Im Internet begegnet man ihnen zuweilen: desillusionierten, frustrierten Menschen mit einem unbestimmten Hass auf die Welt. Sie schwafeln davon, die Menschheit sei eine Krankheit und der Planet ohne uns eigentlich besser dran. Sie wähnen sich dem Rest der Welt überlegen, weil sie ihre Verkommenheit durchschauen, sind aber tatsächlich nur verbittert und allein. 2015 soll es auch für sie ein Spiel geben, dass ihre ganz persönliche Allmachtsfantasie erfüllt: Das passend benannte Hatred, (Trailer auf YouTube) in dem man wahllos mordend durch die Straßen zieht. Böse formuliert (und die Zielgruppe sollte zynische Zuspitzung ja goutieren): Es ist ein Spiel für Loser.

Kontroverse um »Hatred« : Andre Peschke Andre Peschke Entwickelt vom neuen polnischen Studio Destructive Creations ist Hatred kalkulierte Provokation, maßgeschneidert um die schon so oft abgespulte Diskussion vom Amok-Simulator neu aufzurollen und der Nischenkundschaft den Kitzel des Verruchten vorzugaukeln.

Brutale Gewalt gegen hilflose Zivilisten und Gesetzeshüter zusammen mit der unverhohlen menschenverachtenden Prämisse machen aus einem technisch einigermaßen kompetent wirkenden aber anderweitig spielerisch belanglosen Twin-Stick-Shooter ein »Hot Topic«. Ein Spiel, von dem sich sogar Engine-Hersteller Epic schnell distanzieren musste. Der geistige Nachfolger von Postal, das mit seinem dritten Teil gern auf Konsolen mitspielen wollte und an den Zensurschranken von Sony und Microsoft viele seiner Ecken und Kanten abgeschliffen bekam, scheint gefunden.

Derweil gebärden sich die Entwickler als Rebellen gegen den Mainstream, denen heutige Titel zu zahm sind, zu politisch korrekt - als ob der Hauptvorwurf an das Spiele-Establishment lauten müsste, es würde nicht genügend moralische Untiefen ausloten.

Kontroverse um »Hatred« : Hatred vom Entwickler Destructive Creations ist kalkulierte Provokation. Hatred vom Entwickler Destructive Creations ist kalkulierte Provokation.

Persönlich habe ich grundsätzlich sehr viele Sympathien für all jene Spiele, die Themen abseits der Norm erforschen wollen - auch im Extremen. Doch Hatred will seine Gewaltfantasie nicht erforschen, nur bedienen. Seine Entwickler lassen keine Ambitionen jenseits des Tabubruchs um seiner selbst willen erkennen. Mehr noch, die Helden der politisch inkorrekten Konterrevolution vermerken noch sicherheitshalber auf ihrer Webseite, man solle das Ganze doch bitte nicht zu ernst nehmen - ein fadenscheiniges Sicherheitsnetz wie der Zwinker-Smilie hinter einer Beleidigung im Internet. Ein Rückzugsweg ins Hinterland von »war doch alles nicht so gemeint«. Diese Revolte - so scheint mir - ist vorbei, bevor sie begonnen hat.