Warum E-Sport Spaß macht :

Ich komme gerade von der ESL ONE 2016 in Frankfurt zurück und bin immer noch ganz begeistert. Begeistert von der tollen Atmosphäre in der Commerzbank-Arena sowie den hilfsbereiten Fans und begeistert von den wahnsinnig spannenden Spielen dort. Und das, obwohl ich mit Dota 2 bislang gar nicht so viel zu tun hatte und eher bei League of Legends und vor allem bei Heroes of the Storm unterwegs war.

Warum E-Sport Spaß macht : Der Autor

Jürgen Stöffel mag MOBAs und E-Sport. Daher war er auch am vergangenen Wochenende auf der ESL ONE in Frankfurt und wurde dort wieder einmal davon überzeugt, wie spannend und begeisternd E-Sport sein kann. Besonders beeindruckt haben Jürgen übrigens die überraschend freundlichen Fans und die tollen Cosplay-Kostüme auf dem Event. Und Dota 2 mag er seitdem auch um einiges lieber als zuvor.

Kein Fest für Trolle

Doch schon nach einem Tag war ich umfassend über das Spiel informiert und zwar dank der liebevollen Hilfe zahlreicher Besucher. Denn obwohl die Community von MOBAs wie Dota 2 und League of Legends als extrem toxisch und unsozial gilt, wurden meine Anfängerfragen stets ausführlich und detailliert beantwortet. So konnte ich schon nach kürzester Zeit die doch sehr komplexen Spielabläufe auf dem riesigen Bildschirm in der Arena verstehen und hatte einen Mordsspaß dabei.

Warum E-Sport Spaß macht : Auf der ESL ONE 2016 gab es kreative Cosplayer und hilfsbereite Fans, aber keine Trolle und Hooligans! Auf der ESL ONE 2016 gab es kreative Cosplayer und hilfsbereite Fans, aber keine Trolle und Hooligans!

Ich wurde von Runde zu Runde ein immer größerer Fan des Dota-2-E-sports und war damit nicht alleine. Eine gute Freundin von mir wohnt in Frankfurt und kam zum Event, um mich mal wieder zu sehen. Dabei ging es ihr anfangs nur um ein kurzes Treffen, denn mit Dota 2 hatte sie bislang nichts am Hut.

Doch ich teilte mein gerade erworbenes Wissen mit ihr, und nachdem wir eine Runde gemeinsam angesehen hatten, war sie ebenfalls angefixt, blieb bis zum Schluss und kam auch am folgenden Tag zum Finale wieder. Sie lud übrigens nach dem Endspiel sogleich selbst Dota 2 runter und hat ihre erste Session sogar in einem Let's Play verewigt.

Das Besondere am E-Sport

Denn Spiele wie Dota 2 sind extrem rasant und actiongeladen, bieten aber auch einen enormen taktischen Tiefgang und sogar strategische Planung. Dies macht diese Games - wie auch Fußball - ideal für Sportveranstaltungen, aber anders als beim traditionellen Ballsport gibt es bei DotA2 und Co. immer Action und Dynamik.

Warum E-Sport Spaß macht : Die Stimmung auf der ESL ONE 2016 war einfach umwerfend! Die Stimmung auf der ESL ONE 2016 war einfach umwerfend!

Außerdem haben E-Sport-Games den Vorteil, dass über optimierte Interfaces stets die meiste Action gezeigt und alle relevanten Infos für die Zuschauer eingeblendet werden können. So ist man als Betrachter immer mitten in der Action, und es vergeht kaum ein langweiliger Moment. Und wenn das Spiel in seiner Grundform nicht viel Dynamik bietet, können die Entwickler schnell effektive Turniermodi basteln.

So geschehen bei World of Tanks, dessen erste E-Sport-Spektakel oft in eher gemächlichen Rasenschach-Partien endeten. Doch pünktlich zur großen Weltmeisterschaft der Grand Finals 2016 wurde das Regelwerk soweit optimiert, dass auch in diesem Spiel immer etwas los ist und das Finale 2016 war daher an Spannung kaum zu überbieten!

