellen.

Vielleicht sollte man das dahingehend ändern das für Köln von 228.000 Besuchern gesprochen wird, oder eben für Leipzig von 217.600 Besuchern, oder seh ich da was falsch? ;-)
rate (38)  |  rate (5)
Avatar ElChupacabra
ElChupacabra
#8 | 27. Aug 2009, 16:19
Ich war direkt am Donnerstag auf der Messe und war angenehm überrascht, wie gut man doch durch die Hallen schlendern konnte ohne sich an verschwitzten Menschenmassen vorbeitquetschen zu müssen, denn die Klimatisierung war auch recht gut.

Allerdings war ich von einigen Dingen schwer enttäuscht, so z.B. von Modern Warfare 2. 1 Stunde angestanden, um dann das gleiche Level zu sehen, was man schon auf der E3 gesehen hat. Ganz schwach...

Da war der Bethesda-Stand schon interessanter, wo einer der Brink Entwickler ein wenig durch das Spiel führte und alles erklärt hat. Dass man danach noch WET anspielen konnte, war zwar schön, allerdings wusste ich vorher schon nur sehr wenig über das Spiel und wurde auch nicht schlauer. War ja keiner da, den man hätte fragen können ;)

Blizzard konnte man gänzlich ignorieren. Wartezeiten von 2h+ musste ich mir dann doch nicht antun.

Ich hoffe, dass einige Hersteller im nä. Jahr besser für den Ansturm gewappnet sind und ihr Standkonzept nochmal überdenken.
rate (9)  |  rate (0)
Avatar Menteith83
Menteith83
#9 | 27. Aug 2009, 16:25
"Dass die gamescom im Schatten der neu erstarkten E3 steht, die im Juni in Los Angeles stattfand, zeigte sich vor allem bei dem Spielen. Für Fachbesucher war das Programm ernüchternd. Außer Fable 3 für die Konsolen und Guild Wars 2 für den PC gab es auf der gamescom keine Neuankündigung von Weltrang. Hinter den Kulissen wurden oft Versionen gezeigt, die man bereits von der E3 kannte. Weil neue Informationen und neues Material vergleichsweise dünn gesät waren, blieb die Berichterstattung der Fachmedien deutlich hinter der E3 zurück."

Für mich größtes Manko und absolutes KO-Kriterium. Werde die Messe aus diesem Grund zukünftig leider meiden; das war ja bei nahezu sämtlichen Blockbustern der Fall: Assassins Creed, Splinter Cell, Old Republic, Modern Warfare 2,...
rate (5)  |  rate (1)
Avatar Threeforces
Threeforces
#10 | 27. Aug 2009, 16:55
Da ich nie in Leipzig war, habe ich keine Vergleichsmöglichkeit. Fand die Gamescom in Köln im Großen und Ganzen aber ganz okay.
Klar, dass Messeleitung wie Publisher sich ersteinmal langsam antasten müssen. Das wird im nächsten Jahr bestimmt besser.

Was die wenigen Messekracher betrifft, liegt es bestimmt daran, dass die Publisher ihr Pulver bereits auf der E3 verschossen haben. Es stellt doch bestimmt viel Arbeit dar solch eine Messedemo zu erstellen!?

Vielleicht wäre die Gamescom im Januar/Februar besser aufgehoben?

Na, mal sehen - nächstes Jahr bin ich wieder dabei!
rate (1)  |  rate (1)


PROMOTION
 
Sie sind hier: GameStar > Artikel > Kolumnen > Gamescom-Fazit
top Top
Suchen
GAMEPRO MEDIA © IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten GAMEPRO MEDIA