Besser als Fußball?

Daher sind selbst mittelmäßige E-Sport-Partien ein unterhaltsames Spektakel, was man bei vielen traditionellen Sportarten leider nicht sagen kann. Denn während ein richtig gutes Fußballspiel an Spannung kaum zu toppen ist, sind solche Partien eher rar gesät. Und es gibt kaum etwas langweiligeres, als Spiele, in denen beide Mannschaften zu defensiv spielen oder keine der beiden Seiten sich entfalten kann - und nach über 90 trägen Minuten ein 0:0 von der Anzeigetafel gähnt.

Sowas langweilt und ist gerade bei der aktuellen EM leider schon zu genüge vorgekommen. Daher schalten einige meiner Freunde mittlerweile nur noch zur 80. Minute ein, weil vorher eh kaum etwas Spannendes auf dem Rasen passiert.

Warum E-Sport Spaß macht : Der Sieger der ESL ONE 2016 war das Team OG. Der Sieger der ESL ONE 2016 war das Team OG.

Wäre Fußball ein E-Sport-Spiel, hätten die Entwickler schon längst durch Patches und Anpassungen das Gameplay derart verändert, das solche Schnarchpartien nicht oder kaum noch möglich sind. Geht natürlich im Fußball nicht, man kann schlecht die Spielphysik in der Realität ändern, wenn es noch nicht einmal möglich ist, eine Abseitsstellung eindeutig zu bestimmen.

Weiterhin hat E-Sport den Vorteil, dass jeder gute Spieler, der die nötige Leistung mitbringt, in ein Profiteam kommen kann. Immerhin spielen die Top-Gamer der jeweiligen Mannschaften ja selbst und wer hoch genug aufsteigt, trifft irgendwann mal einen Spieler aus einem Pro-Team, den er dann von seinem Können überzeugen kann.

Echte Alternative zum traditionellen Sport

Ebenfalls positiv: Hooligans und ungehöriges Verhalten von Fans gibt es beim E-Sport ebenfalls nicht - auch nicht bei berüchtigten Spielen wie Dota 2 oder Counter Strike. Die Trolle und Flamer blieben wohl unter ihren Brücken. Stattdessen herrscht Festtagsstimmung, und man freut sich sogar bei Siegen der Gegenseite, weil das Spektakel einfach schön anzusehen war. Daher reisten viele Zuschauer auch aus weit entfernten Ländern an. Eine besonders enthusiastische Na'Vi-Anhängerin war beispielsweise extra aus Australien gekommen!

Warum E-Sport Spaß macht : Jeden Tag waren mehr als 10.000 Fans im Stadion. Jeden Tag waren mehr als 10.000 Fans im Stadion.

Doch versteht mich nicht falsch, ich will keinesfalls den E-Sport in den Himmel loben und den traditionellen Sport verteufeln. Vielmehr glaube ich, dass Turniere wie die ESL ONE oder die Grand Finals bei World of Tanks sehr gut zeigen, wie spannend E-Sport sein kann und welche großes Potenzial darin steckt. Ich glaube fest daran, dass der E-Sport in den nächsten Jahren massiv an Popularität gewinnen und einen festen Platz neben traditionellen Sportarten einnehmen wird.

Die Tatsache, dass das aktuelle Finale bei Sport1 im Fernsehen übertragen wurde und neben dem ZDF sogar die konservative Zeitung FAZ vor Ort war, zeigt meiner Meinung nach sehr gut, dass E-Sport auch in Deutschland langsam aber sicher angekommen ist. Und wer bis jetzt noch kein E-Sport-Fan ist, aber grundsätzlich auf sportliche Wettkämpfe steht, der kann sich doch einfach mal einen Stream von einem großen Event ansehen. Womöglich packt ihn dann auch das Fieber!

Interesse geweckt? Dann finden Sie auf GameStar.de auch meine Berichte zur ESL ONE sowie zu den Spieltagen am Samstag, Sonntag und zum großen Finale.